Spieler im Fokus: James Rodriguez ist bei den Bayern derzeit unersetzlich

Montag, 05.02.2018 | 10:00 Uhr
James Rodriguez ist derzeit nicht aus der Startelf der Bayern wegzudenken.

James Rodriguez überzeugte beim FC Bayern München in den letzten Wochen mit tadellosen Leistungen. Dabei wird der Kolumbianer nicht nur immer torgefährlicher, er arbeitet auch in der Defensive mit. Jupp Heynckes setzt derzeit voll auf James - wird in der entscheidenden Saisonphase aber schwere Entscheidungen zu treffen haben.

Vielleicht erinnerte sich James an die Worte von Jupp Heynckes, als er die Flanke von Tolisso im Mainzer Strafraum butterweich von seiner Brust abtropfen ließ. Mehr Torgefährlichkeit hatte der Bayern-Coach von seinem Spielmacher unlängst gefordert. "Er hat einen sauberen Spannstoß", ließ Heynckes im kicker wissen, beim Abschluss fehle aber "der letzte Punch".

Also setzte der Kolumbianer, der sein letztes Bundesliga-Tor gegen Bayer Leverkusen noch mit viel Effet in den Winkel geschnibbelt hatte, diesmal seinen sauberen Spann ein. Volley-Abnahme ins kurze Eck, Zentner im Kasten war ohne Chance. Beim Torjubel tippte sich James mit dem Zeigefinger an die Schläfe, als wollte er sagen: "Siehst du, Trainer? Spannstoß, wie gewünscht."

Auch ohne sein technisch höchst anspruchsvolles Tor wäre der 26-Jährige gegen Mainz wohl bester Mann auf dem Platz gewesen - mal wieder. Die meisten Torschüsse, die meisten Torschussvorlagen, die meisten Ballaktionen. Dreh- und Angelpunkt in der Offensive, mit viel Übersicht und dem einen oder anderen Überraschungsmoment ausgezeichnet.

Und mit enormen Arbeitseifer. Instinktfußballer James arbeitete nämlich auch nach hinten, war sich für Grätschen nicht zu schade. 15 Mal eroberte er gegen die 05er den Ball, so oft wie kein anderer Bayern-Star. "Viele sehen nicht, dass er immens laufstark ist und sich nicht zu schade ist, für die Defensive zu arbeiten", hatte Heynckes schon nach dem Leverkusen-Spiel gelobt.

James Rodriguez: Unter Jupp Heynckes mittlerweile gesetzt

Nicht überraschend also, dass James bei ihm gesetzt ist und sich bei den Bayern zum neuen Publikumsliebling gemausert hat. Womit vor einem halben Jahr nicht unbedingt zu rechnen war. Bei Real Madrids Trainer Zinedine Zidane war er mehr oder minder auf dem Abstellgleis gelandet, die Ausleihe zu den Bayern war angesichts des großen Angebots in der Offensive eher als (günstige) Investition in die Breite zu verstehen.

Es kam eine frühe Verletzung dazu, dazu noch ein paar Eingewöhnungsschwierigkeiten. Und so spielte James, Torschützenkönig der WM 2014, von den ersten acht Bundesligaspielen nur ein einziges durch. Heynckes aber päppelte ihn Stück für Stück auf, Ausfälle von Müller, Ribery, Robben und vor allem Thiago sorgten für Bedarf in der Startelf.

Resultat: Thiago kann sich nach seiner schweren Verletzung alle Zeit der Welt nehmen. James füllt die Rolle des Spaniers im zentralen Mittelfeld tadellos aus. "Es ist jeden Tag zu merken, dass er sich hier wahnsinnig wohlfühlt. Er ist jetzt voll integriert und merkt, dass er Fehler machen darf und es nicht an der Leistung liegt, wenn er raus muss. Ich bin sehr zufrieden mit ihm", lobt Heynckes.

James Rodriguez' Liga-Statistiken der letzten Jahre

SaisonVereinEinsätzeToreVorlagen
2017/18FC Bayern1546
2016/17Real Madrid2286
2015/16Real Madrid2678
2014/15Real Madrid291313
2013/14AS Monaco34913
2012/13FC Porto24109

Und setzte James in den letzten acht Ligaspielen sechsmal über die volle Distanz ein. Lediglich gegen Hoffenheim gab es eine Kunstpause. Der Spielmacher dankt es mit starken Leistungen: In drei Einsätzen in der Rückrunde verbuchte er dreimal die meisten Ballaktionen, zweimal die meisten Torschüsse, Torschussvorlagen und Flanken, spulte jeweils über elf Kilometer ab. Längst ist er der Mann für die Standards. Dabei ist er quasi der Arjen Robben der Zentrale: Wie der Niederländer wird so gut wie jeder Ballkontakt mit links vorgenommen.

Bleibt James in der entscheidenden Phase in der Stammelf?

Die hervorragenden Leistungen des Mannes, der sich nach eigener Aussage sehr wohl in München fühlt, hat auch die internationale Presse registriert. So wurden zuletzt Gerüchte gestreut, James könne im Sommer zu Liverpool wechseln und dort Coutinho ersetzen. Auch eine vorzeitige Rückkehr zu Real steht immer wieder im Raum, etwa bei einem Rauswurf Zidanes.

Die Bayern stehen dem Rauschen im Blätterwald gelassen gegenüber, haben sie James doch bis mindestens 2019 sicher in ihren Reihen. Danach gäbe es eine Kaufoption über 42 Millionen Euro, wobei James laut Marca selbst entscheiden kann, ob er in Deutschland bleibt oder zurück nach Spanien geht.

Spannend könnte es im Frühjahr werden, wenn Thiago zurückkehrt und die übrigen Leistungsträger fit bleiben. Heynckes hätte für die entscheidenden Spiele im Pokal und der Champions League mit Lewandowski, Müller, Robben, Ribery, Coman, James und Thiago bis zu sieben Spieler für vier offensive Positionen zur Verfügung.

Reicht es dann immer noch für die Stammelf? Oder nur für Rotationseinsätze in mittlerweile bedeutungslosen Ligaspielen? James ist ein ganz interessanter Spieler, mit seinem linken Fuß, seinem letzten Pass und seinen Standardsituationen", zeigte sich Matthias Sammer Mitte Januar in der AZ nicht überzeugt, "aber wenn es ums Eingemachte geht, glaube ich, dass andere da die Nase vorn haben."

Mit fünf Scorerpunkten in den letzten drei Partien arbeitet James daran, dass der Eurosport-Experte sein Urteil revidiert. Seinen Trainer und die Fans hat er bereits überzeugt.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung