Fussball

BVB mit Personalsorgen in der Abwehr gegen Gladbach: Aus dem letzten Loch

Der BVB kassierte in Düsseldorf die erste Niederlage dieser Bundesligasaison.
© getty

Die intensive Halbserie mit bislang 24 Pflichtspielen und neun englischen Wochen hat Borussia Dortmund sehr gut gemeistert. Das Jahresende scheint der BVB aber auf der letzten Rille zu erreichen. Am Freitag fehlen Lucien Favre beim Wiedersehen mit seinem Ex-Klub Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr im LIVETICKER) gleich drei Innenverteidiger.

15 Bundesligaspiele lang saß Michael Zorc in dieser Saison auf seinem gewohnten Platz. Der Sportdirektor von Borussia Dortmund hockt immer in der Nähe des Trainers - doch gegen Fortuna Düsseldorf fehlte Zorc. Ein Magen-Darm-Infekt machte seine Teilnahme am Dienstagabend unmöglich und prompt kassierte der BVB die erste Niederlage der Saison.

Es ist davon auszugehen, dass Zorc am Freitagabend zum Spitzenspiel gegen Verfolger Borussia Mönchengladbach wieder zurück ist. Einen Magen-Darm-Infekt bekommt man ja meist gut in den Griff. Eine Blessur am Muskel ist dagegen schon eine etwas langwierigere Geschichte.

Daher würde man sich bei den Dortmundern wohl wünschen, dass die Krankheiten und Verletzungen vertauscht wären: Zorc mit Problemen am Muskel, die beiden Innenverteidiger Manuel Akanji und Abdou Diallo mit Dauersitzungen auf dem Klo.

BVB mit Abwehrsorgen gegen Gladbach

Doch es ist umgekehrt, beide Abwehrspieler fallen am 17. Spieltag definitiv aus. Akanji mit einem Muskelfaserriss, Diallo mit einer noch nicht näher diagnostizierten Muskelverletzung. Dan-Axel Zagadou ist ohnehin schon seit drei Wochen unpässlich, der Franzose hat sich beim Spiel gegen Freiburg eine Stauchung am Fuß zugezogen.

Das macht die Rechnung einfach und die Planung schwer: Nur noch Ömer Toprak bleibt übrig und wer sein Nebenmann wird, kann selbst Trainer Lucien Favre nicht mit Bestimmtheit sagen: "Momentan wissen wir noch nicht, wie wir das kompensieren. Wir überlegen."

Favre müsste in seinen Überlegungen letztlich auf drei Namen kommen, eine Systemumstellung auf eine Dreierkette ist unwahrscheinlich: Lukasz Piszczek, Julian Weigl und Amos Pieper. Rechtsverteidiger Piszczek und der defensive Mittelfeldspieler Weigl mussten dem BVB in einer ähnlichen Situation schon einmal helfen und verteidigten innen.

Weigl, Piszczek, Pieper - wer spielt Innenverteidiger beim BVB?

Weigl, in dieser Saison weitestgehend außen vor und damit ohne echte Spielpraxis, tat dies zum ersten Mal in seiner Profikarriere unter Peter Bosz in der Vorsaison beim 2:2 gegen Eintracht Frankfurt. Mit dem Ergebnis, dass Weigl an anderer Stelle besser aufgehoben ist.

Piszczek sprang in der Vergangenheit schon ein paar Mal ein und hinterließ dabei keinen grandiosen, aber einen ordentlichen Eindruck. Der Pole ist durch die Zeit unter Thomas Tuchel auch vertraut mit den Anforderungen als Halb-Verteidiger einer Dreierkette, hat also schon durchaus flexible Rollen in der Defensive eingenommen.

Allenfalls Außenseiterchancen hat Pieper. Der 20-Jährige ist Stamm-Innenverteidiger der Dortmunder U23 und dort seit ein paar Tagen in der Winterpause. Aufgrund des personellen Engpasses wurde Pieper aber noch einmal auf den Rasen beordert und absolvierte dort am Mittwoch mit Athletiktrainer Florian Wangler eine individuelle Einheit. Favre dürfte ihn aber nicht ausgerechnet gegen die offensivstarken und schnellen Gladbacher (zweitbester Angriff der Liga) ins kalte Wasser werfen. Mehr als ein Bankplatz wird für Pieper nicht drin sein.

Dortmund ist die Leichtigkeit abhandengekommen

Die Wahl kann also nur Piszczek neben Toprak lauten. Dieses Pärchen würde dann von Achraf Hakimi (rechts) sowie Marcel Schmelzer (links) flankiert und fertig wäre die neu formierte Viererkette. Sie wäre in dieser Zusammensetzung zwar nicht eingespielt, aber fit, bis auf Schmelzer im Rhythmus und lediglich mit einer einzigen Positionsverschiebung versehen.

Auch ohne die Sorgen in der Abwehrmitte scheint der Herbstmeister aus dem letzten Loch zu pfeifen, was die körperliche Konstitution der Spieler angeht. Das intensive Programm der letzten Wochen und die vielen teils engen Spiele haben im Kader des BVB ihre Spuren hinterlassen. Es war zuletzt zu beobachten, dass den Schwarzgelben Leichtig- und Zielstrebigkeit etwas abhandengekommen sind.

"Es musste mal so kommen. Es war nur ein Spiel", sagte Favre am Tag nach der Pleite gegen die Fortuna. "Wir müssen ruhig analysieren, was wir verbessern können - gerade auch taktisch. Gladbach ist sehr effizient, gut organisiert und kompakt."

BVB: Die Daten zur bisherigen Bundesligasaison 2018/19

BundesligaSpieleSiegeRemisNiederlagenTorverhältnis
Heimspiele871027:10
Auswärtsspiele852115:7

Bürki warnt vor weiterer BVB-Niederlage

"Wir werden alles daransetzen, dass uns auch nach dem Freitag-Spiel gegen Mönchengladbach niemand von außen sagen kann, die Hinrunde wäre nicht so schön geworden wie sie hätte sein können", warnte Torhüter Roman Bürki bereits am späten Dienstagabend in Düsseldorf.

Die Befürchtung des Schweizers ist gerechtfertigt, denn eine weitere Niederlage den Jahresabschluss schon ein wenig vermiesen - eben auch, weil dann der Vorsprung auf die Fohlen auf drei Punkte schmelzen würde.

Andererseits, und das werden sie in Dortmund vor allem auf dem Schirm haben, bietet die letzte Partie des Jahres gegen die seit viereinhalb Jahren im Signal Iduna Park sieglosen Gladbacher die Chance, sofort Wiedergutmachung für den laschen Auftritt beim Aufsteiger zu betreiben und die Tabelle zu Weihnachten noch einmal zu verschönern. Auch wenn Favre dazu gezwungen ist, zu improvisieren.

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