Fussball

Manuel Baum im Interview über sein Aus beim FC Augsburg: "Das Ende hat sich eigentlich gar nicht angedeutet"

Manuel Baum wurde Anfang April 2019 beim FC Augsburg als Trainer entlassen.

Zur Saison 2014/15 kam Manuel Baum zum FC Augsburg und wurde Cheftrainer des gesamten Nachwuchsleistungszentrums. Zwei Jahre später ist er Coach der FCA-Profis geworden. Anfang April wurde der 39-Jährige auf Platz 15 stehend entlassen.

Im Interview mit SPOX und Goal spricht Baum über sein Aus beim FCA, die Kritik an ihm von Martin Hinteregger und Jeffrey Gouweleeuw, den Transfer von Co-Trainer Jens Lehmann und Zugfahrten um 3 Uhr nachts.

Hier geht es zu Teil 2 des Interviews mit Manuel Baum. Dort spricht Baum über mangelndes Bewusstsein für die Komplexität der Trainerarbeit auf Seiten der Medien und erklärt, wie Deutschland den Rückstand auf andere Nationen beim Thema Nachwuchsausbildung aufholen könnte.

Herr Baum, Sie wurden Anfang April beim FC Augsburg entlassen. Was haben Sie seitdem gemacht?

Manuel Baum: Ich war insgesamt fünf Jahre in Augsburg tätig und bin ein 24-7-Mensch. Daher ist die aktuelle Situation für mich zwar ungewohnt, aber es tut ganz gut, mal ein bisschen Ruhe zu haben. Die Phase unmittelbar nach der Freistellung war natürlich nicht so einfach. Momentan habe ich wieder deutlich mehr Zeit für meine Familie. Ich habe zwei kleine Kinder und durch sie genug Ablenkung. Dazu bauen wir gerade in München ein Haus, so dass auch dieses Projekt dazu geführt hat, dass ich mir nicht zu viele Gedanken gemacht habe. Und ich treffe mich mit Leuten, für die ich schon länger keine Zeit mehr hatte oder mit denen ich in Konkurrenzsituationen stand.

Wie sind Sie seit dem Aus beim FCA damit umgegangen, dass Ihr Alltag nun ein völlig anderer ist?

Baum: Ich habe zwei, drei Wochen benötigt, um herunter zu fahren und andere Dinge genießen zu können. Ich habe auch in meinen Urlauben immer ein paar Tage gebraucht, um abzuschalten und loszulassen. Wenn man im Job ist, glaubt man ja gar nicht, dass es auch etwas Positives haben kann, wenn man nicht mehr dabei ist. Ich kann die Zeit mit der Familie aktuell ganz anders genießen, weil ich eben nicht mehr im Hinterkopf habe, das nächste Training oder Spiel vorbereiten zu müssen.

Wie haben Sie dann das erste FCA-Spiel nach Ihrem Aus gegen Frankfurt, das 3:1 gewonnen wurde, angeschaut: 90 Minuten am Stück oder überhaupt nicht?

Baum: Ich habe es nicht gesehen, sondern war mit meiner Familie unterwegs. Ich habe aber nebenbei auf den Liveticker am Handy geachtet und mich über den Sieg gefreut. Gerade in wirtschaftlicher Hinsicht ist es einfach extrem wichtig, dass der FCA die Klasse hält. Marco Richter hat als Eigengewächs zwei Tore geschossen, im nächsten Spiel wieder zwei. Da ist man auch selbst noch ein wenig stolz.

Vor Ihrer Freistellung verlor Augsburg drei Pflichtspiele am Stück. Als Martin Schmidt übernahm, folgten in zwei Spielen zwei Siege mit 9:1 Toren. Wie erklären Sie sich das?

Baum: Martin Schmidt hat ja gesagt, dass er eine intakte Mannschaft übernommen hat. Man braucht in diesen Situationen einfach auch ein bisschen Spielglück. Nach einem Trainerwechsel kann es sofort wieder funktionieren, manchmal aber auch nicht. Das ist letztlich schwer und nicht schlüssig erklärbar.

Wie sehr hat sich das Ende für Sie angedeutet?

Baum: Eigentlich gar nicht. Ich war schon sehr überrascht, als ich den Anruf bekommen habe. Es war uns allen klar, dass es nicht den einen ausschlaggebenden Punkt dafür gab. Letztlich ist das aber einfach Teil des Geschäfts.

Stefan Reuter begründete Ihr Aus damit, dass die Leistungen in der Saison zu schwankend waren.

Baum: In meinem letzten Spiel haben wir 0:4 gegen Hoffenheim verloren, nicht gut gespielt und alles, was wir von außen versucht haben, hat in dieser Partie nicht wirklich geklappt. Wir hatten zuvor aber Dortmund geschlagen, Remis gegen Leipzig gespielt und Konkurrent Hannover besiegt. Schwankende Leistungen sind für Augsburg grundsätzlich nicht so unnormal. Schlimmer wäre es gewesen, wenn gar nichts mehr funktioniert hätte und wir genauso lange Durststrecken durchlaufen hätten wie andere Teams.

An mancher Stelle stand zu lesen, Sie hätten den Rückhalt der Spieler verloren. Was sagen Sie dazu?

Baum: Das trifft nicht zu. Obwohl die Leistungen so schwankend waren, ging im Verhältnis zwischen Trainerteam und Mannschaft nie gegenseitiges Vertrauen verloren. Es war ein kritisches und lösungsorientiertes Miteinander, um aus der Situation zu lernen. Wir wollten das Wissen darum eigentlich mit in die nächste Saison nehmen.

Sie sind mit Augsburg in den beiden Jahren zuvor auf Platz 13 und zwölf gelandet und haben im Sommer den besten Saisonstart aller Zeiten hingelegt. Wie sehr ist man denn auch Opfer des eigenen Erfolgs geworden, denn gerade die Wahrnehmung des Klubs hat sich im Vergleich zu den Vorjahren ja schon verändert?

Baum: Grundsätzlich ist es in Augsburg so, das betont Präsident Klaus Hofmann ja auch immer, dass man als Verein mit begrenzten finanziellen Mitteln immer Leistungsschwankungen haben wird und jede Saison in der Bundesliga ein Riesenerfolg ist. Bei meiner Freistellung lag man vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Man muss diese Saison etwas ganzheitlicher sehen.

Inwiefern?

Baum: Die vorletzte Spielzeit war trotz eines großen personellen Umbruchs, unter anderem ging mit Paul Verhaegh der Kapitän, für Augsburger Verhältnisse sehr erfolgreich. Wir haben dann in meinen Augen unterbewertete Spieler geholt wie zum Beispiel Rani Khedira oder Michael Gregoritsch. Nicht nur sie haben ihr Potential richtig gut abrufen und tolle Leistungen bringen können. Am Ende sind wir Zwölfter geworden. Dann denkt man sich in der nächsten Saison, dass man das Ziel ein bisschen höherstecken kann, weil vielleicht auch die Erwartungshaltung der Spieler höher ist. Wenn man im einen Jahr 13 Tore schießt, setzt man sich ja im nächsten keine fünf Treffer als Ziel.

Wäre das aber vielleicht realistischer gewesen?

Baum: Man sollte bedenken, dass Spieler wie Khedira, Gregortisch oder auch Philipp Max zum ersten Mal in ihrer Karriere über eine gesamte Saison Stammspieler in der Bundesliga waren. Ich hatte das Gefühl, dass sich der Rucksack, den sich viele Spieler geschnürt haben, im Misserfolg immer größer wurde. Wir hatten auch riesengroße Verletzungsprobleme. Alfred Finnbogason kam mit anhaltenden Patellasehnenproblemen von der WM zurück, Caiuby hat seinen Urlaub verlängert und sich anschließend verletzt. Wir hatten mit vielen Dingen zu kämpfen, es war eine eher unübliche Saison für den FCA. Trotzdem hat es der Verein geschafft, die Liga zu halten und hat wie ich zahlreiche Erfahrungswerte in vielen Bereichen gesammelt, um in solchen Fällen in Zukunft besser gerüstet zu sein.

Manuel Baum: Seine Karriere im Überblick

Steckbrief
NameManuel Baum
Geburtsdatum30. August 1979
Stationen als SpielerJunioren 1860 München (bis 1998), FC Ismaning (1998-2006), FC Unterföhring (2006-2008)
Stationen als Trainer

Co-Trainer SpVgg Unterhaching (2011-2012), Teamchef SpVgg Unterhaching (2012-2013), Cheftrainer SpVgg Unterhaching (2014), Cheftrainer FC Augsburg U23 (2014-2016), Cheftrainer FC Augsburg (2016-2019)

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