Fussball

BVB-Markenbotschafter Patrick Owomoyela im Interview: "Ich habe in der Scheiße gewühlt"

Patrick Owomoyela spielte von 2008 bis 2013 beim BVB.

Patrick Owomoyela hat die längste Zeit seiner Profikarriere bei Borussia Dortmund verbracht. 2018 kehrte er als Markenbotschafter zum BVB zurück. Im Interview mit SPOX und Goal lässt er seine Karriere Revue passieren.

Der 39-Jährige hat mittlerweile "golfend das Angeln für sich entdeckt". Er arbeitet nicht nur für den BVB, sondern ist auch in der Auslandsvermarktung der DFL tätig. Angefangen hat alles ganz ohne Kamera zwischen frisierten Mofas und kaputten Heizkesseln.

Owomoyela spricht über den wichtigsten Trainer seiner Karriere, das Duo Klinsmann/Löw, die erste Klopp-Ansprache und Spiele gegen Pavel Nedved und Ronaldinho.

Herr Owomoyela, Sie beschreiben sich bei Instagram als "Ex-Fußball-Profi, der neben medialer Arbeit golfend das Angeln für sich entdeckt hat". Zudem sind Sie glühender NBA- und NFL-Fan. Wann schlafen Sie?

Patrick Owomoyela: Mein Sohn sagt: immer dann, wenn er mit mir spielen will. (lacht) Das ist aber nicht ganz wahr. Es gibt schon Tage, an denen ich tagsüber auf der Couch hänge, weil ich spät zu Hause war, nach Flügen Jetlag habe oder mir den Super Bowl angeguckt habe. Gerade die Reisen machen das Ganze etwas anstrengender, als viele meinen mögen. Trotzdem ist die Arbeit ein großer Spaß, weil ich mit meiner größten Leidenschaft zu tun habe - und deshalb kann ich auch mal auf ein paar Stunden Schlaf verzichten.

Was hat es mit dem Angeln auf sich?

Owomoyela: Da kann ich neben dem Motorradfahren am besten abschalten. Wenn es mein Kalender zulässt, fahre ich im Sommer gerne ganz alleine quer durch Europa und mache das Handy aus. Dann stehe ich am Wasser und versuche, Fische zu angeln. Das Angeln ist meine Art Yoga und hilft, meine Speicher aufzufüllen.

Sie waren schon recht früh jemand, der einen hohen Taten- und Bewegungsdrang hatte, oder?

Owomoyela: Das stimmt. Besonders natürlich, weil ich Fußball und Basketball gespielt habe. Während meiner Schulzeit versuchte ich mich sogar noch im Eishockey. Das habe ich aus Zeitgründen aber wieder aufgegeben.

Wieso wurde es am Ende der Fußball?

Owomoyela: Ich bin ein Kind der Generation Michael Jordan. Auf Sat.1 habe ich mir das NBA-Magazin "Jump ran" mit Lou Richter reingezogen. Das alles hat mich sehr geprägt und war der Grund dafür, weshalb ich überhaupt zum Basketball gekommen und dabeigeblieben bin. Mit 18, 19 Jahren musste ich mich entscheiden, welche Sportart ich im Herrenbereich verfolgen möchte, da beides parallel zeitlich nicht mehr machbar gewesen wäre. Im Fußball steuerte ich auf Semi-Profiniveau zu und beim Basketball schaffte ich es in die 3. Liga. Nur gab es im Fußball schon ein wenig Taschengeld, während ich beim Basketball noch einen Monatsbeitrag zahlen musste. Daher war die Entscheidung relativ simpel. (lacht)

Sie haben zu dieser Zeit nebenbei auch noch eine Ausbildung zum Klempner gemacht.

Owomoyela: Ich fing als Jugendlicher früh an, mein Fahrrad auseinander und wieder zusammen zu bauen. Später habe ich auch an Mofas herumgespielt. Selbst als ich noch nicht selbst fahren durfte, habe ich versucht, Mofas zu frisieren. Eigentlich wollte ich Kfz-Mechaniker werden. Ich war kein Bücherwurm, der studieren wollte.

Was ist aus der Kfz-Mechaniker-Sache geworden?

Owomoyela: Ich wollte vor allem an Autos herumschrauben, aber nur bei den Topmarken arbeiten - BMW, Mercedes, Porsche. Die stellten aber nur Leute mit Abitur ein, und ich hatte einen Realschulabschluss. In meinem Freundeskreis hatten damals aber schon einige als Wasserinstallateur angefangen. Da gab es schon im ersten Lehrjahr ganz ordentliches Geld, 800 Mark waren das. Ich dachte mir: Ich schraube jetzt zwar an Heizkesseln und nicht an Autos herum, aber bekomme gutes Taschengeld. Ich war damals eben relativ finanzorientiert. (lacht) Auch wenn mir der Beruf Spaß gemacht hat, habe ich im wahrsten Sinne des Wortes oft in der Scheiße gewühlt.

Glücklicherweise gab es ja noch den Fußball. Ihre Karriere kam 1999 beim Lüneberger SK langsam ins Rollen.

Owomoyela: Mit 20 war ich mit der Ausbildung fertig. Bis dahin habe ich zu Hause gewohnt. In meinem zweiten Jahr in der Regionalliga spielte ich dann nur noch Fußball und habe den Beruf quasi mit Erhalt des Gesellenbriefs an den Haken gehängt.

Anders gesagt: Sie wurden Profi.

Owomoyela: Naja, Profi ist relativ. Es war eigentlich noch zur Hälfte Amateurbereich. Das war zwar damals die 3. Liga, die noch Regionalliga hieß, aber sportlich und auch von der Darstellung her war sie nicht im Ansatz so professionell wie die 3. Liga heute. Da wurde manchmal schon der Kasten Bier in die Kabine gestellt, wenn es einen gewissen Anlass gab. Bei Geburtstagen schmiss der Hausmeister am Trainingsgelände den Grill an und solche Sachen. Das hat sich dann in Bielefeld natürlich geändert.

Ihr Wechsel zur Arminia 2003 war Ihr Aufstieg in die 2. Liga. Wie haben Sie diesen wichtigen Schritt in Erinnerung?

Owomoyela: Es war eine gute Zeit, ich habe mich sehr wohl gefühlt. Bielefeld war auch eine größere Stadt. Zuvor in Paderborn war es schon sehr ruhig und konservativ. Meine Zeit beim VfL Osnabrück war zwar nicht schlecht, aber für mich als junger Fußballer, der auch mal gerne ausgegangen ist, war das in Bielefeld schon besser - natürlich auch aus sportlicher Sicht.

Sie stiegen mit Bielefeld 2004 in die Bundesliga auf und spielten sich in die Nationalmannschaft. Das alles unter Trainer Uwe Rapolder, der heute einen beinahe ausgestorbener Trainertyp verkörpert. Welche Rolle spielte er für Sie?

Owomoyela: Er hat mich in der 2. Liga vom Außenstürmer zum Rechtsverteidiger gemacht. Rapolder war wohl der wichtigste Trainer in meiner Ausbildung. Er hat bei mir das Grundgerüst geschmückt und deshalb habe ich ihm sehr, sehr viel zu verdanken.

Er war damals schon ein sehr erfahrener Trainer. Hat er Sie auch mental auf das Fußballgeschäft vorbereitet?

Owomoyela: Nein, das musste er gar nicht. Fußball ist ein hartes Geschäft. Ich glaube aber, dass mein eigenes Leben schon immer die richtige Schule dafür war. Ich komme aus relativ einfachen Verhältnissen, wir hatten nichts im Überfluss. Ich lebte bei meiner Mutter und war oft alleine. Mein älterer Bruder war sehr früh aus dem Haus und hat sich um seine Dinge gekümmert. Ich musste also zusehen, wo ich bleibe und mich durchboxen - auch verbal. Diese Erfahrungen haben mir später im Fußball schon geholfen.

Fehlt diese Schule manchen Spielern heutzutage?

Owomoyela: Heute werden viele Spieler in Watte gebettet. Es wird ihnen alles vorgekaut und dargereicht, nur auf dem Platz müssen sie sich dann selbst etwas erarbeiten. Vielleicht gibt es heute in der Spitze insgesamt gesehen weniger Spieler, die robust genug für dieses Business sind.

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