Fussball

Bayer schenkt B-Lösung Herrlich das Vertrauen

SID
Heiko Herrlich kehrt 24 Jahre nach seiner aktiven Zeit zu Bayer Leverkusen zurück

Kein Tuchel, kein Bosz, kein Wagner: Die kleine Trainerlösung Heiko Herrlich soll Bayer Leverkusen in der neuen Saison zurück nach Europa führen. Der bisherige Coach des Zweitliga-Aufsteigers Jahn Regensburg erhält bei der Werkself einen Vertrag bis 2019.

Für den ehemaligen Bayer-Profi Heiko Herrlich ist der Job in Leverkusen nicht nur eine unverhoffte zweite Trainer-Chance im Oberhaus, sondern auch eine emotionale Rückkehr nach 24 Jahren.

"Es fühlt sich ein bisschen an, wie nach Hause zu kommen. Den Zeugwart, der heute 82 Jahre ist, kenne ich schon von früher", sagte Herrlich, der ab 1989 vier Jahre unter dem Bayer-Kreuz gespielt und 1993 den DFB-Pokal gewonnen hatte, bei seiner Vorstellung am Freitagmittag.

Es sei "eine große Verantwortung, für einen so großen Verein zu arbeiten. Wir werden alles dafür tun, nächstes Jahr ein besseres Ergebnis zu erzielen", erklärte der 45-Jährige weiter und fügte forsch an: "Nach oben sind keine Grenzen gesetzt."

Rudi Völler: Herrlich "brennt"

Bayer-Sportdirektor Rudi Völler lobte die Überraschungslösung Herrlich als einen Trainer, "der brennt. Er will erfolgreichen Fußball spielen, aggressiven Fußball. Ich bin überzeugt, dass er unsere Spieler weiterentwickeln wird."

Mit Regenburg zweimal in Folge aufzusteigen, sei schlicht "beeindruckend", bekannte Völler. Dass der Sportchef allerdings zunächst größere Namen für die Nachfolge von Tayfun Korkut im Kopf hatte, verhehlte der Weltmeister von 1990 nicht.

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"Es gab zwei Trainer, an denen wir sehr großes Interesse hatten", sagte Völler - und meinte damit wohl Thomas Tuchel, der vor Wochenfrist bei Borussia Dortmund entlassen wurde, und den Niederländer Peter Bosz, der beim Pokalsieger das Tuchel-Erbe antritt.

Internationaler Wettbewerb ist das Ziel

Viele Fehler erlauben darf sich der frühere Bochum-Coach Herrlich, der nach 2598 Tagen wieder auf die Bank eines Erstligisten zurückkehrt, nicht. Völler ließ keinen Zweifel daran, dass für Bayer eine erneute Saison im grauen Mittelmaß verboten ist: "Letztes Jahr war ein Ausrutscher. Unser Ziel ist ganz klar, international wieder dabei zu sein."

Der fünfmalige Nationalspieler Herrlich, der sich 2000 nach einer Tumordiagnose wieder auf den Fußballplatz zurückgekämpft hatte, muss in Leverkusen auch alte Vorurteile widerlegen.

In der Saison 2009/10 gab der gebürtige Mannheimer ein überaus unglückliches Gastspiel auf der Bochumer Bank, beim späteren Absteiger wurde Herrlich am 29. April 2010 infolge einer Spielerrevolte nach sechsmonatiger Amtszeit entlassen.

Joachim Löw lobt Herrlich

Europacup-Dauergast Leverkusen hatte die abgelaufene Saison auf dem enttäuschenden zwölften Platz beendet und damit erstmals seit acht Jahren die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb verpasst. Dass mit Herrlich die Ergebnisse wieder stimmen werden, glaubt niemand geringerer als der Bundestrainer.

"Er war beim DFB, hat im U-Bereich sehr gute Arbeit geleistet. Er hat eine gewisse Erfahrung gesammelt. Er kann zu Leverkusen sehr gut passen", sagte Joachim Löw am Freitag auf der parallel stattfindenden DFB-PK.

Herrlich hatte am 30. Mai den Underdog Jahn Regensburg in der Relegation gegen Traditionsklub 1860 München etwas überraschend in die 2. Liga geführt. Beim SSV stand der 45-Jährige noch bis 2018 unter Vertrag.

Vor dem Relegationsrückspiel gegen 1860 München vor zweieinhalb Wochen hatte Herrlich noch erklärt, "auf jeden Fall" Jahn-Trainer zu bleiben.

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