Hannover 96 entlässt Trainer Andre Breitenreiter - Doll Nachfolger

SID
Hannover 96 hat Trainer Andre Breitenreiter entlassen.
© getty

Hannover 96 hat am Sonntag die Reißleine gezogen und die Trennung von Trainer Andre Breitenreiter vollzogen. Nachfolger wird Thomas Doll.

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Die tagelange Hängepartie ist beendet, der "Hannoveraner Jung" muss gehen: Andre Breitenreiter ist nicht mehr Trainer des Abstiegskandidaten Hannover 96. Der Tabellenvorletzte der Fußball-Bundesliga reagierte damit auf die sportliche Krise und das bittere 1:5 am Samstag bei Borussia Dortmund - dem achten Spiel in Folge ohne Sieg. Nur wenige Stunden später verpflichteten die Niedersachsen Thomas Doll als Nachfolger.

Mit dem 52-Jährigen, der zuletzt in Ungarn tätig war, einigte sich Hannover am Sonntagabend auf einen Vertrag bis 2020, der auch für die 2. Liga gilt. "Er hat bei all seinen bisherigen Stationen erfolgreiche Arbeit geleistet und immer wieder den Nachweis erbracht, dass er vorgegebene Ziele erreicht - sowohl im Kampf um den Klassenerhalt als auch um Titel und die Teilnahme am internationalen Geschäft", sagte Manager Horst Heldt: "Er kennt die Bundesliga in- und auswendig."

Hannover will "auch nächstes Jahr in der 1. Liga spielen"

Am Mittag hatte Heldt nach einer Krisensitzung mit Klubchef Martin Kind und Geschäftsführer Björn Bremer die Trennung von Breitenreiter verkündet. "Jeder weiß, dass Andre sich als Hannoveraner sehr mit dem Verein identifiziert. Er und sein Team haben in den letzten Wochen und Monaten wirklich alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zurückzuführen. Dies ist leider nicht gelungen", sagte er: "Deshalb sind wir zu dem Schluss gekommen, eine Trennung vorzunehmen. Nun verbleiben noch 15 Ligaspiele, um die Klasse zu halten. Die Entwicklung zeigt, dass wir einen neuen Impuls setzen müssen, um die Wende schaffen zu können. Unser Ziel bleibt klar: Wir wollen auch nächstes Jahr in der 1. Liga spielen."

Doll, in der Bundesliga bereits Trainer beim Hamburger SV und Borussia Dortmund, bereitet die Niedersachsen auf die nächste Partie gegen RB Leipzig am Freitag vor. Den BVB rettete der frühere Nationalspieler 2007 vor dem Abstieg.

Breitenreiters Abschied hatte sich zuletzt angedeutet. Elf Punkte aus 19 Spielen bedeuten einen Negativrekord für den Klub. Nach der Pleite beim BVB strich der 45-Jährige dann das obligatorische Auslaufen am Sonntagmorgen, einige seiner Spieler ließen sich dennoch an der Arena blicken. Angreifer Jonathas schrieb auf dem Weg in die Kabine ein paar Autogramme, Mittelfeldmann Pirmin Schwegler ging auf die Joggingrunde - während Breitenreiter im Verborgenen auf eine Entscheidung über seine Zukunft wartete.

Die Vollzugsmeldung kam dann um 13.51 Uhr, und Breitenreiter dürfte die Trennung fast schon mit Erleichterung aufgenommen haben. Noch in Dortmund hatte er Kind und Heldt ja fast schon angefleht, für Klarheit zu sorgen. In die eine oder eben andere Richtung. Natürlich "brauchen wir jetzt eine klare Ansage, wie es weitergeht", sagte er da.

Breitenreiter kritisiert Kind und Heldt

Schon bei der offiziellen Pressekonferenz vor der Partie, in der sich 96 dann erneut nicht bundesligatauglich präsentierte, hatte Breitenreiter seine nun ehemaligen Vorgesetzten Kind und Heldt scharf für den Umgang in den letzten Tagen kritisiert.

Vor einer Woche gab es bereits Berichte, Breitenreiter stünde unmittelbar vor dem Aus. Kind und Heldt dementierten dies erst Stunden später, dann auch noch recht halbherzig mit einer Jobgarantie nur für das Dortmund-Spiel.

Außerdem erteilte Klubpatriarch Kind unter der Woche Heldt öffentlich den Auftrag, den Trainermarkt zu sondieren - um für den Fall der Fälle vorbereitet zu sein. Dies führte natürlich zu einer weiteren Demontage Breitenreiters.

Breitenreiter, als gebürtiger Hannoveraner bei Kind lange mit viel Kredit ausgestattet, hatte 96 im März 2017 übernommen und kurz darauf mit den Niedersachsen die direkte Rückkehr in die Bundesliga perfekt gemacht.

In der Vorsaison schaffte er mit dem Aufsteiger als Tabellen-13. unter schwierigen Bedingungen souverän den Klassenerhalt. Direkt vor der laufenden Saison wurde Breitenreiters Vertrag bis 2021 verlängert, nach der Trennung soll er eine Abfindung in Millionen-Höhe erhalten.

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