Leverkusens Sommer-Neuzugang Paulinho im Porträt: Erst Bayer, dann Europa

Von Charleen Janocha
Freitag, 27.04.2018 | 18:16 Uhr
Youngster Paulinho im Porträt: Die Eroberung Europas im Sturm.
© getty
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Paulinho wechselt im Sommer von Vasco da Gama zu Bayer Leverkusen. Der Transfer des erst 17 Jahre alten Brasilianers ist ein echter Coup. Mit Paulinho kommt ein Ausnahmetalent zur Werkself.

Jubelsprünge in Leverkusens Führungsetage. Rudi Völler schlägt verzückt die Füße zusammen, Jonas Boldt lässt die Korken knallen. Dieses Gefühl vermittelte die Pressemitteilung, die Bayer am Freitagnachmittag rausschickte. "Die Verpflichtung von Paulinho ist für uns ein Riesenerfolg", wird Geschäftsführer Michael Schade zitiert.

Manchester City, Atletico Madrid, PSG, aber auch der FC Bayern und Borussia Dortmund sollen den Brasilianer auf ihrer Wunschliste gehabt haben. Den Zuschlag erhielt schließlich Leverkusen. Paulinho unterschrieb einen Fünfjahresvertrag bei der Werkself.

Leverkusen profitierte wieder einmal von seinem guten Ruf in Südamerika. "Jeder kennt Leverkusen als den Klub in Europa, bei dem viele Brasilianer glücklich geworden sind. Renato Augusto hat geweint, als er einst Leverkusen verließ, und von Wendell weiß ich, wie sehr man dort gerade die jungen ausländischen Profis unterstützt", begründete der Außenstürmer seine Entscheidung fürs Bayer-Kreuz.

Bayer Leverkusen: Diese Brasilianer spielten für die Werkself

NameSpielzeitSpieleTore
Tita1987/882110
Jorginho1989/92879
Paulo Sergio1993/9712147
Ramon Hubner1995/968026
Rodrigo Chagas1995/96271
Ze Elias1996/97230
Emerson1997/20008211
Paulo Rink1997/028829
Ze Roberto1998/0211318
Robson Ponte1999/05796
Marquinhos2000/02--
Lucio2001/049215
Juan2002/0713910
Franca2002/057021
Cris2003 (Leihe)7-
Roque Junior2004/0735-
Athirson2005/07302
Renato Augusto2008/121019
Henrique2008/09 (Leihe)27-
Carlinhos2012/133-
Andre Ramalo2015/1722-
Wendell2014-heute1105

Paulinho: 16 Jahre alt und kurzzeitig Held

Paulinho wuchs bei Rio de Janeiro auf, in Vila da Penha, dem Stadtteil Rios, aus dem auch Vasco-Legende Romario stammt. Der führte Brasilien bekanntlich 1994 zum WM-Titel. Paulinhos älterer Bruder wurde nach Romario benannt, er selbst trug als Anlehnung an den einstigen Weltklassestürmer dessen Rückennummer, die Elf, erklärte Vasco-Experte Tauan Ambrosio von Goal.com.

Als Paulinho mit zehn Jahren zu Vasco kam, diente Romario ihm als Antrieb und Vorbild: "Was gerade passiert, ist ein Traum für meine Familie und mich".

16 Jahre, 11 Monate und 28 Tage alt war Paulo Henrique Sampaio Filho, kurz Paulinho, bei seinem Pflichtspieldebüt für Vasco da Gama. Für mehr als eine Minute gegen EC Vitoria hatte es damals noch nicht gereicht.

Nur elf Tage später berief ihn sein Trainer Milton Mendes in die Startelf gegen Atletico Mineiro. Vasco da Gama gewann die Auswärtspartie mit 2:1. Paulinho schoss sein Team mit einem Doppelpack im Alleingang zum Sieg. Ein sehenswerter Schuss in den Winkel ließ den Youngster kurzzeitig zum Helden aufsteigen. Es war der Anfang einer stetig wachsenden Entwicklung, Paulinho ritt auf einer Euphoriewelle, die erst vor wenigen Wochen an Wucht und Kraft einbüßte.

Armbruch stoppt Paulinhos Aufwärtstrend

Paulinho erlitt im Gruppenspiel der Copa Libertadores, der Champions League Südamerikas, gegen Cruzeiro einen Armbruch. Dieses 0:0 könnte sein letztes Spiel für Vaco gewesen sein. Am 15. Juli beginnt sein Engagement bei Bayer offiziell und Bayer ist zuversichtlich. "Wir gehen davon aus, dass Paulinho Mitte Juli wieder vollkommen genesen sein und dann topfit zu uns stoßen wird", sagte Bayer-Manager Boldt.

Bis zum Bundesligastart am 24. August bleibt Paulinho also nur rund ein Monat für die Integration ins neue Umfeld. Ein Problem? Wohl kaum. "Bei unseren Gesprächen hat man mir den Klub, die Mannschaft und die einzelnen Spieler vorgestellt. Ein tolles, junges Team. Ich bin sicher, dass ich mich hier wohlfühlen und erfolgreich sein werde", wird Paulinho in der PM zitiert.

Boldt ist davon überzeugt, dass der 17-Jährige Leverkusen schnell helfen kann - trotz seines Alters: "Der Junge hat uns mit seinen technischen Fähigkeiten, seiner Dynamik, Durchsetzungsfähigkeit und Torgefahr schnell überzeugt. Er ist trotz seiner jungen Jahre bereits sehr weit."

U17-WM in Indien: Paulinho schießt DFB-Team raus

Erstmals außerhalb von Südamerika machte Paulinho bei der U17-Weltmeisterschaft in Indien auf sich aufmerksam. Als frisch gebackener Südamerikameister mit Brasiliens U17-Auswahl überzeugte Paulinho in Fernost mit drei Toren und zwei Assists. Die Selecao holte auch dank der Leistungen des Bayer-Neuzugangs den dritten Platz.

Wie es das Schicksal wollte, traf Paulinho auch im Viertelfinale gegen Deutschland und kegelte die DFB-Elf mit seinem Siegtreffer zum 2:1 aus dem Turnier. Vielleicht ein Schuss, der Leverkusens Funktionäre spätestens aufhorchen ließ.

Paulinho steht für seine Ballkontrolle, Übersicht und Physis. Seine Variabilität machte ihn unverzichtbar für das brasilianische Team.

Paulinho überzeugt mit Variabilität

"Ich bin Stürmer, aber ich habe auch schon als Außenverteidiger und im Mittelfeld gespielt", erklärte Paulinho im Interview mit FIFA.com. "Auf verschiedenen Positionen zu spielen, hat mir mehr Überblick für mein Spiel gegeben. Ich kann dem Team überall helfen, egal, wo der Trainer mich aufstellt."

Auf Linksaußen fühlt sich Paulinho am wohlsten. Er kann laut Vasco-Experte Ambrosio jedoch praktisch alle Positionen problemlos bekleiden. Auf beiden Flügeln, als Zehner, im Sturmzentrum, ja sogar als Sechser: "Am besten kommen seine Fähigkeiten aber zur Geltung, wenn er Chancen für seine Teamkollegen kreieren kann".

Wenn Paulinho mit Tempo von außen nach innen zieht, wird es brandgefährlich. Oft fehlt ihm aber noch das Gefühl für die Situation, er könnte seine Torgefahr noch deutlich öfter gewinnbringend einsetzen.

Vergleiche mit Philippe Coutinho

Aufstrebende Talente werden immer mit berühmten Vorbildern verglichen. Bei Paulinho heißt dieses "Alter Ego" Philippe Coutinho. Die Parallele ist schnell gezogen. Der zweitteuerste Spieler der Geschichte erzielte einst ebenfalls als 17-Jähriger seinen ersten Treffer als Profi für Vasco. Zudem ähnelt sein Spielstil dem von Paulinho.

Selbst das liebe Geld verbindet die beiden irgendwie. Sowohl Coutinho als auch Paulinho schmückt ein stolzer Marktwert. Vasco verankerte im ursprünglich bis 2020 datierten Vertrag mit Paulinho eine Ausstiegsklausel von 30 Millionen Euro - für einen Jungen mit Zahnspange eine stolze Summe.

Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten des Klubs sei Vasco nicht um einen Verkauf des Ausnahmetalents herumgekommen. Laut O Globo soll Leverkusen sogar bereits rund 1,4 Millionen Euro hinterlegt haben, damit der Klub die für März ausstehenden Gehälter seiner Spieler bezahlen konnte. Auch die Ablösesumme dürfte sich auf eine kleinere Summe als die veranschlagten 30 Millionen belaufen.

Paulinho: "Mit Bayer ganz Europa kennenlernen"

Bei Vasco hinterlässt Paulinho eine große Lücke. "Er ist ein Juwel des brasilianischen Fußballs und von Vasco da Gama. Wir wussten, dass es früher oder später passieren wird, weil dies das Ziel aller brasilianischen Talente ist. Es ist schade, ihn so früh zu verlieren. Wir werden ihn sehr vermissen", sagte Vasco-Coach Ze Ricardo auf der Pressekonferenz nach dem Copa-Libertadores-Spiel gegen Racing Club.

Die Copa tauscht Paulinho in der kommenden Saison wohl für die europäische Königsklasse ein. Ein Traum des Youngsters, den Herrlichs Mannschaft bereits in den kommenden drei Wochen erfüllen könnte.

Leverkusens Restprogramm in der Bundesliga

SpieltagDatumHeimAuswärts
3228.04.18Bayer 04VfB Stuttgart
3305.05.18Werder BremenBayer 04
3412.05.18Bayer 04Hannover 96

"Ich will Champions League spielen und mich weiter verbessern", sagte Paulinho, der "mit Bayer (...) ganz Europa kennenlernen" will. Leverkusen mag womöglich nur eine Zwischenstation von Paulinho sein, ein Sprungbrett ähnlich wie im Fall Leon Baileys, dessen Abgang eine Frage der Zeit zu sein scheint und den Paulinho mittelfristig ersetzen könnte, ehe er selbst vom Sprungbrett in noch größere Höhen abhebt.

Bis Paulinho aber tatsächlich ganz Europa kennenlernt, darf sich Bayer am Spiel des Brasilianers erfreuen. Im Optimalfall war es nicht der letzte Freudensprung von Rudi Völler.

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