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BVB-Busfahrer und -Zeugwart Hartmut "Bomber" Wiegandt im Interview - Teil zwei

Dienstag, 10.04.2018 | 08:41 Uhr
Hartmut "Bomber" Wiegandt feiert mit Rene Tretschok 1995 die erste Meisterschaft des BVB nach 32 Jahren.
© imago

Hartmut "Bomber" Wiegandt ist ein Dortmunder Urgestein. Wiegandt war von 1982 bis 2002 Busfahrer und Zeugwart bei Borussia Dortmund.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Wiegandt über Schampus von Uli Hoeneß, Probleme mit Jens Lehmann, ein Gelage in Spanien, Hunde in Seoul und sein Ende beim BVB. Hier geht es zum ersten Teil des Interviews mit Hartmut Wiegandt!

SPOX: Ein Clip auf YouTube zeigt, wie Sie Andreas Möller zu seiner Zeit in Frankfurt vor einem Spiel gegen den BVB einen Kuchen überreichen. War Möller der einzige Spieler, der als Gast ein solches Präsent bekam?

Wiegandt: Wenn Andy mit der Eintracht nach Dortmund kam, hat er vorab einen Kuchen bestellt und ist als erstes zu mir ins Büro gekommen. Da stand übrigens "Office Bomber" an der Tür. Dann haben wir erst einmal zusammen eine Cola getrunken. Auch mit Mario Basler lief es so. Der hat auch immer noch eine geraucht. Mit den Jahren hat sich gerade zu den Bayern-Spielern ein gutes Verhältnis entwickelt.

SPOX: Wie kam das?

Wiegandt: Durch Thomas Helmer, der vom BVB nach München wechselte. Wenn wir dort gespielt haben, hat er mich immer am Tag zuvor mit dem Auto vom Mannschaftshotel zum Essen abgeholt. Meist waren dort auch andere Bayern-Spieler dabei. Einmal lud mich der Zeugwart der Bayern ein und zeigte mir das Trainingsgelände. Da habe ich mich auf den Bürostuhl von Uli Hoeneß setzen dürfen. Als wir mit den Bayern einmal gemeinsam in Taufkirchen im Trainingslager waren, lernte man sich besser kennen und hielt den guten Kontakt aufrecht. Hoeneß hat mir mal acht Flaschen Schampus in den Bus gepackt, als wir dort gespielt haben und sie schon Meister waren.

Wiegandt über Möllers Rolex, Eistee im Winter und einen dreckigen Bus

SPOX: Ist es richtig, dass Ihnen Möller einmal eine Rolex-Uhr geschenkt hat?

Wiegandt: Ja. Er wechselte 1994 wieder zu uns, wir standen damals ganz gut in der Tabelle. In der Kabine meinte Andy dann vor allen anderen: Wenn wir Deutscher Meister werden, bekommt der Bomber meine Rolex. Dann kam der letzte Spieltag und wir haben tatsächlich erstmals nach 32 Jahren wieder die Schale geholt. Der Abpfiff war kaum erfolgt, schon ist der Andi in die Kabine gerannt und hat mir seine Rolex in der Originalverpackung überreicht.

SPOX: Der YouTube-Clip zeigt zudem, wie Sie in der Halbzeitpause Kannen mit Eistee-Pulver befüllen. Das würde heute als reines Gift angesehen.

Wiegandt: Den gab's immer im Winter, hatte ich aus dem Supermarkt. Heißes Wasser drauf und fertig. Das mochten die Spieler gerne. Wenn wir auswärts gespielt haben, musste mir der dortige Zeugwart rechtzeitig heißes Wasser bringen. Auf den Fahrten zu den Spielen habe ich auch immer drei, vier Kannen Kaffee gemacht und ein paar Tablette belegte Brötchen besorgt. Ich habe das Zeug aber erst in den Bus gebracht, wenn wir losgefahren sind - sonst wäre nämlich alles schon vorher weg gewesen. Ich bin gefahren und die anderen haben geschlemmt. Anschließend sah es manchmal aus wie im Schweinestall, den ich auch noch saubermachen musste.

SPOX: Ein dreckiger Bus, das kann Ihnen nicht gefallen haben.

Wiegandt: Nein, da war ich heikel. Anfang der 1980er Jahre hatten wir kein festes Trainingszentrum und mussten immer wieder an unterschiedlichen Orten in der Stadt trainieren. Ich habe die Spieler mit dem Bus dorthin gefahren und nach dem Training sind die völlig verdreckt eingestiegen. Nach zwei Wochen habe ich zwei Körbe für Schuhe und Dreckwäsche aufgestellt, weil ich nicht jedes Mal den Bus putzen wollte. Einmal musste Torhüter Eike Immel auf einem Ascheplatz trainieren und wollte dann in den Bus einsteigen. Den habe ich wie er war unter die Dusche gepackt, mit Overall und Schuhen.

Hartmut "Bomber" Wiegandt und seine Titelsammlung mit dem BVB

TitelJahr
Deutscher Meister1995, 1996
DFB-Pokal1989
DFL-Supercup1989, 1995, 1996
Champions League1997

SPOX: Kuchen, Kaffee und Gespräche über Gott und die Welt soll es auch häufiger nach dem Training in Ihrem Büro gegeben haben. Wie lief das ab?

Wiegandt: Ich wusste viel, aber es ist nichts nach außen gedrungen. Und das bleibt auch so. Mein Büro war der Beichtstuhl für die Spieler. Da ging es um verschiedenste Dinge, natürlich auch private Angelegenheiten. Was meinen Sie, wie oft Jens Lehmann zu mir kam, weil sie ihn in Dortmund geblitzt haben? Früher konnte ich da noch etwas in die Wege leiten und dann war die Geschichte gegessen. Lehmann war ohnehin ein komischer Kauz.

SPOX: Inwiefern?

Wiegandt: Der hatte ja überall seine Schwierigkeiten. In einem Trainingslager musste ich ihm auf die Finger klopfen. Ich hatte immer das größte Zimmer, weil ich für das ganze Zeug viel Platz brauchte. Vor dem Nachmittagstraining habe ich dort immer Kaffee gemacht und diese Fertigkuchen von Bahlsen gekauft. Wir waren meist zu sechst oder siebt. Wenn alles fertig war, bin ich zu den entsprechenden Zimmern gegangen, habe wie gewohnt zwei Mal geklopft und dann wussten die: Kaffee ist fertig. Und auf einmal kam der Lehmann herein, der das irgendwie mitgekriegt haben muss, und packt den Kuchen an.

Wiegandt über einen Einlauf für Lehmann und eine Ansage an Michael Zorc

SPOX: Gab's einen Einlauf für ihn?

Wiegandt: Ich habe ihm gesagt, dass wir uns das alles teilen und er sich gerne jederzeit daran beteiligen kann. Er meinte: Ihr könnt mich mal, ich weiß genau, du kuscht nur vor denen. Ich kusche vor niemandem, das habe ich doch gar nicht nötig, habe ich gesagt. Die anderen wissen genau, dass ich immer alles einkaufe und wir uns das dann teilen. Das ist Tradition im Trainingslager. Lehmann war richtig erschrocken und ist wieder gegangen, die anderen haben sich schlapp gelacht.

SPOX: Sie hatten mit der Zeit schon eine gewisse Macht?

Wiegandt: Natürlich, ich habe mir auch nichts gefallen lassen. Wir haben uns oft gegenseitig verarscht und aufgezogen. Gerade früher haben sie immer gemotzt, wenn wir auf der B1 im Stau standen. Als Michael Zorc schon Manager war, standen wir einmal am Flughafen Paderborn. Es hat ohne Ende geschneit, wir konnten gerade noch landen. Ich stand wieder mit meinen Kisten da und alle wollten nach Hause. Ich habe zu Zorc gesagt: Wenn du jetzt nicht mit anpackst, bleiben sie stehen, dann kannst du die mit deinem Privatwagen holen. Er hat zwar doof geguckt, aber er wusste, dass das eine klare Ansage war. Alle sagten immer: Bomber, letztlich hast du dich doch immer durchgesetzt.

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