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Pascal Stenzel vom SC Freiburg im Interview: "Beim BVB ergab es keinen Sinn mehr"

Beim BVB wurde Pascal Stenzel von Trainer Thomas Tuchel im Sommer 2015 zu den Profis hochgezogen und zum Rechtsverteidiger umfunktioniert. Wenig später wechselte er jedoch per Leihe zum SC Freiburg.

Im Interview mit SPOX und Goal spricht Stenzel über seinen Start bei Borussia Dortmund, die neue Position, den Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus, die Gründe für den permanenten Transfer zum SCF und den Einfluss von Christian Streich.

Herr Stenzel, bald ist es drei Jahre her, dass Sie leihweise vom BVB nach Freiburg wechselten. Mittlerweile haben Sie sich in der Bundesliga etabliert - und das als Rechtsverteidiger, nachdem Sie Ihre gesamte Jugend im Mittelfeld verbracht haben. Damit hätten Sie wohl auch nie gerechnet, oder?

Pascal Stenzel: Ich hätte es auf jeden Fall unterschrieben, aber wohl auch gefragt: Wieso jetzt genau Rechtsverteidiger? In meiner Jugend habe ich mich nie auf der Außenverteidigerposition gesehen. Thomas Tuchel hat mich ins kalte Wasser geschmissen. Als Jungprofi habe ich mir wenige Gedanken darüber gemacht, sondern alles aufgesaugt und versucht, mein Bestes zu geben.

Tuchel stellte Sie in der Vorbereitung auf die Saison 2015/16 während der Asientour nach rechts hinten, weil Lukasz Piszczek und Erik Durm verletzt fehlten. Wie kam das genau?

Stenzel: Oliver Kirch wäre auch noch eine Alternative gewesen. Er hat das Klima in Asien aber nicht vertragen, ihn hatte es mit Fieber zerlegt. Tuchel wollte, dass jeder zum Einsatz kommt, der diese Tour mitgemacht hat und so war ich quasi der letzte verbliebene Kandidat. In dem Spiel habe ich es auch gar nicht so verkehrt gemacht und der Trainer sah, dass ich das auch spielen kann. Von da an bin ich aus dieser Schiene nicht mehr herausgekommen und blieb auch im Training rechts hinten.

Weil Sie Tuchel überzeugt hatten?

Stenzel: Ich habe das zweite Spiel auf der Asientour noch auf der Sechs spielen dürfen. Dort habe ich es aber nicht besonders gut gemacht und dann kam es wohl so rüber, dass ich auf der anderen Position vielleicht doch besser aufgehoben bin. Ich weiß aber nicht genau, was er sich dabei gedacht hat. Ich glaube nicht, dass ihm auf einmal die Idee kam, ich hätte auch die Fähigkeiten für den rechten Verteidiger. Vielleicht meinte er, mein Spielverständnis auf der Sechs war gut genug, um mich auch auf Außen zeigen zu können. Es war zunächst schon eine Umstellung, aber ich habe mich nicht unwohl gefühlt. In der U19 hatte ich ohnehin auch fast alle anderen Positionen bereits gespielt - nur Rechtsverteidiger nicht. (lacht)

Tuchel nahm Sie anschließend auch ins Sommer-Trainingslager nach Bad Ragaz mit. Insgesamt kamen Sie in allen acht Testspielen in der Vorbereitung zum Einsatz und erzielten zwei Tore. Welche Perspektiven hatte man Ihnen damals aufgezeigt?

Stenzel: Dass ich die Vorbereitung bei den Profis mitmachen darf, stand schon etwas länger fest. Zwischenzeitlich habe ich mich jedoch am Rücken verletzt und bin eine ganze Weile ausgefallen. Letztlich bin ich zum Glück rechtzeitig wieder gesund geworden. Es waren auf der Asien-Reise noch zwei, drei andere Jugendspieler mit dabei und es hieß, man schaue sich erst einmal an, wie ich mich mache und wer von uns letztlich oben bleiben darf. Das war dann ich und so blieb es auch während des Saisonbetriebs. Mir wurde aber nicht großartig etwas versprochen oder konkrete Perspektiven aufgezeigt. Ich war einfach froh, dass ich in dieser Mannschaft meine ersten Momente im Profifußball miterleben durfte.

Auf einmal waren Sie eine Rechtsverteidiger-Alternative bei den Profis - hatten Sie sich selbst mehr erhofft, nachdem Sie sozusagen Blut geleckt hatten?

Stenzel: Nein, ich hatte mit diesem Tempo ja überhaupt nicht gerechnet. Ich war ziemlich schnell im Kader mit dabei und es ging letztlich Schlag auf Schlag. Ich weiß aber noch, dass ich mich relativ lange wahnsinnig über das eine schwächere Spiel auf der Sechs geärgert habe. Das war ja meine eigentliche Position und daher mein Anspruch, es dort gut zu machen.

Wie haben Sie Tuchel als Trainer wahrgenommen?

Stenzel: Das Training unter ihm hat mir extrem weitergeholfen. Es war sehr durchgeplant und natürlich sehr auf Ballbesitz fixiert: immer viel mit Ball, viele Rondos, kleine Spielformen mit Abschlüssen. Er war sehr akribisch und sehr fordernd - gerade auch bei einfachen Übungen. Da wollte er viel Zug drin haben, man musste ständig konzentriert bleiben. Er konnte auch mal lauter werden und einen anschreien, aber das hatte man sich meist selbst zuzuschreiben, wenn man gerade zwei einfache Pässe neben den Mann gespielt hatte. Da hat man sich unter ihm als junger Bursche dann natürlich ein paar Gedanken gemacht und war etwas verunsichert. Es hat mir bei ihm aber viel Spaß gemacht. Ich kann kein schlechtes Wort über ihn verlieren.

Im Oktober 2015 verlängerten Sie Ihren Vertrag bei der Borussia vorzeitig bis Ende Juni 2019, gingen drei Monate danach aber auf Leihbasis für eineinhalb Jahre zum SC Freiburg. War bei der Vertragsunterzeichnung schon absehbar, dass sich die Wege erst einmal trennen werden?

Stenzel: Nein. Meine Gedanken steckten noch so ein bisschen in meiner Rückenverletzung. Ich war einfach froh, dass ich fit geworden bin und es dann so gut für mich lief. Das kam genauso überraschend wie die anschließende Unterschrift unter meinen ersten Profivertrag. Ich habe mich damals mit nichts anderem beschäftigt.

Wie kam also der Transfer ins Breisgau zustande?

Stenzel: Mein Berater erzählte mir, dass der SC angefragt habe und er wollte wissen, wie ich das sehe. Ich meinte, dass bisher alles wunderbar lief und ich jetzt nicht wüsste, weshalb ich wechseln sollte. Er hat Freiburg dann erst einmal abgesagt. Danach kam Tuchel auf mich zu und fragte, aus welchen Gründen ich bereits abgesagt habe. Er fand das nämlich eine richtig gute Idee. Wir haben dann miteinander gesprochen. Er meinte, er könne mir keine Spielzeit versprechen, ich würde aber in seinen Augen welche benötigen. Erst dann habe ich damit begonnen, so richtig darüber nachzudenken - und plötzlich ging alles sehr zügig. Zwei Wochen nach dem ersten Gespräch mit meinem Berater war ich schon in Freiburg.

Da die Leihe ohne Kaufoption ablief, scheint der BVB zum damaligen Zeitpunkt nicht gewillt gewesen, Sie abzugeben. War also der Plan, Sie 2017 wieder zurückzuholen?

Stenzel: Ja, erst einmal schon. Auch ich dachte anfangs, dass ich dann wieder zurückgehe. Das war ja auch der vertraglich geregelte Plan. Im kommenden Winter haben wir dann miteinander besprochen, wie ich die Situation einschätze. Beim BVB ergab es keinen Sinn mehr, weil dort mit Piszczek, Durm, Matthias Ginter und Felix Passlack gleich mehrere Spieler auf dieser Position spielten. Zudem sind wir in Freiburg in die Bundesliga aufgestiegen und ich war Stammspieler. Es war letztlich ein schleichender Prozess, bis wirklich klar war, wie meine Zukunft aussieht.

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