Mark Uth wechselt von 1899 Hoffenheim zu Schalke 04: Wenn er spielt, dann trifft er

Dienstag, 09.01.2018 | 18:13 Uhr
Neun Tore und zwei Vorlagen gelangen Mark Uth (l.) in der Hinrunde
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Mark Uths Wechsel von der TSG Hoffenheim zu Schalke 04 ist perfekt. Nach drei Jahren im Kraichgau stellt sich der 26-Jährige der nächsten Herausforderung - dabei war er erst in dieser Saison wirklich zum Stammspieler avanciert. Für Hoffenheim ist es ein herber Verlust, Schalke dagegen rüstet gerade in der Offensive weiter auf.

"Ich hoffe, dass er den Vertrag verlängert und weiter Argumente dafür liefert, dass der Klub alles dafür tut", hatte Julian Nagelsmann den Journalisten am 9. September in die Notizblöcke diktiert. Gemeint war Stürmer Mark Uth, der Hoffenheim soeben mit zwei Treffern einen Heimsieg über die Bayern beschert hatte.

Es waren nicht die einzigen Lobeshymnen von Nagelsmann auf seinen besten Stürmer in dieser Saison. Eine gute Entwicklung habe der in den mittlerweile knapp zwei Jahren unter ihm genommen, habe "immer Bock auf Fußball" und würde als "kölsche Frohnatur" auch in der Kabine eine wichtige Rolle spielen. Im November adelte der Hoffenheim-Trainer Uth als einen der besten Finisher in der Bundesliga, und der stellte dies mit neun Hinrunden-Treffern unter Beweis. Platz vier unter den Torjägern.

Jetzt steht fest: Die Argumente für eine Vertragsverlängerung waren nicht stark genug. Oder anders ausgedrückt: Die gleichen Argumente sorgten für zu große Konkurrenz und für einen Wechsel zum Saisonende. Auf Schalke werden bereits die ersten Jerseys beflockt, Sportvorstand Christian Heidel freute sich über die ablösefreie Verpflichtung des "derzeit torgefährlichsten deutschen Angreifers der Bundesliga".

Uth in Hoffenheim: Erst Volland, dann Wagner vor sich

Uth selbst stellt sich der nächsten Herausforderung. Auf seinem Status als Stammkraft im Kraichgau will sich der Linksfuß, der erst mit 24 sein erstes Bundesligaspiel bestritt, nicht ausruhen. Dabei hat er diesen noch gar nicht so lang inne.

Im Sommer 2015 war Uth aus einem erfolgreichen, insgesamt dreijährigen Intermezzo in den Niederlanden nach Deutschland zurückgekehrt. Zuvor hatte es beim 1. FC Köln nicht für die höchste deutsche Spielklasse gereicht. 21 Tore und 12 Assists in 42 Spielen für den SC Heerenveen riefen wie erwartet die Bundesliga-Klubs auf den Plan, doch als er dann bei der TSG unterschrieb, musste er sich erst einmal hinter Kevin Volland einordnen.

Trotz vieler Einwechslungen - nur achtmal darf er bei 25 Einsätzen in der Liga über die volle Distanz ran - stellt der vielseitige Angreifer, der auch über die Flügel kommen kann, in seinem ersten Jahr sein Potenzial unter Beweis. Acht Tore sind es am Ende, genauso viele wie bei Volland, dieser wechselt 2016 zu Bayer Leverkusen. Und Uth bekommt nach dem Klassenerhalt Sandro Wagner vor die Nase gesetzt.

Vielleicht hätte er den selbsternannten besten deutschen Torjäger schon in der vergangenen Saison verdrängt, aber nach gutem Saisonbeginn (drei Tore in den ersten drei Spielen) wirft ihn ein Muskelbündelriss aus der Bahn. Im Frühjahr kommt dann noch ein Knochenriss dazu, trotzdem stehen am Ende immerhin sieben Treffer auf der Habenseite. Alle 164 Minuten hat er geknipst, dazu kommen drei Assists.

Uths Stärken: Vielseitig und stark im Abschluss

Danach klopft der Effzeh an, mit Rückkehrern in der Offensive kennt man sich am Rhein schließlich aus. Aber die Vereinsführung weiß, was sie an Uth hat, und der beweist es schon in der Champions-League-Qualifikation mit zwei Treffern gegen den FC Liverpool.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist klar: Hoffenheim muss sich etwas einfallen lassen, um den Durchstarter im Jahr 2018 nicht ablösefrei zu verlieren. Und der schießt sich mit jedem Tor in der Hinrunde auf den Scouting-Zetteln weiter nach oben. Fünf Tore macht er wettbewerbsübergreifend in den ersten sechs Spielen, glänzt mit eiskaltem Abschluss und als Mann für die wichtigen Tore. Nach seinem Doppelpack gegen die Bayern und dem Siegtreffer gegen Mainz in letzter Sekunde wird er zum Spieler des Monats September gekürt.

Für sein Team ist Uth längst unverzichtbar. Und weil er so vielseitig ist, weil er auch über den Flügel kommen oder sich die Bälle im Mittelfeld abholen und dann aus der Tiefe kommen kann, passt es auch im Zusammenspiel mit Stoßstürmer Wagner. Für die Gegenspieler ist er so schwer auszurechnen - und der starke Linke eine echte Waffe.

Hoffenheim kann Uth nicht halten

Der Abgang Wagners in die alte Heimat nach München war für die TSG auch deshalb zu verkraften, weil ihm Uth mit neun Toren in 16 Ligaspielen längst den Rang abgelaufen hatte. Gleichzeitig war es wohl auch das letzte Argument im Werben um die Vertragsverlängerung: Wir setzen voll auf dich, den Stammplatz kannst du bei uns eigentlich nicht mehr verlieren.

"Eineinhalb Jahre" habe man sich um eine weitere Zusammenarbeit bemüht, sagte 1899-Sportchef Alexander Rosen, aber auch der Gang an die finanzielle Schmerzgrenze nützte nichts.

Nach Bekanntgabe des Wechsels blieb Rosen nur folgendes Fazit: "Damit muss man im Profi-Geschäft rechnen und klarkommen." Nun muss man in Sinsheim darauf hoffen, dass Uth die achtstellige Ablöse, die man im Sommer hätte bekommen können, in der Rückrunde weiter einspielt. Schließlich steht man auf Rang sieben nur vier Punkte hinter den Schalkern, das internationale Geschäft ist möglich.

Uth auf Schalke: Konkurrenz belebt das Geschäft

Mäzen Dietmar Hopp hatte sich nach dem Jahreswechsel im vereinseigenen Spielfeld-Magazin noch kämpferisch gezeigt: Auch wenn Uth den Verein im Sommer verlassen sollte, sei es definitiv die richtige Entscheidung gewesen, ihn zu halten. Und: "Wir werden auch verkraften, wenn weitere gehen. Wenn wir das nicht tun, sind wir auch nicht bundesligatauglich."

Die Frage wird sein, wann die Personaldecke zu dünn geworden ist: Nach den Abgängen von Uth, Wagner und Gnabry müssen es Andrej Kramaric und vielleicht Rückkehrer wie der derzeit an Rapid Wien ausgeliehene Joelinton richten. Über allem schwebt dazu Nagelsmanns Abgang auf Raten - keine leichte Situation.

Auf Mark Uth wartet in Gelsenkirchen derweil jede Menge Konkurrenz - mal wieder. Mit Marko Pjaca und und Cedric Teuchert sind gerade erst zwei weitere Offensivkräfte verpflichtet worden. Die Außenbahnen sind gut gefüllt, in der Mitte tummeln sich Burgstaller, Di Santo und Embolo.

Es gilt also, in der Rückrunde weiter Werbung in eigener Sache zu machen. "Wenn ich spielen darf, dann treffe ich", betonte Uth nach seinem guten Saisonstart. Das wäre sowohl Hoffenheim, als auch Schalke ganz recht. Und vielleicht schaut ja sogar der Bundestrainer zu.

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