Fussball

Borussia Mönchengladbach trennt sich von Dieter Hecking: Endlich Tacheles

Von Jonas Rütten
Gehen ab Sommer getrennte Wege: Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und Trainer Dieter Hecking.

Borussia Mönchengladbach und Trainer Dieter Hecking gehen am Ende der Saison getrennte Wege. Es ist eine Kehrtwende, die Manager Max Eberl nach der Vertragsverlängerung im November hingelegt hat - und die richtige Entscheidung. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jonas Rütten.

Eberl Schwächen als Sportdirektor nachzusagen, ist schwierig. Gerade in Anbetracht der positiven Dinge, die er am Niederrhein in über zehn Jahren vollbracht hat.

Wenn es aber eine Schwäche bei Eberl gibt, dann ist es das lange Festhalten an Trainern. Das mag hart klingen, weil gerade die Hire-and-Fire-Politik anderer Klubs mitunter auch zurecht kritisiert wird und das Verlangen nach Kontinuität groß ist.

Doch bei Eberl geht die Nibelungentreue mitunter zu weit. Der Wunsch, die Wende doch noch gemeinsam zu schaffen, war bei ihm auffallend oft Vater des Handelns.

Favre und Schubert als Beispiele

So war es bei Lucien Favre, der nach Platz drei 2015 seinen Abschied angeboten hatte und trotz eines desaströsen Saisonstarts anschließend selbst zurücktreten musste, damit sich die Wege trennten.

So war es bei Andre Schubert, dessen Vertrag nach Platz vier 2016 schnell verlängert wurde und an dem in Krisenzeiten viel zu lange festgehalten wurde. So war es auch bei Michael Frontzeck, dem Eberl 2011 so lange das Vertrauen schenkte, bis es fast zu spät war.

Und so war es nun auch bei Dieter Hecking, dessen Vertrag Eberl erst im November des vergangenen Jahres verlängert hatte und ihm nun erst am Montagabend mitteilte, ab Sommer ohne ihn zu planen.

Eine persönlich sehr schwierige "strategische Entscheidung", um "Dinge" neu zu strukturieren. Keine, die aufgrund der sportlichen Talfahrt der vergangenen Wochen gefällt wurde, wie Eberl am Dienstag klarstellte.

Hecking-Aus wäre im Sommer verständlich gewesen

Dabei hätte sich der Aufschrei in Gladbach in Grenzen gehalten, wenn schon im Sommer für Hecking Schluss gewesen wäre. Zwei Mal Platz neun, zwei Mal in der Saison eingebrochen. Kein sichtbares Konzept, keinen Plan B. Das oft dröge 4-4-2? Alternativlos unter Hecking.

Statt ihn abzulösen, setzte sich Eberl mit Hecking zusammen, entwickelte einen Plan, wie Dinge neu angedacht und zum Erfolg führen könnten. Hecking stellte das Spielsystem um, hinterfragte sich selbst und seine Philosophie.

Jonas Hofmann auf die Achterposition zu stellen, war eine der Entdeckungen der Saison und ebenso wie die Hinrunde mit klubeigenem Punktrekord aller Ehren wert.

Hecking verfällt in alte Muster

Doch in der Rückrunde verfiel Hecking in alte Muster. Taktisch ausrechenbar und nur selten in der Lage, im Spiel zu reagieren. Dazu eine Mannschaft, die nicht mehr in der Form der Hinrunde war und Spiele nicht mehr über die zweifelsfrei vorhandene individuelle Klasse gewann.

Die jüngste 1:3-Niederlage gegen Düsseldorf war nicht nur der Gipfel der Krise, sondern sozusagen der letzte Beweis dafür. Selbstverständlich profitierte die Fortuna von individuellen Fehlern, doch sie war auch auf diese Fehler vorbereitet.

Sie wusste, dass ein Ballverlust von Alassane Plea auf dem linken Flügel bei gezieltem Pressing (zuletzt keine Seltenheit) zu gefährlichen Kontern führen kann. Sie wusste es, weil andere Gegner es ihr vorgemacht hatten.

Hecking hatte zwei Wochen Zeit, seine Mannschaft anders einzustellen, die Grundordnung zu verändern, die Starre der offensiven Dreiereihe um Thorgan Hazard, Lars Stindl und Plea zu lösen. Doch er veränderte nichts.

Eberl treibt Umbruch in Gladbach voran

Dass Hecking nicht sofort entlassen wurde, zeigt, dass Eberl ihm zumindest die Qualifikation für die Europa League zutraut. Dass im Sommer ein neuer Coach kommt, zeigt hingegen, dass "nur" international zu spielen auf lange Sicht in Gladbach nicht den Ansprüchen genügt. Und Eberl traut Hecking mehr augenscheinlich nicht zu.

Also hat Eberl endlich Tacheles geredet. Ungewohnt klare Kante gezeigt. Gegenüber einem Trainer, der Gladbach in einer schweren Lage wieder stabilisiert hatte. Dass er damit ein Risiko eingegangen ist, weiß er.

Aber er wolle eben auch etwas Blechernes mit Gladbach gewinnen, wie Eberl bereits vor zwei Jahren sagte. Die Voraussetzungen dafür will er nach der Neu-Aufstellung des Vereins im Sommer (neuer Torwarttrainer, hauptamtlicher Mannschaftsarzt, neuer Teammanager) weiter schaffen.

Ein neuer Trainer ist ab Sommer der nächste Baustein - und der richtige Weg.

Dieter Hecking: Statistiken und Statistiken als Trainer

VereinAmtsantrittAmtsaustrittSpielePunkte pro Spiel
Borussia Mönchengladbach21.12.201630.06.2019921,59
VfL Wolfsburg01.01.201317.10.20161651,75
1. FC Nürnberg22.12.200924.12.20121121,33
Hannover 9608.09.200619.08.20091091,34
Alemannia Aachen01.07.200407.09.2006831,69
VfB Lübeck27.03.200130.06.20041191,49
SC Verl01.07.200029.01.2001201,55
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