Fussball

Oliver Kahn im Interview: "Bin froh, dass ich bald nicht mehr nach Bayern gefragt werde"

Von Jochen Tittmar, Haruka Gruber
Oliver Kahn stand von 1994 bis 2008 im Tor des FC Bayern.

14 Jahre lang stand Oliver Kahn im Tor des FC Bayern München, nun ist er erfolgreicher Unternehmer bei Goalplay - und 2020 wird er wohl zum FCB zurückkehren. Im zweiten Teil des Interviews mit SPOX und Goal spricht Kahn über sein MBA-Studium nach dem Karriereende und erklärt, warum er 2009 dem FC Schalke 04 abgesagt hat.

Zudem äußert Kahn seine Meinung zur viel diskutierten 50+1-Regel, zu globalen Entwicklungen im Profifußball, zum Thema Traditionserhalt und beantwortet die unvermeidliche Frage zu einem Job beim FC Bayern.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Oliver Kahn. Darin spricht der einstige Welttorhüter über sein frühes Interesse an den Themen Management und Börse, ein legendäres Zitat von Otto Rehhagel, die Philosophie seines Unternehmens Goalplay und weshalb er bei der Markenbildung von Profisportlern noch großen Nachholbedarf sieht.

Zwischen 2009 und 2011 haben Sie einen Master-Aufbaustudiengang MBA an der privaten Universität Seeburg in Österreich mit Schwerpunkt "General Management" und im Nebenfach Sportmanagement absolviert. Wie anstrengend war nach 20 Jahren Profifußball das Eintauchen in das neue Leben?

Kahn: Das Lernen neu zu lernen und sich neues Wissen zu erarbeiten, war anfangs schon schwierig. Ich musste vorab einige Kurse belegen, um mich für den Studiengang zu qualifizieren. Zu Beginn der Präsenzphasen musste sich jeder vorstellen. Ich habe dann gesagt: "Ich heiße Oliver Kahn und war früher mal Torwart". Das hat immer für eine gewisse Heiterkeit gesorgt.

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Haben Sie zwischenzeitlich auch einmal gezweifelt, ob das alles wirklich Sinn für Sie ergeben würde?

Kahn: Nein, weil mir das wissenschaftliche Arbeiten irgendwann Spaß gemacht hat. Ich fand die Kombination spannend: Was wird in der Theorie gelehrt und was kann ich davon dann mit in die Praxis nehmen?

Während dieser Zeit, nur ein Jahr nach Ihrem Karriereende, haben Sie 2009 mit dem FC Schalke 04 wegen des vakanten Managerpostens verhandelt. War es während des Studiums noch Ihr Plan, anschließend daran wieder ins sozusagen angestammte Geschäft zurückzukehren?

Kahn: Menschen tendieren dazu, sich an das zu halten, was sie kennen. Bei mir war dies das Fußballgeschäft. Deshalb habe ich dieses Treffen mit Clemens Tönnies in Rheda-Wiedenbrück nach einigen Vorgesprächen auch angenommen.

Nach den Verhandlungen sagten Sie, das Angebot wäre ein halbes Jahr zu früh gekommen.

Kahn: Ich weiß noch, wie ich in Rheda-Wiedenbrück im Hotel saß. Alles war total geheim und keiner sollte etwas wissen. Im Fernsehen lief n-tv. Plötzlich sah ich, wie unten im Ticker-Band stand: Oliver Kahn zu Verhandlungen in Rheda-Wiedenbrück eingetroffen. (lacht)

Aber deshalb haben Sie Schalke nicht abgesagt?

Kahn: Nein. Beide Parteien fanden die Idee sehr interessant, aber ich habe mich letztlich einfach noch nicht bereit gefühlt. Ich behaupte, ein gutes Gespür dafür zu haben, wann ich für bestimmte Dinge bereit bin und wann nicht.

Aufsichtsratsboss Tönnies lobte anschließend das von Ihnen vorgelegte Konzept. Wann haben Sie sich denn darüber Gedanken gemacht und dieses zusammengestellt?

Kahn: Ich habe mich zu der Zeit, unter anderem auch im Studium, viel mit den strategischen Aspekten des Fußballgeschäfts beschäftigt. Deshalb war das damals nichts Außergewöhnliches für mich, mir Gedanken über die grundsätzliche Ausrichtung eines Vereins zu machen.

Wie sehr spielte es denn für Ihre Absage eine Rolle, dass man sich eine Gemeinschaft zwischen Schalke 04 und Oliver Kahn nicht so richtig vorstellen konnte?

Kahn: Es waren viele kleine Punkte, warum es für mich zu früh kam. Ich war und bin einfach zu 120 Prozent von Bayern München geprägt. Ob dieses extreme Erfolgsdenken auch in einem anderen Verein funktioniert, habe ich mich schon gefragt.

Und wenn das Angebot ein halbes oder ganzes Jahr später gekommen wäre, hätten Sie es dann angenommen?

Kahn: Das ist hypothetisch.

Schalke ist bis heute einer der wenigen eingetragenen Vereine geblieben. Gehörte es zu Ihren damaligen Gedanken, dass man die Profiabteilung aus dem Verein ausgliedern müsse, um im modernen Fußball mithalten und eben Titel gewinnen zu können?

Kahn: Die Ausgliederung der Lizenzspielermannschaft in eine Kapitalgesellschaft ist zunächst einmal ein rein struktureller Vorgang, bei dem in Deutschland der Verein ja weiterhin mindestens 51 Prozent der Anteile hält. Der Einfluss des Vereins bleibt also weiterhin bestehen. Ich will damit sagen, dass durch eine Ausgliederung lediglich die Voraussetzung geschaffen wird, haftungsrechtlich und finanzwirtschaftlich anders als bei einem reinen Verein zu agieren. Sportlicher Erfolg ist dadurch noch lange nicht garantiert. Real Madrid ist übrigens immer noch ein Verein und zeigt, dass man mit dieser Struktur extrem erfolgreich sein kann.

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