Fussball

Mahmoud Dahoud und seine Situation beim BVB: Bei den Großen zu klein

Mahmoud Dahoud kommt beim BVB nicht über die Rolle des Ergänzungsspieler hinaus.

Nach seinem Bundesligadebüt 2015 für Borussia Mönchengladbach zeigte Mahmoud Dahoud zwei Jahre lang konstant gute Leistungen. Auf noch höherem Niveau bei Borussia Dortmund hat sich der Leistungsträger der deutschen U21-Nationalmannschaft allerdings noch nicht durchsetzen können.

Auf einmal ist er nicht nur mit dabei, sondern darf auch wieder richtig mitmachen. So läuft es häufig für Mahmoud Dahoud, seit er 2017 zu Borussia Dortmund gewechselt ist. Dahoud kommt meist nur schubweise als Startelfspieler zum Einsatz - oder eben dann, wenn die Personalsituation nicht mehr allzu viele Alternativen bietet.

Das war am vergangenen Samstagabend anders. BVB-Trainer Lucien Favre musste in München mit Paco Alcacer und Raphael Guerreiro zwar auf zwei Offensivspieler verzichten, es überraschte aber dennoch, dass er Dahoud in die Anfangsformation stellte.

Favre tat das deshalb, weil er im Spitzenspiel gegen den FC Bayern stabil verteidigen und lauern wollte, um bei Ballgewinn schnelle Konter zu fahren und mit Zug in den Rücken der FCB-Defensive kommen. Und die Pässe, die die Tempo-Spieler wie Marco Reus, Jadon Sancho und Jacob Bruun Larsen ins Laufen bringen sollten, die hatte der Coach an diesem Abend Dahoud anvertraut.

Dahoud als BVB-Stratege: Favres Plan misslingt

Nun ging das Spiel freilich eklatant in die Hose, 0:5 geriet ein überraschend chancenloser BVB beim FC Bayern unter die Räder. Favres Taktik inklusive Systemumstellung auf 4-3-3 griff in keiner Phase des Spiels. Das macht es noch schwerer nachzuvollziehen, weshalb der Trainer angesichts der angespannten Personalsituation in der Offensive mit Mario Götze freiwillig auf einen Spieler verzichtete, der fit und zuletzt ziemlich formstark unterwegs war.

"Es ist nach dem Spiel leicht zu sagen, dass es keine gute Idee war. Aber ich weiß auch nicht, ob es besser gewesen wäre, hätten wir 4-4-1-1 gespielt. Wir wollten Läufe in die Tiefe. Das hat nicht funktioniert", gab Favre nach dem Debakel zerknirscht zu Protokoll.

Lediglich in einer Szene funktionierte der Plan, es war zugleich die einzige nennenswerte, die die Dortmunder an diesem Horror-Abend zustande brachten: Da nämlich fuhr der BVB einen bilderbuchhaften Konter, kam in den Rücken der gegnerischen Abwehr und fand schließlich den freien Mann. Es war mit Dahoud derjenige, der eigentlich seine Mitspieler in Abschlusssituationen bringen sollte. Der 23-Jährige scheiterte in Minute sechs freistehend am Pfosten.

Dahoud mit zweitwenigsten Pässen beim BVB

Auch von ihm sollte es das in der Allianz Arena gewesen sein. Dahoud entpuppte sich nicht als Stratege, der die Bälle in die Tiefe spielt, so wie es ihm noch nach seiner Einwechslung im Hinspiel gegen die Bayern gelungen war. Damals kam er zur Pause ins Spiel, half dem BVB dabei, die Hoheit im Zentrum zurückzuerobern und bewies mit tollen Zuspielen, dass er wie schon in vielen Partien zu seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach ein technisch einwandfreier Dirigent sein kann.

Stattdessen landeten in München nur zwei seiner insgesamt 21 Pässe (die zweitwenigsten aller Startelfspieler) im Dortmunder Angriffsdrittel, Dahouds Passquote von 71 Prozent bedeutete den schwächsten Wert aller BVB-Spieler. Und wie für das gesamte Team lief es auch defensiv nicht für den gebürtigen Syrer: 23 Prozent gewonnene und zahlreiche nicht geführte Zweikämpfe sind kein Ruhmesblatt.

Freilich, an Dahoud alleine hat das 0:5 nicht gelegen. Doch nun darf man sich wohl doch wieder fragen, wann Favre ihn das nächste Mal spielen lassen wird - so wie es unabhängig vom Trainer eigentlich immer in seiner Dortmunder Zeit der Fall war.

Dahoud in Dortmund zwischen Genie und Wahnsinn

Bilanziert man diese, so scheint der im Sommer 2017 zum BVB gewechselte Dahoud bei den Großen noch zu klein zu sein, um sich dauerhaft durchzubeißen. Er schwankt bei seinen sporadischen Auftritten - der letzte Startelfeinsatz in der Bundesliga lag zwei Monate zurück, wohingegen er die ersten vier Favre-Spiele allesamt von Beginn an spielte - noch zu sehr zwischen Genie und Wahnsinn.

"Ich spiele aktuell bei einem Topverein, der im Kampf um die Meisterschaft voll dabei ist. Dass man nicht jedes Spiel von Anfang an machen kann, ist mir klar. Wichtig ist mir und auch unserem Trainer die individuelle Entwicklung. Und da bin ich auf einem guten Weg", sagte Dahoud kürzlich bei t-online.de.

Ohne Einschränkung gilt diese Einschätzung in der deutschen U21-Nationalelf, für die er seit über drei Jahren aufläuft. Dort gehört Dahoud zu den Stammspielern und Leistungsträgern, bei den Prestigesiegen in Italien und England gelang ihm ein Tor und eine Vorlage. Wenn im Juni die U21-EM in Italien ansteht und der Titel von 2017 verteidigt werden soll, ist Dahoud ähnlich wie am Samstag in München als Dreh- und Angelpunkt seiner Elf vorgesehen.

Dahoud: "Ich weiß, dass einmal der Tag kommen wird..."

Für den Mittelfeldakteur, vertraglich noch bis 2022 an den BVB gebunden, wird das Turnier eine Möglichkeit sein, sich zu empfehlen - für mögliche Interessenten, aber natürlich auch für die Borussia. In Dortmund bedarf es schlichtweg mehr Konstanz, wenn Dahoud seine Chancen von Beginn an erhält. Die Akklimatisierungsphase ist vorbei.

"Das war nicht so einfach für mich", sagte er vor einem Jahr in der Sport Bild zu seinem Start bei den Schwarzgelben. "Ich weiß, dass in Dortmund einmal der Tag kommen wird, an dem ich auf den Platz gehe und blind weiß, wie ich meine Mitspieler einsetzen muss."

Zwölf Monate später ist dieser Tag noch nicht gekommen. Sein zweites Jahr im BVB-Dress fing gut an, Dahoud erzielte Dortmunds erstes Tor in der laufenden Bundesligasaison. Nach seinem enttäuschenden Auftritt in München deutet allerdings nicht viel darauf hin, dass es für ihn persönlich auch gut endet.

Mahmoud Dahoud: Seine Leistungsdaten beim BVB

SaisonPflichtspieleStartelfToreAssists
2018/19201110
2017/18341906
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