Horst Heldts Situation bei Hannover 96: Nur ein aufgeschobener Abgang?

Freitag, 19.01.2018 | 12:00 Uhr
Horst Heldt (r.) ist Sportdirektor bei Martin Kinds Hannover 96
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Horst Heldt hat in einem knappen Jahr als Sportdirektor bei Hannover 96 überzeugt. Eine Beförderung zum Geschäftsführer Sport steht bevor. Die Unruhen um den Wechselwunsch zum 1. FC Köln im November warfen jedoch die Frage auf: Ist 96 für Heldt nur Durchgangsstation und der Abgang nur aufgeschoben?

Eigentlich steht Horst Heldt nicht im Verdacht, ein kalter Fisch zu sein. Im Gegenteil: "Ich bin ein emotionaler Mensch", beschreibt sich der 48-Jährige in der Sport Bild selbst. Ein Selbstbild, für das es in der Vergangenheit immer wieder Beweise gab.

Zum Beispiel am 14. Mai 2016. Mit einem 4:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim und dem Erreichen von Platz fünf verabschiedete sich Heldt als Sportvorstand vom FC Schalke 04: "Ich wollte nicht in die Kurve", erinnert sich Heldt, "aber die Mannschaft hat mich geholt. Dann war es nicht mehr aufzuhalten. Alle Dämme brachen."

Vor der Nordkurve brach Heldt in Tränen aus. Ein emotionaler Mensch eben. "Die Verabschiedung der Schalker Fans war der emotionalste Moment in meiner Manager-Karriere. Es war die größte Anerkennung, die ich je bekommen habe, weil alles authentisch war."

Nach sechs Jahren wurde die Ehe zwischen Heldt und Schalke geschieden, bereits seit Februar war bekannt gewesen, dass Christian Heidel ihn im Sommer beerben würde.

Seinen Hauptanspruch erfüllte Heldt an diesem Samstagnachmittag in der Arena auf Schalke: "Ich habe immer gesagt: Ich will aufrecht antreten, ich will aber auch aufrecht abtreten. Das habe ich geschafft, darauf bin ich stolz."

Heldt und Breitenreiter zurück auf Schalke

Anderthalb Jahre später kommt der gebürtige Rheinländer am Sonntag (18 Uhr im LIVETICKER) zurück an den Ort seines bislang emotionalsten Moments als Manager. An der Seite von Andre Breitenreiter, der an besagtem 14. Mai 2016 ebenfalls seinen Abschied von den Königsblauen gefeiert hatte. Als Sportdirektor von Hannover 96.

Heldts gut zehn Monate bei den Niedersachsen sind bislang eine Erfolgsgeschichte.

Er übernahm den Posten am 5. März von Martin Bader und Christian Möckel, als der Klub als Dritter der 2. Liga das Ziel Aufstieg gefährdet sah.

Erfolgsgeschichte bei Hannover 96

Von Beginn traf Heldt zahlreiche wichtige und in der Retrospektive gute Entscheidungen. Nach nur zwei Wochen verpflichtete er seinen alten Weggefährten Andre Breitenreiter als Trainer. Ein Glücksgriff, denn aus den letzten fünf Spielen holte 96 elf Punkte und schaffte den direkten Wiederaufstieg.

In der Sommertransferperiode gelang es Heldt, die wichtigsten Leistungsträger zu halten und den Kader gezielt und sinnvoll zu verstärken. Pirmin Schwegler und Matthias Ostrzolek kamen ablösefrei von der TSG Hoffenheim und dem Hamburger SV, Ihlas Bebou wechselte für fünf Millionen Euro von Fortuna Düsseldorf zu 96, für Julian Korb überwies Hannover drei Millionen an Borussia Mönchengladbach. Allesamt wurden umgehend Stammspieler und haben ihren Anteil am bislang soliden Saisonverlauf, in dem die Niedersachsen 26 Punkte sammelten und nach 18 Spielen auf Rang zehn stehen - zehn Punkte vor dem Relegationsplatz.

Auch Jonathas, den Hannover für neun Millionen von Rubin Kazan loseiste, zeigte, wenn er denn fit war, dass er eine echte Verstärkung sein kann (drei Tore und drei Assists in sieben Einsätzen).

Nachdem 96 unter Vorgänger Bader vom Kurs abgekommen war, hat Heldt innerhalb kürzester Zeit mindestens dazu beigetragen, dass der Verein beachtlich da steht.

Oberflächlich, nur an Resultaten gemessen, scheint es zwischen Heldt und dem Hannoverschen Sportverein zu passen. Doch obwohl er nicht im Verdacht steht, ein kalter Fisch zu sein, wirkt das Verhältnis zu seinem Klub unterkühlt.

Heldts Flirt mit dem 1. FC Köln

Grund für diese Annahme waren Entwicklungen im November. Heldt führte Gespräche mit dem 1. FC Köln, um dort als Nachfolger von Jörg Schmadtke das Amt des Geschäftsführers Sport zu übernehmen. Alles um diese Gespräche herum hatte einen seltsamen Beigeschmack.

Zuvorderst stand die Frage, wer auf wen zugegangen war, denn da gab es verschiedene Versionen. "Das war ein ganz klarer Impuls von ihm. Das muss die Öffentlichkeit mal erfahren, damit diese Legendenbildung aufhört", echauffierte sich Kölns Geschäftsführer Alexander Wehrle. Ein Heldt-Vertrauter habe ihm gesagt: "Horst würde mit dem Fahrrad nach Köln kommen."

Heldt dementierte. Die erste Kontaktaufnahme sei weder vom Effzeh noch von ihm selbst ausgegangen, "sondern über einen Headhunter".

Nichtsdestotrotz machte der 96-Manager in einem Pressegespräch im Keller der Hannoveraner Arena keinen Hehl daraus, "dass ich mir, weil es mein Herzensverein ist, Gedanken darüber gemacht habe, wie so eine Zusammenarbeit aussehen könnte."

Kind besteht auf Heldts Vertrag

Herzensverein. Eine emotional aufgeladene Vokabel im Business Fußball. Es ist nachvollziehbar, dass Heldt sie auf den Effzeh anwendet, schließlich wurde er bei den Domstädtern zum Profi und absolvierte zwischen 1990 und 1995 130 Bundesligaspiele.

Ganz so einfach war der Wechsel mitten in der Saison allerdings nicht. Zum Business Fußball gehören nämlich auch Verträge. Der von Heldt hat eine Gültigkeit bis 2020 und Präsident Martin Kind verweigerte seinem Manager die Freigabe : "Ich finde, wir müssen die Kultur im Fußball dahingehend entwickeln, dass Verträge zu erfüllen sind. Den derzeitigen Umgang im Fußball damit halte ich für bedenklich", mahnte der Unternehmer im NDR.

Während die Kölner ihre Bemühungen um Heldt für beendet erklärten, sprach dieser noch von einer möglichen Zukunft und schränkte die Akzeptanz des Kind-Machtworts zumindest ein: "Ich habe einen Vertrag, den er erfüllt haben will. Das gilt es natürlich, erstmal zu respektieren."

Veh wird Geschäftsführer beim 1. FC Köln

Zeitlich und kommunikativ waren diese Tage von allen Seiten ein Kuddelmuddel. Am Ende verpflichtete Heldts Herzensverein Armin Veh als neuen Geschäftsführer, während er in Hannover blieb.

Kurz danach sagte Heldt, dass es ihm natürlich noch Spaß mache, zur Arbeit zu gehen. Ein echtes Bekenntnis zu 96 war das nicht. Und schon gar keine Liebeserklärung.

"Wir werden trotzdem zusammen mit Horst Heldt die Verantwortung annehmen und gemeinsam die Zukunft von Hannover 96 gestalten", ordnete Kind die Gemengelage ein.

Die Fronten sind geklärt. Vorerst. Und Heldt könnte trotz der Irritationen als Gewinner aus der Sache herausgehen, denn dem Vernehmen nach wird der 48-Jährige noch Anfang des Jahres zum Geschäftsführer Sport befördert. In dieser Position hätte er künftig mehr Spielraum und bis zu einer Grenze nicht mehr die Pflicht, sich Transfers absegnen lassen. Die kolportierten Differenzen über die Einflussnahme des mächtigen Aufsichtsratsmitglieds Martin Andermatt sind angeblich ausgeräumt.

Hannovers Streit mit den Fans

Neben Transfers steht auf Heldts Agenda für die Hannoveraner Zukunft die Lösungsfindung im Streit mit den Fans. Wegen der geplanten Übernahme der Mehrheitsanteile durch Martin Kind, sollte die 50+1-Regel fallen, existieren tiefe Gräben innerhalb des Klubs. Teile der Anhänger ziehen seit Monaten einen Stimmungsboykott durch.

Anspruchsvolle Ziele für den Geschäftsführer Sport, aber auch für den Verein. Ziele, für die eine gegenseitige Vertrauensbasis nötig ist.

Trotz der gegenseitigen Vertrauensbekundungen darf zumindest bezweifelt werden, dass die Bindung zwischen Heldt und 96 eine richtig enge ist. Nicht umsonst hatte er davon gesprochen, Kinds Ansage "erstmal" respektieren zu wollen.

Ja, Heldt kann die Zweifler Lügen strafen. Ob ein Angestellter, der einmal so deutlich den Wunsch eines Firmenwechsels geäußert hat, aber nicht womöglich bei der nächsten reizvollen Offerte von außen wackeln wird, ist zumindest eine diskutierbare Annahme.

Womöglich ist das Ende der Ära Heldt in Hannover nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Dass in Köln am Mittwoch die Trennung von Sportdirektor Jörg Jakobs bekannt gegeben wurde und der Sportdirektor-Posten an der Seite von Heldt-Intimus Veh vakant ist, dürfte die Spekulationen um eine baldige Wiedervereinigung der Stuttgarter Meisterhelden von 2007 jedenfalls nicht beenden...

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