Fussball

Fortuna Düsseldorf und Trainer Friedhelm Funkel verhandeln wieder

SID
Friedhelm Funkel könnte doch Trainer bei Fortuna Düsseldorf bleiben.

Daumen hoch für Friedhelm Funkel, Daumen runter für die Bosse: Die Fans von Fortuna Düsseldorf haben in einer bislang wohl einzigartigen Aktion im deutschen Fußball erfolgreich den Aufstand gegen ihre eigene Klubführung um den Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer und Sportvorstand Lutz Pfannenstiel geprobt. Mit ihrem massiven Protest leiteten sie die Vertragsverlängerung mit Friedhelm Funkel um ein Jahr in die Wege - am Tag, nachdem der Klub die Trennung vom Erfolgstrainer zum Saisonende bekannt gegeben hatte.
 
 
 
 
 

"Das hätte ich so nicht erwartet. Die Entwicklung in der Nacht hat mich überrascht. Das ist unglaublich, wie mir die Fans den Rücken gestärkt haben", sagte Funkel dem Sport-Informations-Dienst (SID) nach der Rückkehr des Aufsteigers aus dem Trainingslager am Flughafen Düsseldorf, wo er von rund 250 Fans mit "Funkel, Funkel"-Sprechchören empfangen wurde. Sein Chef musste sich dagegen vereinzelten "Schäfer raus"-Rufe gefallen lassen.

Tags zuvor hatte der 65-jährige Funkel am letzten Tag des Trainingslagers in Marbella erfahren, dass sein Kontrakt entgegen seinem Wunsch nicht verlängert wird und er spätestens am Saisonende in die Rente geschickt wird.

Fans laufen nach Entscheidung gegen Funkel Sturm

Schäfer und Pfannenstiel hatten bei ihrem offensichtlichen Alleingang die Rechnung aber ohne die Anhänger gemacht, von denen einige Online-Petitionen mit den Namen "Funkel soll bleiben - egal in welcher Liga" oder "ProFunkel" ins Leben riefen, die bis Samstagmittag von jeweils mehr als 10.000 Personen unterzeichnet wurden.

Hunderte Vereinsmitglieder sprachen sich zudem schon für eine außerordentliche Mitgliederversammlung aus mit dem Ziel, Schäfer und den gerade erst verpflichteten Pfannenstiel zu Fall zu bringen. Dass es trotz der Rolle rückwärts zehn Prozent der etwas über 25.000 Fortuna-Mitglieder werden, die dieses Prozedere in Gang setzen können, gilt als sicher. Viele kündigten auch schon in den sozialen Netzwerken ihren Vereinsaustritt an.

Zudem riefen nicht nur die Ultras dazu auf, die traditionelle Karnevalsparty "Jeck op Fortuna" am Samstagabend zu boykottieren. Weitere Aktionen wurden für den Telekom-Cup am Sonntag (13.00 Uhr/Sat.1 und MagentaSport) angekündigt. So sollen alle Fans so lange mit schwarzen Westen ins Stadion kommen, bis Schäfer und Pfannenstiel ihre Posten räumen. Zudem wurde ein Protestmarsch angeregt.

Funkel: "Auch ich war etwas dickköpfig"

Funkel versuchte unterdessen, die Wogen zu glätten. "Ich bin nicht nachtragend", sagte der Routinier und lenkte ein: "Ich muss schon zugeben, auch ich war etwas dickköpfig. Ich habe natürlich jetzt eine gute Verhandlungsposition, aber ich werde sie sicher nicht ausnutzen. Das kann ich versprechen. Robert Schäfer und ich hatten uns in der Sache verrannt, dann aber ein sehr gutes Gespräch gehabt."

Die Fortuna hatte zuvor via Pressemitteilungen ebenfalls kräftig zurückgerudert. "Wir haben uns noch einmal zusammengesetzt, um in Ruhe über alles zu reden. Dabei ist uns bewusst geworden, dass zwei Dickköpfe zu sehr auf ihren Positionen beharrt haben. Das war ein Fehler. Im Interesse von Fortuna Düsseldorf werden wir gemeinsam diesen Fehler korrigieren", wurden Schäfer und Funkel unisono zitiert.

Entscheidung schon gefallen?

Verein und Trainer streben vor dem Rückrundenstart am kommenden Samstag beim FC Augsburg eine Einigung an.

Nach SID-Informationen ist die Entscheidung, den Vertrag mit Funkel im Fall des Klassenerhaltes bis 2020 zu verlängern, bereits gefallen und soll zu Wochenbeginn verkündet werden. Die Wut der Anhänger auf den Vorstand um Schäfer und Pfannenstiel ist damit aber noch lange nicht verraucht. Fortuna, mit sieben Punkten Vorsprung auf den ersten Nichtabstiegsplatz gut im Rennen im Kampf um den Klassenerhalt, stehen turbulente Wochen bevor, zumal auch Vorstand und Aufsichtsrat, der offensichtlich überrumpelt wurde, vor einer Zerreißprobe stehen. AR-Sprecher Reinhold Ernst sagte dem SID, dass er mit dieser Eskalation in der Trainerfrage nicht gerechnet habe: "Wir wurden von der Dynamik der Gespräche überrascht."

 

 

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