Fussball

Sebastien Haller trifft für die Eintracht am Fließband: Unschuldslamm schießt Lichter aus

Sebastien Haller traf gegen Augsburg im siebten Pflichtspiel in Folge.

Sebastian Haller will kein Star sein. Dennoch wird der Name des Frankfurter Stürmers derzeit im gleichen Atemzug mit Neymar, Kylian Mbappe oder Lionel Messi genannt. Haller gibt sich jedoch als Unschuldslamm - auch, weil er weiß, was er will.

Als Königstransfer wurde Sebastien Haller in der vergangenen Saison hochgejubelt, nachdem er für die Rekordablöse in Höhe von sieben Millionen Euro in die Mainmetropole kam. "Haller-Knaller" nannten sie den Franzosen rhythmisch reimschematisch, nachdem er sich mit starken Leistungen in der Hinrunde und einem traumhaften Fallrückzieher in der Nachspielzeit gegen den VfB Stuttgart gleich anschickte, die in ihn gesteckten Millionen zurückzuzahlen.

Doch das Bild des "Haller-Knallers" schien bereits nach nur einer Saisonhälfte wieder zu bröckeln: Von Ende Januar bis zum letzten Spieltag am 12. Mai traf Haller nur noch ein einziges Mal. "Der tiefe Fall des Sebastien H.", beckmesserte die Frankfurter Rundschau daher im April. Sieben Monate sind seitdem vergangen und die Kritiker längst verstummt.

Denn mittlerweile lässt Haller selbst fünfmalige Weltfußballer hinter sich: 15 Torbeteiligungen hat er in 12 Bundesligaspielen bereits gesammelt. Kein Spieler in Europas Top-Ligen übertrifft diesen Wert. Nicht Lionel Messi, nicht Cristiano Ronaldo und auch nicht Kylian Mbappe.

Darüber hinaus münzt Haller 43 Prozent seiner Schüsse in Treffer um. Gegen den FC Augsburg traf er im siebten Pflichtspiel in Folge - der letzte Frankfurter, dem dies gelang, war Anthony Yeboah 1993.

Haller ist nur ein Kopf des Frankfurter Sturmtrios

Haller schießt den Gegnern mittlerweile wieder regelmäßig die Lichter aus. Ein Gefühl, das er noch von früher kennt - damals, als er noch nicht der "Haller-Knaller" oder "tief gefallen" war, sondern einfach nur Sebastien aus Ris-Orangis, einem 30.000-Seelen-Städtchen im Ballungsraum von Paris. "Bei meinen Eltern hängt heute noch eine Lampe, die ich abgeschossen habe", erinnerte sich der 24 Jahre alte Angreifer in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau.

Die Lampen von gestern hat Haller gegen die Tornetze der Eintracht-Gegner eingetauscht. Und dort hinein trifft er am liebsten dann, wenn der Gegner kaum noch Zeit hat, eine Antwort darauf zu finden. Häufig sind es seine späten Treffer, die der Eintracht die Punkte sichern und ihn wieder für kurze Zeit zum Star der Manege machen. Doch als solcher sieht sich Haller nicht. Am liebsten würde er wohl auch die Rampenlichter abschießen. "Ich habe gerne meine Ruhe abseits des Platzes", sagte er der FAZ.

Gut ist daher für ihn, dass seine Sturmpartner Ante Rebic und Luka Jovic heißen. So ist er nur einer von drei Frankfurtern, die gemeinsam 17 der letzten 19 Bundesliga-Tore der Eintracht erzielten. Haller selbst hat sein persönliches Saisonziel, "mindestens mehr Tore als vergangene Saison" zu erzielen, schon fast erreicht. Mit neun Treffern hat er seine letztjährige Ausbeute schon eingestellt.

Sebastien Hallers Bilanz bei Eintracht Frankfurt

WettbewerbSpieleToreAssists
Bundesliga431810
Europa League422
DFB-Pokal643
DFL-Supercup1--
Gesamt542415

Haller hilft Eintracht Frankfurt als Zweikämpfer

Die Leistungsexplosion bei Haller hängt jedoch auch unmittelbar mit dem Wechsel auf dem Trainerstuhl am Main zusammen. Das weiß Haller selbst am besten. "Adi Hütter mag das Risiko. Er schätzt die Offensive und liebt Tore", erklärt der 24-Jährige die Wucht der SGE-Offensive. Unter Niko Kovac lag der Fokus noch mehr auf defensiver Kontrolle.

So aber ist Haller deutlich häufiger ins Spiel eingebunden, seine Stärken kommen dabei mehr und mehr zum Tragen. "Mein Job ist es, viel zu arbeiten, Bälle zu halten und Räume frei zu schaffen. Und natürlich gehören auch viele Kopfballduelle zu meinem Spiel", sagte Haller.

Obwohl er nominell in der Sturmspitze spielt, ist er als bulliger Wandspieler ein wichtiges Verbindungsstück zwischen Defensive und Offensive. Er führt die mit Abstand meisten Zweikämpfe seiner Mannschaft, im Schnitt sind es 18 pro Spiel. Davon gewinnt er knapp die Hälfte, was für einen Angreifer ein außergewöhnlicher Wert ist. Haller ist somit nicht nur eine Art Bande im Angriffsspiel der SGE, sondern häufig auch der Initiator.

Haller: "Ich will ein noch kompletterer Spieler werden"

Spielerische Defizite, die sich auch in der abgelaufenen Saison schon offenbart hatten, hat Haller noch immer. So spricht allein seine schlechte Passquote von 57 Prozent in der gegnerischen Hälfte schon Bände. Seine beeindruckende Trefferquote ist aber eben das, was zählt. Dass sie aktuell stimmt, hat für Haller ganz einfache Gründe. Nämlich das Mehr an Torchancen, das sich die Adler erarbeiten.

Sowohl Haller als auch Jovic und Rebic geben im Schnitt einen Torschuss mehr pro 90 Minuten ab als noch in der vergangenen Saison. "Insofern", erklärt Haller, "ist es normal, mehr Tore zu erzielen". Alles normal also. Als könne er eigentlich gar nichts dafür.

Haller verhält sich wie ein Unschuldslamm und bemüht sich, wie auch alle anderen Frankfurter Spieler, es ihrem Trainer Adi Hütter gleichzutun. Ball flach halten, lautet dessen Devise. Ob Physis, Passgenauigkeit, Ballkontrolle oder Abschluss, Haller sieht noch überall Verbesserungsbedarf und "will ein noch kompletterer Spieler werden".

Das Einzige, was sich im Vergleich zur Vorsaison verändert habe, sei "das Mentale, mein Kopf". "Ich weiß, was ich will. Ich habe meine innere Ruhe gefunden. Wir alle sind jetzt mehr in der Lage, auf dem Platz unsere Leistung abzurufen", meint Haller.

Sebastien Haller träumt von der Premier League

Die vorläufige Belohnung dafür ist Rang drei. In der Europa League steht der Einzug in die Zwischenrunde bereits fest - wohlgemerkt in einer Gruppe mit Lazio Rom und dem Vorjahresfinalisten Olympique Marseille. Der Frankfurter Höhenflug, so überraschend er für diejenigen auch kommt, die Hütter und Frankfurt noch vor dem Bundesliga-Start als Abstiegskandidaten Nummer eins bezeichneten, bleibt freilich nicht unbemerkt.

Ebenso wie die Leistungen der Einzelspieler Rebic, Jovic und eben Haller. Gut möglich, dass das "magische Dreieck vom Main" allzu lange nicht mehr zusammenspielt. So glücklich die Drei in Frankfurt auch sein mögen, der Ruf internationaler Top-Klubs reizt dann doch. Haller selbst machte beispielsweise nie einen Hehl aus seiner Sympathie zur Premier League.

Der langbeinige Junge aus Vigneux wollte schon immer mal in England spielen. Nur das Angebot muss passen. Bis Haller seinen nächsten Schritt plant, will er jedoch die Euphoriewelle in Frankfurt reiten und sich weiterentwickeln. Nationalmannschaft und Champions League? Alles zu seiner Zeit. Außerdem fragt Haller - nicht zu Unrecht: "Warum nicht mit Frankfurt?"

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