Zurück auf der Suche nach der Zukunft

Dienstag, 12.09.2017 | 09:00 Uhr
Welche Rolle wird Hasan Salihamidzic (l.) in Zukunft beim FC Bayern spielen?
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Das Interview von Robert Lewandowski hat für Diskussionen rund um den FC Bayern gesorgt. Dabei sind die eigentlichen Aufgaben des Führungsduos Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge ganz andere. Die sportliche Konkurrenzfähigkeit der Bayern im internationalen Vergleich wird nicht davon abhängen, ob sie 40 oder 100 Millionen Euro für einen Spieler ausgeben.

Schon lange hat kein Interview beim FC Bayern für so große Aufregung gesorgt, wie das Spiegel-Gespräch von Robert Lewandowski. Das liegt zum einen daran, dass Fußballer-Interviews heutzutage nur noch selten abseits der üblichen Phrasen funktionieren. Und zum anderen daran, dass nur selten der Berater, der sein ganz eigenes Interesse im Sinn hat, so deutlich am Drehbuch der Geschichte mitschreibt.

Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß dürften nicht ganz Unrecht haben, wenn sie Maik Barthel, Lewandowskis Agenten, als Strippenzieher dieses Interviews sehen. Schließlich ist das Spielchen in Deutschland seit Lewandowskis Dortmunder Tagen bekannt. Das Gute für die Münchner: auf Lewandowskis Leistung hat sich dieser Umstand beim BVB nie ausgewirkt. Das Schlechte: Barthel wird damit wohl nie aufhören.

Die Vergleiche zu Philipp Lahms Interview in der Süddeutschen Zeitung 2009 waren natürlich schnell bei der Hand, zumal auch damals ein an der Säbener Straße nicht gern gesehener Berater, Roman Grill, seine Finger im Spiel hatte und das Interview wie das von Lewandowski am Verein vorbei organisiert wurde.

Lewandowskis Kernaussagen nicht so brisant

Die Dimension und die Sprengkraft der Lahm'schen Aussagen hat das Lewandowski-Interview aber bei weitem nicht. Während Lahm den Verantwortlichen expressis verbis eine fehlende Philosophie unter die Nase rieb, hat sich Lewandowski eher auf eine Beschreibung des Ist-Zustandes beschränkt. Der Interpretationsspielraum ist dadurch aber größer.

Die Kernaussagen: Der FC Bayern hat noch nie mehr als rund 40 Millionen Euro für einen Spieler ausgegeben. Stimmt. Das ist international nur Durchschnitt. Stimmt. Die Bayern werden sich etwas einfallen lassen müssen, um Weltklassespieler nach München zu holen. Stimmt auch, haben Rummenigge und Hoeneß selbst schon gesagt. Viel mehr ist dann auch nicht, was als Kritik am Verein interpretiert werden kann.

Rummenigge stufte die Aussagen des Polen offensichtlich trotzdem als Angriff auf die Führungsetage sowie auf manche Spieler ein und holte zum Gegenschlag aus. Hoeneß sah das Thema nach Lektüre des gesamten Interviews deutlich entspannter. Die Gelassenheit des Präsidenten klang ziemlich glaubhaft.

Durchschnittliche Ablöse, außergewöhnliche Spieler

Vor zwei Monaten hat schon mal ein Spieler des FC Bayern ein Interview zu diesem Thema gegeben: "Es gibt so viele Spieler mit großen Talenten, die noch zu entdecken sind und die nicht diese Unmengen an Geld kosten. Das ist eben der Weg des FC Bayern: einen Spieler verpflichten und ihn formen. So war es immer, das habe ich an diesem Verein schon in Spanien immer bewundert." Absender: Thiago Alcantara.

Es ist ein wichtiger Punkt bei dieser 100-Millionen-Euro-Transfer-Debatte und bei der ständigen Frage, ob die Bayern diesem Trend folgen müssen, dass die Höhe der Ablösesumme nicht alles über die Qualität eines Spielers aussagt.

Viel wichtiger ist die Frage, wie es den Bayern weiterhin gelingt, mit durchschnittlichen Transferausgaben außergewöhnliche Spieler zu holen (Martinez, Hummels, Thiago), als dass sie mit außergewöhnlichen Transferausgaben durchschnittliche Spieler verpflichten, wie das in der Premier League zu oft der Fall ist.

Der Weg des FC Bayern

Der FC Bayern hat im Sommer in höchster Ebene genau über diese Thematik nachgedacht, das führte zu Hoeneß' Granaten-Aussage und den wochenlangen Spekulationen. Die Grundsatzentscheidung fiel aber anders aus. Der FC Bayern will seinen eigenen Weg gehen im Kampf mit den anderen internationalen Schwergewichten wie Real Madrid, Barcelona oder Paris.

Der Verein hat das Potenzial, die Strahlkraft und die Infrastruktur, um weiter mit diesen Mannschaften zu konkurrieren. Dazu müssen die Bayern aber beispielsweise im Scouting und in der Nachwuchsförderung besser sein als andere. Das ist bisher nicht der Fall.

Die entscheidenden Fragen, die dahinter stehen, sind also größer als die unterschiedlichen Ansichten, ob man für einen Spieler 100 Millionen Euro ausgeben soll oder nicht. Und hier ist der sportliche Bereich bei all der Internationalisierungs- und Kommerzialisierungsthematik nur ein Ausriss.

Die Personalfragen von 2009

Rummenigge, aber vor allem Hoeneß haben in den letzten knapp zehn Jahren auf diesem Gebiet Sisyphos-Arbeit geleistet. Sie haben den Stein so lange den Berg hinauf geschoben und ihn dann teilweise gewollt, teilweise ungewollt wieder hinunter rollen lassen, so dass sie jetzt wieder am Anfang stehen.

Am Anfang auf der Suche nach der personellen Zukunft des Vereins und ihren persönlichen Erben. Hoeneß hat dieses Thema schon bei seinem Abschied vom Posten des Managers umgetrieben. "Ich habe viele Bekannte, mittelständische Unternehmen, die nicht rechtzeitig ihre Nachfolge geregelt haben. Ich habe mir immer geschworen, das anders zu machen", sagte er im November 2009.

Gelungen ist ihm das nicht. Damals sollte Christian Nerlinger die Aufgabe übernehmen, er wurde später durch Matthias Sammer ersetzt.

Mit Sammer als Sportvorstand, Pep Guardiola als Trainer und Michael Reschke als Technischem Direktor schienen die sportlichen Geschicke in sehr guten Händen. Dass dieses Trio Geschichte ist, hat unterschiedliche Gründe, scheint in der Draufsicht aber das größte Problem.

Was wird aus Carlo Ancelotti?

Mit Hasan Salihamidzic startet Hoeneß seinen nächsten Versuch. Seine ersten Schritte als Sportdirektor in der Öffentlichkeit waren positiv ausgedrückt unglücklich, aber Hoeneß verteidigt ihn bei jeder Gelegenheit, er will ihn als starken Mann positionieren.

Eher kurz- als mittelfristig brauchen die Bayern fachkräftiges Personal, um den eingeschlagenen Weg und die kommunizierte Alternativ-Philosophie dauerhaft erfolgreich zu bestreiten. Dieser Kurs wird über kurz oder lang auch die Diskussion um Trainer Carlo Ancelotti anwachsen lassen. Der Italiener hat zwar die Aufgabe, den Umbruch einzuleiten und junge Spieler zu fördern, seine größten Stärken hat er aber als Führungsfigur einer Startruppe.

Ancelottis Vertrag läuft noch bis Juni 2019, eine Vertragsverlängerung scheint im Moment für beide Seiten nicht gerade attraktiv. Ancelottis Nachfolger wird andere Qualitäten mitbringen müssen. Er wird taktisch flexibler, personell variabler und den Talenten gegenüber aufgeschlossener sein müssen. Der deutsche Trainermarkt bietet aber gerade einige gute Alternativen.

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