Der 1. FC Köln vor Peter Stögers Rückkehr als BVB-Trainer: Niemals geht man so ganz

Freitag, 02.02.2018 | 13:07 Uhr
Peter Stöger verabschiedete sich vor zwei Monaten als Trainer vom 1. FC Köln
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Wenn der 1. FC Köln am Freitagabend Borussia Dortmund empfängt (20.30 Uhr im LIVETICKER), steht ein Thema besonders im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: die Rückkehr von Peter Stöger ins Kölner Stadion, jetzt als BVB-Trainer. Seit der Trennung vom Erfolgscoach der letzten Jahre haben sich die Stimmung und der sportliche Trend gedreht. Doch wie viel Stöger steckt noch im Effzeh?

Auf den Tag genau zwei Monate ist es her. Soeben hat Peter Stöger beim 2:2 auf Schalke letztmals als Trainer des 1. FC Köln an der Seitenlinie gestanden. Das weiß er in diesem Moment.

Also kostet er noch einmal jeden Moment aus. In seiner dicken roten Stadionjacke mit dem Geißbock auf dem Herzen geht er zu den Gästefans und verneigt sich vor ihnen. Er zieht nicht nur sprichwörtlich den Hut vor dem Effzeh-Anhang.

Es sind emotionale Augenblicke, die sich auch für diejenigen, die noch nichts von der feststehenden Trennung wissen, nach Abschied anfühlen.

Auch die Mannschaft weiß, was los ist. Noch auf dem Rasen versammelt Stöger seine Truppe und spricht in einem Kreis zu ihr. Einige Spieler haben Tränen in den Augen.

Stöger Anfang Dezember in Köln entlassen

Am Morgen danach läuft es offiziell über den Äther: Das Ende der Ära Stöger in Köln ist gekommen. Nach 1634 Tagen und 168 Spielen, einer Distanz, die kein Effzeh-Trainer vor ihm jemals gegangen ist.

Stöger hat Köln aus der 2. Liga ins Oberhaus geführt, die Mannschaft Jahr um Jahr weiterentwickelt und mit ihr im Mai erstmals nach fast drei Jahrzehnten den Europapokal erreicht.

Doch die Wahrheit war zu diesem Zeitpunkt eben auch: Köln stand mit drei Pünktchen und nur sechs geschossenen Toren nach 14 Spieltagen abgeschlagen auf Tabellenplatz 18. Und da sich die Vereinsführung gegen das Freiburger Modell entschied und nicht "spürbar anders" handelte, sollte ein Impuls her, um die Situation vielleicht doch noch zu retten.

Köln glaubt wieder ans Wunder

Zwei Monate später scheint dieser Impuls tatsächlich etwas bewirkt zu haben. Unter dem neuen Cheftrainer Stefan Ruthenbeck holte Köln in sechs Spielen zehn Punkte, darunter die ersten drei Saisonsiege - im gleichen Zeitraum sammelten nur der FC Bayern (18), Bayer Leverkusen (13), der SC Freiburg (12) und Eintracht Frankfurt (11) mehr Zähler. Der Rückstand auf den Relegationsplatz ist immerhin auf "nur noch" vier Punkte geschrumpft.

Doch die Kölner versuchen zu vermeiden, dass nach jedem Spieltag gerechnet wird. "Wir haben die Endspiele ausgerufen, weil wir denken, dass es die einzige Möglichkeit ist, so viele Siege wie nötig einzufahren", begründete Ruthenbeck.

Das nächste Endspiel ist dabei ein ganz besonderes. Denn nur zwei Monate nach der emotionalen Trennung kehrt Peter Stöger ins Müngersdorfer Stadion zurück. Nur diesmal nicht in Rut un Wiess, sondern in Schwatzgelb. Als Trainer des BVB.

Für den Österreicher ist es eine Heimkehr an einen wohlbekannten Ort. Die sportlich handelnden Personen sind jedoch komplett ausgetauscht worden. Erst vor vier Wochen trennte sich der Verein mit Torwarttrainer Alexander Bade vom letzten Überbleibsel aus Stögers Funktionsteam.

Ist unter Ruthenbeck alles besser?

Und plötzlich funktioniert es. Der Effzeh punktet. Ist mit dem neuen Trainerteam alles besser? Ist überhaupt alles anders?

"Wir haben sie an der Ehre gepackt und gesagt: Wir müssen Opfer bringen. Ich glaube, die Jungs sind schwer angepisst und wollen Dinge wiedergutmachen." Ruthenbeck wählt einen anderen Ansatz als sein Vorgänger, setzt gerne auf emotionale Motivationsreden. Stöger wäre so ein Satz nicht über die Lippen gegangen.

Ballbesitz und Pressing

Spielerisch ging Ruthenbeck mit dem Vorsatz ans Werk, dass die Mannschaft "ein bisschen aggressiver und höher verteidigen" solle.

Während Stöger eher defensiv spielen ließ und vor allem auf Konter und lange Bälle (in der vergangenen Saison mit Anthony Modeste eine zielführende Taktik) setzte, stehen die Kölner nun höher und spielen situatives Angriffs- und Mittelfeldpressing: "Wir wollen so wenig wie möglich die Bälle rausschlagen, sondern es spielerisch lösen. Wir wollen das Risiko nicht unbedingt minimieren, sondern eingehen", erklärt Ruthenbeck.

Darüber hinaus bezeichnete der 45-Jährige im Winter die Hierarchie als Baustelle: "Wenn man die Hinserie analysiert, gibt es schon ein paar Jungs, die vorangehen. Aber vielleicht brauchen wir da noch mehr. Es ist jetzt die Zeit, nicht nur mitzuspielen, sondern auch zu führen."

Höger und Jojic gehen voran

Dabei nahm er insbesondere Marco Höger und Milos Jojic in die Pflicht. Ersterer hatte zuvor unter Stöger keine Rolle mehr gespielt, verdrängte nun Matthias Lehmann aus der Startelf und überzeugte mit seiner Passsicherheit und gutem Stellungsspiel. Jojic ist womöglich in seiner besten Form, seitdem er das Kölner Trikot trägt, bereitete gegen den HSV beide Tore vor und traf gegen Augsburg selbst per Freistoß.

Auch Christian Clemens und Jorge Mere spielten sich in den letzten Wochen aus der Bedeutungslosigkeit in die Startelf.

Außerdem kontrolliert Ruthenbeck die Belastung engmaschiger. Denn eines will der Effzeh für den Endspurt auf alle Fälle vermeiden: das Verletzungspech aus dem Herbst. Dafür hatte der neue Geschäftsführer Sport, Armin Veh, Ex-Trainer Stöger mehrfach schwer kritisiert.

Einfluss von Fremdfaktoren

Ja, Ruthenbeck hat Dinge verändert, die der sportlichen Wende zumindest nicht im Weg standen. Ihm sämtliche Fleißsternchen dafür ins Heft zu kleben, würde jedoch genauso zu kurz greifen, wie jegliche Schuld der verpatzten Hinrunde bei Stöger zu suchen.

Einerseits spielten Fremdfaktoren bei den Erfolgserlebnissen eine Rolle. Günstige Schiedsrichterentscheidungen, fehlende Effizienz des Gegners, späte Tore auf der richtigen und nicht auf der falschen Seite. Das Spielglück war zuletzt zurück.

Darüber hinaus profitiert Ruthenbeck davon, dass ihm viele wichtige Leistungsträger nach langen Verletzungspausen wieder zur Verfügung stehen. Insbesondere die Rückkehr von Kapitän Jonas Hector hebt die Mannschaft auf ein anderes Niveau. Ähnlich verhält es sich beim enorm starken Dominique Heintz.

Stöger ist noch präsent in Köln

Völlig verschwunden ist Stöger auch aus dem Spiel der Kölner nicht. Das zuletzt viermal in Folge praktizierte 4-4-2 mit Doppelsechs war auch in den letzten Jahren häufig das System der Wahl. Zumindest von der Grundordnung hätte Stöger das Team wohl genauso aufs Feld geschickt, hätte er die gleichen Spieler zur Verfügung gehabt.

Zudem sind die Einstellung und der Zusammenhalt der Mannschaft ein Verdienst Stögers. Auch während der verheerenden Niederlagenserie fehlte es selten an Wille und Moral. Das Spiel auf Schalke war eine Blaupause dessen.

Ferner darf sich Stöger auf die Fahne schreiben, Spieler wie Hector, Heintz oder Horn zu den Leistungsträgern entwickelt zu haben, die sie jetzt sind.

Doch selbst wenn beim System und beim Personal gar nichts mehr von Stöger übrig wäre, würde er als Lichtgestalt im Verein immer eine Rolle spielen. Auf den Rängen, in den Köpfen, in den Herzen. Nach dem Stimmungstiefpunkt des Abstiegs 2012 und der enttäuschenden Zweitligasaison unter Holger Stanislawski hat er mit seiner demütigen, aber dennoch kultigen Art das gesamte Publikum hinter sich und dem Klub vereint.

Status wie Favre in Gladbach

Stöger hat Fußstapfen hinterlassen, die bleiben werden. Das letzte Halbjahr hin oder her. Er hat einen gottgleichen Status wie Lucien Favre in Gladbach und über Jahre hinaus werden sich Effzeh-Trainer an ihm messen müssen. Und das nicht nach sechs Spielen, sondern langfristig.

In einem Kölschen Kultlied sang Trude Herr: "Niemals geht man so ganz". Ein Satz, der auf Stöger zu 100 Prozent zutrifft.

Und schneller als viele gedacht hätten, kommt er am Freitag schon wieder. Zwar versucht sein Nachfolger, die emotionale Komponente herunterzuspielen: "Für mich ist das Besondere, dass der BVB kommt. Ein Champions-League-Team, eine Top-Mannschaft, gegen die ich coachen darf. Alles andere zählt nicht."

Besonders wird es dennoch. Für die Spieler. Für die Fans. Und für Stöger selbst. Denn als er das letzte Mal vor den Kölner Anhängern stand, flossen Tränen...

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