"Dann brauchen wir keinen Videobeweis"

SID
Rudi Völler brachte eine Entscheidung beim Spiel gegen Hoffenheim in Rage
© getty

Gerechtigkeitsfanatiker Rudi Völler fühlte sich um den Sieg betrogen und schlüpfte wieder einmal in die Rolle des Wutbürgers. "Das war ein klares Foul, da sind die wohl in Köln vor dem Fernseher eingeschlafen. Dann brauchen wir keinen Videobeweis, wenn eine solche Szene nicht gesehen wird", wetterte der Sportchef von Bayer Leverkusen.

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Der 57-Jährige war überzeugt, dass dem Treffer von Mark Uth (70.) zum 2:2 (1:0)-Endstand gegen 1899 Hoffenheim ein Foulspiel an Leverkusens Benjamin Henrichs vorausgegangen war.

Der Unparteiische Harm Osmers (Hannover) fragte zwar nach Uths Treffer nochmals beim Video-Assistenten im Sendezentrum in Köln nach, doch dieser gab ebenfalls grünes Licht für das Tor zum schmeichelhaften Ausgleich für die Kraichgauer, die nach dem 2:4 drei Tage zuvor an der Anfield Road beim FC Liverpool im Play-off-Rückspiel zur Champions League sehr glücklich den vierten Bundesliga-Saisonpunkt einheimsten.

1899-Coach Julian Nagelsmann vertrat dagegen die Meinung: "Henrichs hätte noch weiterlaufen können. Ich sehe keinen Grund, dieses Tor nicht zu geben." Der neue Bayer-Trainer Heiko Herrlich sprach indes von einem "irregulären Tor" und berief sich auf seine Unterredung mit Henrichs, der ihm von einer Berührung im Zweikampf berichtet hatte.

Leverkusen mit schlechter Chancenverwertung

Wahrscheinlich hätte Völler bei weitem nicht so verärgert reagiert, wenn nicht Leverkusen gleich zu Saisonbeginn selbst vom Videobeweis betroffen gewesen wäre. Vor einer Woche erhöhten die Bayern durch Robert Lewandowskis Strafstoß auf 3:0, nachdem das Foul von Charles Aránguiz im Strafraum am Polen erst vom Video-Assistenten auf Rückfrage bestätigt worden war.

Doch gegen Hoffenheim war wieder einmal die schlechte Chancenverwertung von Bayer vor allem schuld an der Punkteteilung. Schon bei den Bayern war die fehlende Entschlossenheit im Torabschluss entscheidend für die Auftakt-Niederlage (1:3) gewesen. Auch in der Allianz Arena war dem Werksklub eine couragierte Leistung bescheinigt worden, ähnlich war es gegen die Hoffenheimer.

Herrlich: "Haben absolut dominiert"

Doch statt 3:0 lagen die Herrlich-Schützlinge zur Pause gegen die TSG nur 1:0 in Front. Immerhin zeigte Bayer mal wieder Ballstafetten und Kombinationsspiel, das schon lange nicht mehr in der BayArena zu bewundern gewesen war. "Wir haben absolut dominiert", analysierte Herrlich treffend, trotzdem reichte es nicht zum Sieg.

Vor 27.106 Fans führten die stark spielenden Werkskicker durch Wendell (32., Foulelfmeter) und Karim Bellarabi (49.) zweimal, doch die Gäste schafften trotz der Belastung durch das Liverpool-Match glücklich zweimal den Ausgleich durch Andrej Kramaric (47.) und das umstrittene Tor von Uth. "Wir haben Moral gezeigt", sagte 1899-Mittelstürmer Sandro Wagner, "deswegen geht der Punktgewinn in Ordnung." Coach Nagelsmann, der gleich fünf neue Spieler gegenüber dem Liverpool-Match in die Startformation rotiert hatte, sah es ähnlich: "Es ist zwar ein glücklicher Punkt, aber den nehmen wir gerne mit."

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