Mats Hummels über Interviews: "Wir werden uns mit Nichtssagendem abfinden müssen"

SID
Donnerstag, 22.02.2018 | 09:21 Uhr
Mats Hummels äußerte sich über das Interview-Verhalten von Fußball-Profis.

Weltmeister Mats Hummels ist fest davon überzeugt, dass Fußball-Profis in Zukunft noch unkritischer in ihren Aussagen werden.

"Wer kritische Themen anspricht, löst gleich einen Skandal aus. Allerweltzitate werden zu großen Zeilen gemacht. Durch diese Entwicklung wird es in Zukunft inhaltlich viel weniger von den Spielern geben, wir werden uns alle mit viel Nichtssagendem abfinden müssen. Wie in der NBA", sagte Hummels in einem Interview mit dem Sportmagazin Socrates.

Er finde es schade, "dass mittlerweile sehr normale Sachen nicht mehr gesagt werden können, ohne dass sie vielleicht als Hochmut oder Arroganz ausgelegt werden", fügte der 29-Jährige von Bayern München an.

"Alles nur hohle Phrasen"

Man müsse sich nur die Interviews in der nordamerikanischen Basketball-Profilliga NBA anschauen, "die sogar in der Kabine geführt werden. Das mögen ein paar Fans cool finden, aber ich habe das Gefühl: In keinem einzigen Interview wird von einem der Spieler oder der Trainer wirklich gesagt, woran beispielsweise eine Niederlage gelegen hat. Das sind alles nur hohle Phrasen", sagte Hummels.

Im Fußball laufe es, so der Nationalspieler, "leider in eine ähnliche Richtung, weil die meisten Spieler keine Lust haben, in negative Schlagzeilen zu geraten". Es bedürfe deshalb schon Mut, sich inhaltlich stark zu äußern, sagte Hummels. Die Hemmschwelle, öffentlich etwas zu sagen, sinke daher nicht: "Im Gegenteil, sie steigt."

Hummels selbst gilt als kritischer Geist. Das soll auch so bleiben. Es wäre für ihn "manchmal wahrscheinlich leichter, wenn ich mich Floskeln bedienen oder mit Plattitüden antworten würde. Aber ich bin nach wie vor überzeugt, dass man den Leuten Fußball erklären oder ihnen zumindest ein bisschen aufzeigen kann, was hinter den Kulissen passiert - ohne dabei Vertraulichkeiten zu brechen. Dafür handele ich mir auch immer mal wieder Ärger ein, aber das nehme ich in Kauf".

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