VfL Wolfsburg vor Relegation gegen Holstein Kiel: Spiel es noch einmal, Josip

Donnerstag, 17.05.2018 | 17:06 Uhr
Josip Brekalo soll auch in der Relegation gegen Kiel für Torgefahr sorgen.
© getty
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Durch ein 4:1 gegen den 1. FC Köln hat der VfL Wolfsburg am 34. Spieltag Tabellenplatz 16 verteidigt. Jetzt geht es in der Relegation gegen Holstein Kiel um den Verbleib in der Bundesliga (ab 20.30 Uhr im Liveticker). Überragender Akteur gegen Köln war Linksaußen Josip Brekalo, der an allen vier Toren beteiligt war. Gegen Kiel ist er erneut gefragt.

In Niedersachsen hat man den HSV spätestens nach dem vergangenen Samstag als Relegationsspezialist abgelöst. Während der HSV, nach Jahren der Frotzeleien ob der Relegations-Rettungen 2014 und 2015, endgültig in die 2. Liga absteigen wird, gehen die Wölfe zum zweiten Mal in Folge in das Bundesliga-Bonuslevel.

Zweimal 1:0 gewann man 2017 gegen Eintracht Braunschweig, diesmal geht es gegen Holstein Kiel.

Und damit gegen den kommenden Trainer des 1. FC Köln. Der wird sich das Spiel in der nicht ganz ausverkauften Volkswagen Arena ganz genau angeschaut haben. Und mit Sicherheit wird sein derzeitiges Team mehr Widerstand leisten als sein zukünftiges, das sich sang- und klang- und relativ wehrlos aus dem deutschen Oberhaus verabschiedete.

Umgekehrt weiß VfL-Trainer Bruno Labbadia, dass seine Mannschaft nach dem ersten Heimsieg des Kalenderjahres mit Selbstvertrauen in die Duelle am Donnerstag und Montag geht. "Dass wir jetzt vier Tore geschossen haben, das haben wir gebraucht", betonte er. "Wir können noch so gut trainieren, wir brauchen aber Erfolgserlebnisse. Deshalb nehmen wir heute diesen Erfolg mit."

Wolfsburgs Leistungsträger gegen Köln: Origi, Malli - und Brekalo

Selbstvertrauen ist das Eine. Der teure und in diesem Jahr enttäuschende, aber immer noch gut besetzte Kader in der Autostadt ist der zweite Punkt, der gegen Kiel den Unterschied machen könnte. In Sachen Spielanlage oder Taktik mag man den Wölfen im Vergleich zum Herausforderer in diesem Jahr kein gutes Zeugnis ausstellen können. In Sachen Talent durchaus.

Die Akteure, die gegen ein - zugegeben recht körperlos auftretendes Köln - überzeugten, sind auch im Hinspiel vor eigenem Publikum gefragt. Divock Origi etwa, dessen Abschied aus Wolfsburg kurz bevorsteht, oder auch Yunus Malli, sollte Daniel Didavi nicht rechtzeitig fit werden.

Der Spieler, den die Gäste am Samstag aber überhaupt nicht in den Griff bekamen, war der erst 19 Jahre Josip Brekalo. "Brekalo schießt beim Aufwärmen erstmal über das Tornetz, das mit Sicherheit 20 Meter hoch ist. Heute geht was!" twitterte ein Wolfsburg-Fan vor Anpfiff. Das war so ziemlich der einzige Fehlversuch des Kroaten in den folgenden 90 Minuten: An allen vier Toren war der Mann auf dem linken Flügel beteiligt und am Ende ganz klar Mann des Spiels.

Brekalo an allen Wolfsburger Toren gegen Köln beteiligt

"Ich hoffe, dass ich dem VfL mit Geschwindigkeit, Dribblings, Eins-gegen-eins-Situationen, mit guten Bällen in den Strafraum und mit meinem Schuss helfen kann", sagte Brekalo im Interview mit dem Sportbuzzer, als er in der Winterpause aus Stuttgart zurückkehrte.

Geschwindigkeit: Kaum eine halbe Minute war gespielt, da lief Brekalo Verteidiger Mere davon, zog zur Grundlinie und legte den Ball zurück, den Guilavogui zur frühen Führung einschweißte. Eins-gegen-eins-Situationen gewann er gleich mehrere, bevor er Malli vor dem 2:1 in den Strafraum schickte. Der brauchte nur noch querlegen.

Einen guten Ball in den Strafraum verwertete Knoche wuchtig per Kopf zum 3:1, und den Schuss zum 4:1 in der Schlussminute gab Brekalo schließlich selbst ab, quasi eine Art gespiegelter Robben: von links in den Strafraum, vorbei am Gegenspieler, rein mit dem Spielgerät ins lange Eck.

"Josip hat das gegen Köln top gemacht", gab es anschließend Lob vom Trainer. So fiel auch der Bock in der 19. Minute nicht weiter ins Gewicht, als Brekalo Keeper Horn bereits ausgespielt hatte und dann frei vor dem Tor den grätschenden Risse anschoss, weil er den Ball "schon im Tor gesehen" hatte.

Brekalos Rückkehr nach Wolfsburg: "Jetzt brauchen wir dich"

So gut der Wolfsburger Kader besetzt ist, viel zu gut eigentlich für den Abstiegskampf - auf dem offensiven Flügel klaffte eine Lücke. Auch deshalb sollte er vorzeitig vom VfB zurückkehren, der am Rechtsfuß zwar auch Gefallen gefunden hatte, die geforderte Ablöse in Höhe von 17,5 Millionen aber doch recht happig fand.

Im Zuge der Gomez-Heimkehr kam Brekalo dann nach Wolfsburg zurück. "Sportdirektor Olaf Rebbe hat mich ein paar Mal angerufen und mir gesagt: 'Wir wollen dich zurückholen. Du hast ein Jahr lang gut gespielt und viele Spiele gemacht. Jetzt brauchen wir dich'", verriet Brekalo.

Nie war das so sichtbar wie am letzten Spieltag der Saison. "Das war unsere letzte Chance, das wussten wir", erklärte er nach Abpfiff. "Wir haben bis zur letzten Minute gekämpft." In den kommenden Relegationsspielen gehe es auch "um die Mentalität", deshalb sei der Erfolg enorm wichtig.

Brekalo trifft plötzlich - aber die WM 2018 kommt noch zu früh

Zum Heilsträger sollte man den Teenager jetzt sicherlich nicht küren. Aber er hat sich in der Rückrunde einen festen Platz im Team von Labbadia erspielt. In den letzten elf Ligaspielen stand er nur dreimal nicht in der Startelf. Zu selten sprang etwas Zählbares dabei heraus - vier Torbeteiligungen sind es in diesem Zeitraum offiziell -, aber drei davon gelangen ihm in den letzten drei Partien.

Blitzt diese neue Torgefährlichkeit auch gegen diszipliniert verteidigende Kieler auf, die gerade im Hinspiel nicht viel riskieren werden, steigen die Chancen des VfL auf Bundesliga-Fußball im nächsten Jahr signifikant. Brekalo hat seinen Vertrag laut kicker schon im Vorfeld selbstbewusst bis 2023 verlängert.

Und dann gibt es ja noch die Weltmeisterschaft in Russland, für die sich der Flügelflitzer empfehlen wollte - auch wenn er es in den vorläufigen Kader Kroatiens nicht geschafft hat. Zuletzt wurde er von Kroatiens Co-Trainer Ivica Olic beobachtet. Der wird sicherlich auch in der Relegation ganz genau hinschauen - das nächste Turnier kommt bestimmt.

Bundesliga-Relegation: Die Ergebnisse seit 2008/09

Jahr3. der 2. Liga16. der BundesligaHinspielRückspiel
20091. FC NürnbergEnergie Cottbus3:02:0
2010FC Augsburg1. FC Nürnberg0:10:2
2011VfL BochumBorussia Mönchengladbach0:11:1
2012Fortuna DüsseldorfHertha BSC2:12:2
20131. FC KaiserslauternTSG 1899 Hoffenheim1:31:2
2014SpVgg Greuther FürthHamburger SV0:01:1 *
2015Karlsruher SCHamburger SV1:11:2 n. V.
20161. FC NürnbergEintracht Frankfurt1:10:1
2017Eintracht BraunschweigVfL Wolfsburg0:10:1

*Auswärtstor-Regelung

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