Fussball

Davy Klaassen wechselt zu Werder Bremen: Der neue Mut des SVW

Von Julian Wessel
Davy Klaassen ist Werders neuer Rekord-Transfer.
© imago

Mit dem vereinsinternen Rekordtransfer von Davy Klaassen setzen die Bremer ein Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt. Dass Werder rund 15 Millionen Euro für einen einzigen Spieler in die Hand nimmt, zeigt: Es sind neue Zeiten an der Weser angebrochen. Der Blick richtet sich nach oben.

Als vor wenigen Tagen erstmals das Gerücht aufkam, dass Werder an Davy Klaassen interessiert sei, wurde dies mit einer Mischung aus Skepsis und Euphorie aufgenommen. Denn einerseits schien der Niederländer im Dienst von Everton eine Nummer zu groß und teuer für die Hanseaten zu sein und nicht in die Politik der letzten Jahre zu passen.

Andererseits sehnt man sich an der Weser nach den guten alten Zeiten - und ein Transfer dieser Größenordnung wäre ein Zeichen dafür, dass das Management ebenfalls annährend in diese Richtung denkt. Als die Bremer am Freitagnachmittag dann tatsächlich vermeldeten, dass die Tinte unter dem Vertrag trocken sei, stand fest: Dieses Zeichen hätte deutlicher nicht sein können. Die Devise lautet: Volle Offensive!

Dabei soll sich der international erfahrene Klaassen gleich als die benötigte Verstärkung nach den Abgängen von Thomas Delaney und Zlatko Junuzovic erweisen und zum neuen Dreh- und Angelpunkt des Werder-Spiels werden. Nachdem es für Klaassen in seiner ersten Saison außerhalb seiner niederländischen Heimat beim FC Everton gar nicht lief, scheint er nun motiviert, sich doch noch in einer europäischen Top-Liga durchzusetzen.

"Mir war es wichtig, genau zu wissen, wo die Reise auch auf dem Spielfeld hingeht. Nach meinem Austausch mit Florian Kohfeldt habe ich ein sehr gutes Gefühl, dass ich hier mit meinen Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag leisten kann", gab Klaassen bei seiner Vorstellung zu Protokoll. Diese Chance war ihm beim FC Everton mit nur sieben Premier-League-Einsätzen verwehrt geblieben.

Davy Klaasen hat sein Können schon bei Ajax bewiesen

Solche Einsatzzeiten sind viel zu wenig für einen Spieler wie Klaassen, der im Jahr zuvor noch den holländischen Vize-Meister Ajax Amsterdam als Kapitän aufs Feld führte. In dessen berühmter Jugendakademie wurde auch er ausgebildet und steuerte in 126 Eredivisie-Spielen 44 Tore und 30 Vorlagen bei.

2017 führte er das Team sogar noch bis ins Finale der Europa League, verpasste Schalke 04 im Halbfinale mit seinen beiden Toren den K.o.-Schlag.

Es folgte der Wechsel für 27 Millionen Euro zum FC Everton. Dort war er ein Wunschspieler von Trainer Ronald Koeman, der aber bereits im Oktober seinen Hut nehmen musste. Unter seinem Nachfolger Sam Allardyce hatte der 25-Jährige keinen guten Stand und mit Gylfi Sigurdsson, Wayne Rooney und Tom Davies starke Konkurrenz für nur einen zu vergebenden Platz im zentralen Mittelfeld.

Da sich seine Lage wohl auch diese Saison kaum verbessert hätte, möchte Klaassen lieber eine wichtige Rolle bei Werder Bremen einnehmen: "Nach dem letzten Jahr will ich einfach viel spielen. Der Wechsel zu Werder ist kein Schritt zurück."

Werder Bremen: Der nächste Schritt dank Davy Klaasen?

Obwohl Klaassen zuletzt nur die Reservistenrolle blieb, waren verhältnismäßig wenige Gerüchte um ihn aufgekommen, einzig Besiktas war vor Bremen mit dem 25-Jährigen in Verbindung gebracht worden. Nach einer verkorksten Debütsaison in der Premier League erwischte Werder wohl genau den richtigen Zeitpunkt für eine Verpflichtung und hatte durch den Verkauf von Delaney auch das nötige Geld in der Hinterhand.

"Wir beobachten ihn schon sehr lange und sind froh, dass sich diese Möglichkeit aufgetan hat", sagte Kohfeldt. Locken konnte der SVW-Trainer wohl auch mit einer unausgesprochenen Stammplatzgarantie sowie dem offensiven Spielstil, der Klaassen zugutekommt.

Mit seiner Spielweise, die einen Tick offensiver ist als die von Delaney, passt der Niederländer dabei auch gut ins 4-3-3-System von Kohfeldt. Ohnehin brauchten die Werderaner einen zuverlässigen Ersatz, um den Verlust des starken Dänen aufzufangen. Dass man dafür eine Ablösesumme von bis zu 15 Millionen Euro durch mögliche Boni in Kauf nimmt, zeigt den neuen Mut des SVW.

In den Sommerpausen zuvor hätte man einen Teil des Geldes wohl zur Seite gelegt oder aber in mehrere Spieler investiert. Der bis dato teuerste Neuzugang stammte noch aus dem Jahre 2009 und hieß Marko Marin, der für 8,2 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach gekommen war. Seitdem scheute man Ausgaben in diesen Sphären. Ablösen im zweistelligen Millionen-Bereich? Lieber nicht.

Doch nachdem man sich unter Kohfeldt stabilisiert hat, soll nun der nächste Schritt erfolgen. Die Bremer scheinen dabei erkannt zu haben, dass man dafür auch mal Risiken in Form von teuren Transfers in Kauf nehmen sollte. Zudem hat der Rekordtransfer auch eine Strahlkraft, die sicher so gewollt ist: Mit offensivem, selbstbewusstem Fußball möchte man in der Hansestadt wieder dauerhaft in der oberen Tabellenhälfte mitspielen.

Wie Klaassen zum perfekten Delaney-Ersatz werden könnte

Und dabei soll nun eben Klaassen den Takt angeben. "Er wird ein absoluter Fixpunkt in unserem Spiel sein. Davy kann mit seinem strategischen Gespür einen Spielrhythmus bestimmen, besticht mit seiner Kreativität und ist dabei laufstark und aggressiv", sagte Kohfeldt. Auch sein zukünftiger Mannschaftskollege Martin Harnik findet: "Spielerisch ist er bockstark".

Hinzu kommt, dass der Nationalspieler ebenso wie Delaney im Mittelfeld flexibel einsetzbar ist und eine Führungsrolle einnehmen kann. Die Offensive der Werderaner dürfte durch den Transfer noch einmal stärker werden, denn Klaassen ist sehr torgefährlich, hat für einen Mittelfeldspieler einen guten Abschluss und hält auch mal aus größerer Distanz aufs Tor.

Alleine 31 Europa-League-Einsätze (3 Tore, 4 Vorlagen) und 11 Champions-League-Einsätze (2 Tore, 1 Vorlage) in der Vita des 25-jährigen Klaassen sprechen für sich. Sollte Klaassen auch nur annähernd zur seiner Form in Ajax-Zeiten zurückfinden, dürfte er sich als genau der Spieler erweisen, der Werder fehlte.

Dies hätte aber wohl auch zur Folge, dass sich die Bremer Fans nicht allzu lange an ihrem neuen Mittelfeldstar erfreuen dürfen. Die 15 Millionen, die Werder jetzt maximal zahlen muss, sollten sich dann aber angesichts der heutigen Ablösesummen mindestens verdoppelt haben - in dieser Hinsicht würde er also auch in Delaneys Fußstapfen treten. Und ein Weiterverkauf mit Gewinn wäre dann ja doch wieder der klassische Werder-Weg.

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