Fussball

VfB-Fragen vor dem Rückspiel bei Union Berlin: Wie zur Hölle stoppt man Sebastian Andersson?

Santiago Ascacibar ist nach seiner abgesessenen Rot-Sperre zurück im Stuttgarter Kader.

Nach dem enttäuschenden 2:2 in Stuttgart muss der so auswärtsschwache VfB im Relegations-Rückspiel bei Union Berlin (20.30 Uhr im LIVETICKER) gewinnen, um den Klassenerhalt in letzter Sekunde zu sichern. Aber wie will der VfB das packen? Und was passiert bei einem Abstieg? SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was steht für den VfB Stuttgart auf dem Spiel?

Gefühlt alles, aber bei genauerer Betrachtung in erster Linie eine Menge Geld. Bei einem Abstieg wird wegen eines Umsatzrückgangs von voraussichtlich 30 Prozent mit einem Verlust von 40 Millionen Euro kalkuliert. Ungefähr so viel Kohle, wie nach der Ausgliederung durch den Verkauf von Anteilen an Daimler in die Kassen gespült worden war (41,5 Millionen Euro). Auch der Spieleretat würde sich logischerweise verkleinern (müssen).

Aber: Der VfB wäre trotz geringerer TV-Einnahmen und trotz geringerer Sponsoring-Erlösen in der neuen Saison wohl der finanzkräftigste Verein in der 2. Liga und finanziell gut gerüstet, um erneut den sofortigen Wiederaufstieg anzugehen.

So verlängerte Hauptsponsor Daimler seinen auslaufenden Sponsorenvertrag beim VfB erst vor der Relegation um vier Jahre und wirbt wie bislang auf der Brust der Spieler, aber in Zukunft auch auf dem Ärmel. Ein klares Treuebekenntnis. Dazu kommen die Einnahmen (35 Mio. Euro) aus dem Transfer von Benjamin Pavard zu den Bayern und ein angestrebter zweiter Investor.

Fazit: Rein wirtschaftlich könnte der VfB einen zweiten Abstieg innerhalb von nur drei Jahren verkraften. Notverkäufe wären kein Thema. Dennoch würde es den Verein selbstredend erneut um Jahre zurückwerfen.

Welche personellen Konsequenzen hätte ein Abstieg?

Fast alle Spielerverträge gelten auch für die 2. Liga. Ob deshalb wie beim letzten Abstieg das Gerüst der Mannschaft auch bleiben und den sofortigen Wiederaufstieg angehen würde, ist aber fraglich. Timo Hildebrand sprach im SPOX-Interview davon, dass er bei der aktuellen Mannschaft nicht den Spirit sehe wie bei der letzten Abstiegsmannschaft - der Meistertorwart von 2007 erwartet bei einem Abstieg einen größeren Umbruch.

Klar ist, dass Jungstar Ozan Kabak dank einer Klausel den Verein für 15 Millionen Euro verlassen dürfte und dies wohl auch tun würde. Die spannendsten Personalien wären die alten VfB-Haudegen Mario Gomez, Christian Gentner und Andreas Beck. Alle drei haben in der letzten Saisonphase ihre Bedeutung für den Klub unterstrichen.

"Signalspieler" Beck war bis zu seiner Verletzung eine der wenigen positiven Erscheinungen im Team. Auf Kapitän Gentner und Gomez war im Relegations-Hinspiel Verlass. Bei allen drei Spielern scheint ein Verbleib auch in Liga 2 nicht unrealistisch. Gerade Gomez hat betont, dass er sich in seinem letzten Vertragsjahr auch eine Backup-Rolle, die er im Grunde jetzt schon häufig einnahm, vorstellen könnte. Es scheint nicht gerade wahrscheinlich, dass der 33-Jährige zum Ende seiner Karriere noch einmal woanders hingehen möchte.

Mit dem neuen Coach Tim Walter hätte der VfB auf jeden Fall jemanden an der Seitenlinie, der auch für einen Neuaufbau in der 2. Liga prädestiniert wäre. Auch auf dem Spielermarkt hat sich der VfB bislang auf die 2. Liga konzentriert, wenn man an den bereits verpflichteten Mittelfeldspieler Atakan Karazor (Holstein Kiel) oder den umworbenen Paderborn-Knipser Philipp Klement denkt.

Mindestens genauso spannend wie die Konsequenzen im Kader wären bei einem Abstieg mögliche Konsequenzen in der Führungsetage. "Wenn Stuttgart erneut absteigt, ist er für mich eh nicht mehr zu halten", schrieb Thomas Berthold in seiner kicker-Kolumne über den unter Beschuss stehenden VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich.

Was wird der VfB im Rückspiel verändern?

Klar ist, dass der VfB einiges umstellen muss, wenn er im entscheidenden Moment an der Alten Försterei den zweiten (!) Auswärtssieg einfahren und sich damit in letzter Sekunde retten will. Für den im Hinspiel enttäuschenden und aufgrund von muskulären Problemen wohl ausfallenden Daniel Didavi dürfte Steven Zuber in die Anfangsformation rücken. Der Schweizer hatte bei seiner Einwechslung im Hinspiel sein Comeback nach Verletzungspause gegeben und ist trotz seiner langen Ausfallzeit mit seinen fünf Toren aus der Rückrunde immer noch einer der torgefährlichsten Spieler bei den Schwaben.

Gut möglich erscheint auch, dass Gomez diesmal starten und in vorderster Reihe an der Seite von Nicolas Gonzalez und Anastasios Donis stürmen darf. Chadrac Akolo müsste weichen. Santiago Ascacibar kehrt nach seiner Rot-Sperre sicher in den Kader zurück. Ob er sofort wieder in die erste Elf rückt, ist offen.

Spannend ist vor allem die Besetzung der Innenverteidigung, nachdem der VfB im Hinspiel die langen und präzisen Bälle auf Union-Stürmer Sebastian Andersson überhaupt nicht verteidigen konnte. Der Schwede war mit seinen Kopfballablagen der absolute Schlüsselspieler und zu keiner Sekunde zu kontrollieren. Konzentriert sich Trainer Nico Willig darauf, die langen Bälle zu verhindern, oder stellt er in der Abwehrreihe um?

Die Relegationsduelle der letzten Jahre: Vorteil Bundesligist!

JahrZweitligistErstligistHinspielRückspiel
20091. FC NürnbergEnergie Cottbus3:02:0
2010FC Augsburg1. FC Nürnberg0:10:2
2011VfL BochumBorussia Mönchengladbach0:11:1
2012Fortuna DüsseldorfHertha BSC2:12:2
20131. FC KaiserslauternTSG 1899 Hoffenheim1:31:2
2014SpVgg Greuther FürthHamburger SV0:01:1
2015Karlsruher SCHamburger SV1:11:2 n.V.
20161. FC NürnbergEintracht Frankfurt1:10:1
2017Eintracht BraunschweigVfL Wolfsburg0:10:1
2018Holstein KielVfL Wolfsburg1:30:1
20191. FC Union BerlinVfB Stuttgart2:2

Sprich: Vertraut Willig erneut auf Marc Oliver Kempf und Ozan Kabak? Oder muss der Türke nach seiner schlechtesten Leistung im VfB-Dress auf die Bank? Dann heißen die Optionen Timo Baumgartl, der allerdings im Hinspiel nicht mal im Kader stand, und Holger Badstuber, der unter Willig zumindest ganz leicht aus der Versenkung wieder aufgetaucht ist.

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Union zu besiegen. So wie es am Donnerstag lief, soll es nicht mehr laufen. Wir müssen die richtigen Hebel bedienen. Die letzten Tage haben wir nicht mehr hart trainiert, es ist viel mentales Training, dieses Spiel ist ein besonderes Spiel, ein Hexenkessel, etwas einmaliges, ein bisschen Erfahrung gehört dazu. Deshalb ist es gut, auch erfahrene Spieler auf dem Platz zu haben", meinte Willig auf der Pressekonferenz.

Und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger machte im Interview mit Eurosport sehr deutlich, was er von der Mannschaft erwartet: mehr Kampf. "Unsere Spieler müssen akzeptieren, dass es nicht reicht, teilweise schön zu spielen und ein bisschen zu kämpfen. Es muss 100 Prozent Bereitschaft in allen Belangen da sein", so Hitzlspergers Ansage.

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