Fussball

Leverkusens Jonathan Tah auf Kurs Weltklasse: Der Klon schließt zum Original auf

Freitag, 09.03.2018 | 08:51 Uhr
Jonathan Tah ist bei Bayer Leverkusen gesetzt.

Jonathan Tah hat sämtlichen Interessenten aus Europa zum Trotz bis 2023 bei Bayer Leverkusen verlängert. Der Innenverteidiger reift als Abwehrchef der Werkself zum Weltklassemann. Der nächste Schritt heißt Nationalmannschaft.

Rund neun Jahre ist es her, dass Tah den Bolzplatz am Kemal-Altun-Platz in Hamburg Ottensen gegen das schillernde Trainingsgelände des HSV-Internats eingetauscht hat. Schon damals mit 13 Jahren sah der Innenverteidiger zu seinem Idol Jerome Boateng auf.

Heute ist Tah zwei Zentimeter größer als Boateng. Das Ziel blieb das Gleiche. "Natürlich wäre es ein Traum von mir, irgendwann neben ihm auf dem Platz zu stehen", sagte Tah vor einigen Wochen der Bild. Damit meinte der heute 22 Jahre alte Innenverteidiger sicher ein Spiel mit der Nationalmannschaft, doch Tah hat mittlerweile auch das Format für eine europäische Top-Mannschaft wie den FC Bayern.

Immer wieder wurde er mit Klubs wie Liverpool, Barcelona oder Juventus in Verbindung gebracht. Zuletzt sondierte offenbar auch Borussia Dortmund, ob der Leverkusener Abwehrchef zu haben wäre. Tah begegnet derartigen Spekulationen mit denselben Eigenschaften, die ihn auf dem Platz auszeichnen: Professionalität und Demut.

Jonathan Tah: Ein stiller Leader

"Das ist natürlich schön zu hören und eine Ehre für mich. Ob es stimmt oder nicht, weiß ich nicht", kommentierte Tah beispielsweise das angebliche Interesse des FC Barcelona.

Aussagen, aus denen Tah direkt ein Strick gedreht wurde. Sein Trainer Heiko Herrlich betonte daraufhin, man dürfe Tahs respektvollen Umgang mit dem vermeintlichen Interesse an seiner Person nicht fehlinterpretieren: "Er ist ein absolut sauberer Charakter, der sich voll reinhaut für die Mannschaft."

Aufgrund seiner Persönlichkeit war Tah schon beim HSV beliebt. Er ist dieser stille Leader-Typ, ähnlich wie Boateng, der seine Mannschaft durch seine Körpersprache führen kann. Tah verleiht seinen Nebenmännern durch seine eigene Ruhe am Ball, die zeitweise nahezu arrogant anmutet, ein Gefühl von Sicherheit.

Herrlich begeistert von Tah: "Jona hat überragende Anlagen"

Tah hat in Leverkusen nochmal einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht. Schon in seiner ersten Profi-Saison beim HSV, in der Tah unverhofft zu 16 Bundesliga-Einsätzen kam und unter Bert van Marwijk gar zum Stammspieler heranreifte, ließ sich der jüngste Bundesligaspieler der Klubgeschichte sein Alter kaum anmerken.

"Er ist 17, spielt aber, als wäre er schon fünf Jahre lang in der Bundesliga. Er ist ein guter Verteidiger - schnell, groß, kopfballstark", lobte van Marwijk seinen damaligen Schützling und prophezeite Tah eine "große Zukunft".

Lediglich an Konstanz fehlte es dem 1,94 Meter-Hünen noch, weshalb der spätere HSV-Coach Mirko Slomka im Abstiegskampf keine Verwendung mehr für den unerfahrenen Newcomer hatte. Es folgte eine Leihe zu Fortuna Düsseldorf. Der vermeintliche Rückschritt in Liga zwei erwies sich als goldrichtig. Tah sammelte eben fehlende Erfahrung und stabilisierte sich. Oliver Reck, damals Trainer der Fortuna, schwärmte von Tahs abgeklärtem Spiel.

In Leverkusen verbesserte sich das Top-Talent weiter. Heute ist er nicht mehr aus Herrlichs erster Elf wegzudenken. Und der Prozess scheint noch nicht vollendet. "Jona hat überragende Anlagen. Er ist schnell, technisch stark, sehr robust und verfügt über viel Ruhe und Übersicht. Dabei ist für ihn das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht", sagte Herrlich.

Statistiken von Jonathan Tah im Vergleich zur Vorsaison

SaisonTackles Erfolgsquote in ProzentLuftzweikampfquote in ProzentKlärende Aktionen pro SpielPassquote in Prozent
2016/1765,959,03,382,9
2017/1873,060,44,085,4

Tah und der Traum von Russland 2018

Die nächsten Schritte will Tah nun also auch in Leverkusen gehen, zumal die Kurve bei Bayer klar nach oben zeigt und die Champions League in der kommenden Saison absolut drin ist. Die Spieler würden sich mit dem Konzept identifizieren, sagte Torhüter Bernd Leno der Sport Bild: "Wir sind sehr gerne hier."

Die Vertragsverlängerungen von Stammspielern wie Tah seien ein "Super-Zeichen" dafür. Den Abwehrchef selbst reizt das Ausland schon, doch "Stand jetzt" eben nicht. "Man kann hier einfach in Ruhe arbeiten, das Klima ist sehr angenehm, sehr familiär, alles ist vielleicht etwas kleiner als bei anderen Vereinen", erklärte Tah. Der sportliche Aufwärtstrend dürfte jedoch die entscheidende Rolle gespielt haben. Denn in einer anderen Mannschaft will sich Tah auf Dauer durchsetzen.

Im DFB-Team wimmelt es förmlich von talentierten Innenverteidigern. "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht gerne bei der WM dabei wäre. Aber ich weiß um die Situation, ich weiß, dass die Konkurrenz nicht schläft. Sie spielen alle bei Topklubs und haben diese Saison alle international gespielt", sagte Tag der Bild.

Boateng und Hummels sind gesetzt - aber wie lange noch?

Tahs Demut sollte seine Chancen auf einen Platz im WM-Kader jedoch nicht schmälern. Boateng, Mats Hummels, Niklas Süle und Antonio Rüdiger scheinen aktuell noch die Nase vorn zu haben. Doch schon zur EM 2016 nahm Bundestrainer Jogi Löw fünf Innenverteidiger mit, Tah war nach Rüdigers Verletzung schon damals einer davon.

Tahs Zukunft in der Nationalmannschaft ist garantiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass der "Boateng-Klon", wie Tah schon von der Presse betitelt wurde, das Zepter übernimmt. Er schließt peu a peu zum Original auf. Boateng und Hummels sind beide 29 Jahre alt. Ein paar Tage wird sich Tah also noch gedulden müssen, wobei eine vorzeitige Übernahme durch den Frühstarter auch nicht verwundern würde.

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