Fussball

Dan-Axel Zagadou und seine Situation beim BVB: Der andere Einwechselspieler

Dan-Axel Zagadou spielt seit Sommer 2017 für den BVB.
© getty

Dan-Axel Zagadou kam im Sommer 2017 zu Borussia Dortmund und durchlebte eine Saison mit mehr Tiefen als Höhen. In die neue Spielzeit startete der Franzose beim BVB unter schwierigen Vorzeichen - doch in den vergangenen drei Partien gelang ihm ein Kaltstart, der positiv stimmt.

Fünf Jahre lang spielte Sokratis für Borussia Dortmund, ehe er sich in diesem Sommer dem FC Arsenal anschloss. Nach seinem Wechsel 2013 von Werder Bremen zum BVB gehörte Sokratis schnell zu den Publikumslieblingen, da der Innenverteidiger im Ruhrpott gern gesehene Malocher-Eigenschaften auf sich vereinte: Kampfgeist, Wille, Zweikampfstärke.

Was zu seiner Beliebtheit beitrug, war die Art und Weise, wie Sokratis seiner Arbeit nachging. Der Grieche agierte unnachgiebig, hart zu sich selbst, aber auch immer wieder mit etwas Theatralik versehen. Und dies tat er mit dem immergleichen Gesichtsausdruck. Im Internet kursierten schnell Montagen, die Sokratis' unterschiedliche Gemütszustände zeigten - versehen mit dem jeweils selben Bild.

Der BVB hat aber bereits im Vorjahr vorgesorgt und in Dan-Axel Zagadou einen Nachfolger präsentiert, der Sokratis' vermeintliche Gleichgültigkeit auf ein neues Niveau hievte. Der 19-Jährige blickt in allen Lebenslagen dermaßen kühl aus der Wäsche, dass dies zu beobachten eine wahre Freude sein kann.

Zagadous erstes BVB-Jahr: Mehr Tiefen als Höhen

Blickt man also in Zagadous Gesicht, lässt sich da kaum ablesen, wie er über seine bisherige Zeit in schwarzgelb denkt. Nachlesen kann man seine Gedanken auch nicht, ein größeres Interview mit ihm wurde bislang nicht gewährt. Es würde jedoch überraschen, wenn er den Schritt nach Deutschland als einfach beschreiben würde.

Denn Zagadous letzte Saison war wie die des gesamten Vereins von mehr Tiefen als Höhen durchzogen. Der Youngster stand überraschend, aber letztlich bedingt durch den längerfristigen Ausfall von Marcel Schmelzer in der Hurra-Startphase unter Peter Bosz gleich bei vier der ersten sechs erfolgreichen Bundesligaspiele in der Startelf.

Zagadou musste als Linksverteidiger aushelfen, was er allenfalls solide tat. Man merkte ihm schnell an, dass er sich auf dieser ungewohnten Position nicht zu Hause fühlt. Es folgte der rapide Absturz der Borussia und nach acht Einsätzen in acht möglichen Pflichtspielen zum Saisonstart ging es auch für den Franzosen bergab. Nur noch sieben Partien kamen für Zagadou bis zum Ende der Spielzeit hinzu, nicht eine davon gewann der BVB.

Dan-Axel Zagadou: Seine Statistiken der letzten drei BVB-Pflichtspiele

SpielBallaktionenZweikampfquoteLuftzweikampfquotePässePassquote
1. FC Nürnberg (7:0)14160%100%12095%
Leverkusen (4:2)11182%85%8789,7%
AS Monaco (3:0)8942,9%50%7988,6%

Salzburg der Tiefpunkt für Zagadou und den BVB

Bosz-Nachfolger Peter Stöger hatte auf der dringenden Suche nach defensiver Stabilität auf ein anderes, erfahrenes Innenverteidigerpärchen gesetzt - mit Erfolg. "Ich möchte da nicht komplett durchtauschen. Zagadou ist ein junger Spieler, der gut unterwegs ist. Er ist in einer guten Entwicklung. Es kann sein, dass er im Laufe des Frühjahres auch einmal zu Einsatzzeiten kommt", sagte Stöger Anfang März.

Ein paar Tage später durfte Zagadou tatsächlich wieder ran und feierte beim Europa-League-Rückspiel in Salzburg nach vier Monaten Pause sein Comeback in der Startelf. Dieses verlief für ihn und den BVB jedoch komplett verheerend, für beide Seiten bedeutete das Ausscheiden den vorläufigen Tiefpunkt der Saison.

Zagadou lieferte wie die gesamte Mannschaft eine unterirdische Vorstellung ab und zog sich zu allem Überfluss auch noch einen Muskelbündelriss zu, der ihn den Rest der Runde kostete. Und seitdem war der französische U20-Kapitän außen vor. Mit Abdou Diallo holten die Dortmunder zudem noch einen Konkurrenten, der vom Start weg die Nase vor Zagadou hatte.

Zorc verteilt Sonderlob an Zagadou

Erst in der vergangenen Woche tat sich wieder etwas für ihn und erneut war es Schmelzers Ausfall, von dem Zagadou profitierte. Anders als Bosz ließ ihn Lucien Favre jedoch auf seinem angestammten Gebiet in der Innenverteidigung ran - und dort hat Zagadou nun die letzten drei BVB-Pflichtspiele blitzsauber abgeliefert. Während allseits die starken Joker von der Dortmunder Bank gefeiert werden, ist Zagadou der etwas andere Einwechselspieler.

Beim 7:0 gegen Nürnberg wurde er zwar kaum gefordert, seine statistischen Werte waren jedoch tadellos. Dies setzte sich in Leverkusen fort, auch wenn Zagadou beim Gegentor zum 0:2 eine unglückliche Figur machte. Doch gegen Bayer avancierte er letztlich zum heimlichen Matchwinner, als er mit einem starken Tackling gegen den einschussbereiten Lucas Alario unmittelbar vor Dortmunds Drangphase das 0:3 verhinderte.

Das sorgte gar beim sonst eher nüchtern analysierenden Sportdirektor Michael Zorc für einen Anflug von Euphorie: "Er hat sich ein Sonderlob verdient. Es freut mich für ihn besonders, weil er sechs Monate kein Spiel hat machen dürfen und keine leichte Zeit hatte. Mit welcher Ruhe er auch die Klasse der Leverkusener verteidigt und wie er Fußball gespielt hat, das war überragend."

Zagadou: Ruhig, abgeklärt, kopfballstark

Auch in der Champions League gegen Monaco durfte Zagadou ran, auch diese Partie verlief erfolgreich für ihn und die Borussia. Zagadou, der zur seltenen Spezies der Linksfüßer-Innenverteidiger gehört, rundete seinen guten Eindruck ab: Der Franzose kombiniert eine erstaunliche Ruhe am Ball mit energischer Zweikampfführung, agiert wachsam und abgeklärt, ist kopfballstark und spielt teils überragende Flachpässe ins vordere Drittel.

"Mit Blick auf seine beeindruckende Statur vergisst man oft, dass auch er gerade erst der Jugend entwachsen ist", sagte Zorc. Selbst Präsident Dr. Reinhard Rauball äußerte sich: "Diese jungen Spieler wie Zagadou machen wirklich viel Spaß. Einfach gut, ein großes Potenzial, das wir da im Kader haben."

Der Konkurrenzkampf wird für Zagadou trotz des Zwischenhochs weitergehen und es wird erneut zu Phasen kommen, in denen er häufiger zuschauen muss. Doch er hat zuletzt bewiesen, dass er imstande ist, auch einer momentan harmonisch funktionierenden Einheit helfen zu können. Und dies ist für ihn und den BVB die wichtigste Nachricht.

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