Der Fall Embolo

Von Oliver Wittenburg
Breel Embolo ist nach langer Verletzungspause noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte
© getty

Eine Kurzmeldung am Montagmorgen über die vermeintliche Kritik von Schalke-Trainer Domenico Tedesco an Stürmer Breel Embolo hat unter unseren Lesern für großes Aufsehen gesorgt und SPOX jede Menge tatsächliche Kritik eingebracht. Und womit? Mit Recht.

Liebe User,

mit einem Editorial der etwas anderen Art wenden wir uns diesmal an Euch. Es geht nicht um ein neues Feature, die Vorstellung einer Themenwoche oder die Premiere des Rap Battle in dieser Woche, sondern um Eure vehemente Reaktion auf eine Kurzmeldung vom Montagmorgen.

In dieser ging es um die vermeintlich "vernichtende Kritik" von Schalkes Trainer Domenico Tedesco an Stürmer Breel Embolo.

Der Veröffentlichung der Meldung folgte über den Tag verteilt ein wahrer Shitstorm von Vorwürfen an uns, die allesamt den Tenor hatten: Ihr habt Zitate aus dem Kontext gerissen, dadurch eine Begebenheit verfälscht dargestellt und - als Krönung! - das Ganze durch einen reißerischen Teaser noch besonders grell inszeniert.

Das Dumme und gleichzeitig Beschämende an der Sache für uns ist: Ihr habt Recht!

Tedescos Aussagen - "Zu Embolo ist alles gesagt" und er sei im Pokal "nach acht Minuten platt gewesen" - sind genauso auf der Schalker Pressekonferenz am Samstag nach dem Spiel gegen Wolfsburg gefallen, nur haben wir sie aus dem Zusammenhang genommen und dadurch den eigentlichen Inhalt von Tedescos abschließender Antwort auf die Frage eines Journalisten, warum er Embolo in der Schlussphase gegen den VfL nicht eingewechselt habe, nicht richtig eingeordnet.

Herausgekommen ist die News-Schlagzeile: "Tedesco äußert vernichtende Kritik an Embolo".

Wir haben bei der Erstellung dieser Nachricht unsere journalistische Sorgfaltspflicht vernachlässigt und etwas getan, was uns selbst am meisten wurmt: verdammt schlampig und nachlässig gearbeitet.

Das zuzugeben, ist wirklich nicht leicht, weil uns so etwas selbstredend nicht passieren darf, und - Plattitüde hin oder her! - uns selbst womöglich mindestens so ärgert wie Euch.

Tedesco über Embolo: "Er ist in einem Loch"

Wenn man sich Tedescos gesamte Antwort vor Augen führt, seinen Gesichtsausdruck und seine Sprechweise dabei berücksichtigt ergibt sich folgende "Story":

Tedesco will eigentlich gar nicht über Embolo sprechen und erklärt, dass es auch nicht im Sinne des Spielers sei, "ein Fass aufzumachen". Stattdessen verwies er auf seine Maxime, "mit allem, was wir haben, [...], junge Spieler zu entwickeln und zu fördern."

Und dann hat er noch Folgendes gesagt, was - selbst wenn das inzwischen berühmte "nach-8-Minuten-platt"-Zitat fällt - nicht anderes bedeutet, als dass er durchaus besorgt ist um die körperlich nicht einwandfreie Verfassung des Spielers, aber alles daransetzen werde und dabei geduldig sein wolle, Embolo aus seinem Formtief zu holen.

Oder wörtlich: "Breel war im Pokalspiel nach acht Minuten platt, als er reinkam. Das haben sie auch gesehen. Er ist nicht in der Lage, eine gewisse Intensität zu gehen, das ist auch sein eigenes Feedback. Da setze ich mir auch ein Stück weit selbst den Hut auf. Vielleicht kam das Leverkusen-Spiel zu früh. Ich bin keiner, der sagt: Ich mache immer alles richtig, ganz im Gegenteil. Das Leverkusen-Spiel hat Begehrlichkeiten bei den Fans und auch bei ihm geweckt, aber er ist Stand heute nicht so weit. Er ist in einem Loch. Und wir sind die letzten, die ihn da drin lassen wollen. Wir wollen ihn mit Lastwagen und Bussen da rausholen und das schaffen wir auch, wenn wir geduldig und fleißig bleiben."

So in etwa hätte eine Meldung zu Tedescos Aussagen über Embolo aussehen müssen, und es tut uns gegenüber Euch Lesern, aber auch gegenüber den erwähnten Personen leid, dass es anders gekommen ist.

Dass es so kam, ist ein Fehler, den wir nicht ungeschehen machen können, für den wir aber Verantwortung übernehmen, was wir mit dieser etwas anderen Richtigstellung tun möchten.

Eure SPOX-Chefredaktion

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