Zentrale taktische Punkte vor Dortmund vs. Hoffenheim

Das attraktivste Spiel der Liga?

Freitag, 05.05.2017 | 12:00 Uhr
Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel - wer qualifiziert sich direkt für die Champions League?
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Borussia Dortmund trifft im direkten Duell um Platz drei und die direkte Champions-League-Qualifikation auf die TSG 1899 Hoffenheim (Sa., 15.30 Uhr im LIVETICKER). Das Duell verspricht guten Fußball. SPOX wirft im Vorfeld einen Blick auf die zentralen taktischen Punkte der Partie.

Borussia Dortmund gegen die TSG 1899 Hoffenheim, Thomas Tuchel gegen Julian Nagelsmann. Kein anderes Duell der Bundesliga dürfte derart mit Taktik in Verbindung gebracht werden wie das Spiel zwischen Rang drei und Rang vier am Samstagnachmittag.

Einst arbeiteten Tuchel und Nagelsmann zusammen, inzwischen stehen sie sich als Gegner in Deutschlands höchster Spielklasse gegenüber und kämpfen um die direkte Qualifikation zur Champions League. Doch wie sieht es eigentlich aus im direkten Duell? Worauf müssen sich beide Mannschaften gefasst machen?

Die Zuschauer im Signal Iduna Park dürfen ohne Frage mit einem attraktiven, schnellen und vor allem hochwertigen Spiel rechnen. "Du kannst dich ganz tief hinten reinstellen oder sie ganz früh attackieren, damit sie weit wegbleiben von unserem Tor", hatte Nagelsmann schon vor dem Hinspiel anerkannt.

Viele Wege führen zur Dreierkette

Dieses endete 2:2 und liefert für das Rückspiel manche Erkenntnis. Die TSG wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut in einem 5-3-2 auftreten und dabei konsequent das Zentrum verstellen, um den Gegner auf die Außenbahn zu schieben und dort dann Richtung Seitenaus zu drängen.

Wie dieser kompakte Block bespielt wird, dürfte die erste Frage für Tuchel sein. In seinen bisherigen Duellen mit Nagelsmann setzte er dabei stets auf eine Dreierkette, welche allerdings aus einer Grundordnung mit Viererkette hergestellt wurde. Dementsprechend wurde die erste Reihe entweder über einen tief bleibenden Außenverteidiger hergestellt oder aber durch den zurückfallenden Julian Weigl.

Beide Möglichkeiten sind auch am Samstag wieder möglich - zuletzt stellte Tuchel aber von der Außenverteidiger-Variante auf die Weigl-Variante um. Der Grund liegt wiederum in der Defensivordnung seines Gegners. Die TSG formiert in ihrem 5-3-2 im 3-2 ein Fünfeck, das die gegnerischen Sechser gefangen hält. Bleibt Weigl in diesem Fünfeck, ist er für den BVB praktisch nicht erreichbar.

Doppelbesetzung der Flügel?

Fällt er jedoch entgegen, entfaltet die Zentrumssperre auf andere Art ihre gewünschte Wirkung: Der Ball in die Tiefe kann eigentlich nur noch über die Außen gespielt werden. Dort versuchte Tuchel im Hinspiel, eine mögliche Schwachstelle der TSG zu bespielen. Durch das 5-3-2 ist der Flügel nur einfach besetzt. Tuchel schob seinen Außenverteidiger hoch und besetzte die rechte Seite mit Ousmane Dembele und Christian Pulisic.

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Dembele hielt sich dabei vor allem im rechten Halbraum auf, Pulisic nahm den Flügel. Wurde der Außenverteidiger angespielt, ging Hoffenheim ins Pressing über, der linke zentrale Mittelfeldspieler rückte heraus. Pulisic startete in die Tiefe und wurde vom linken Flügelläufer aufgenommen. Das schuf Raum für Dembele. Dieser wurde allerdings in aller Regel vom herausrückenden linken Halbverteidiger Hoffenheims am Aufdrehen gehindert.

Hoffenheim stellte hier aus seiner Fünferkette schnell eine Viererkette her. Jeremy Toljan verfolgte Pulisic, Benjamin Hübner rückte auf Dembele heraus, Kevin Vogt und Niklas Süle schützten den Strafraum, Pavel Kaderabek rückte ein. Grundsätzlich bleibt der Raum vor dem linken Halbverteidiger aber gefährlich, wenn der Ball vom Flügel hereinkommt. Das 1:1 im Hinspiel fiel nach einem Dribbling Dembeles durch exakt diesen freien Platz.

Die linke Acht zu vergeben

Auf der linken Seite versuchten Marco Reus und Pierre-Emerick Aubameyang ein etwas klassischeres Spiel. Mit Mario Götze setzte Tuchel einen ballsicheren, offensiven linken Achter ein, der sich stets außerhalb des TSG-Fünfecks hielt. Er blieb im Rücken der Mittelfeldspieler und bot sich damit für ein Zuspiel in die Tiefe an. Insgesamt strahlte die rechte Seite aber mehr Gefahr aus.

Wie Götze im Rückspiel ersetzt wird, ist angesichts der enormen Möglichkeiten im Kader schwer zu prophezeien. Shinji Kagawa zeigte sich zuletzt in guter Verfassung und könnte als Nadelspieler gegen Hoffenheims Kompaktheit durchaus Wirkung entfalten. Raphael Guerreiro und Gonzalo Castro sind ebenso Optionen, die eine etwas andere Spielanlage mitbringen.

So oder so wird Dortmund die TSG letztlich über den Flügel knacken müssen. Gegen das 5-3-2 von Nagelsmann ist ein Spiel durch die Mitte kaum möglich. Wenige Szenen ergaben sich, wenn das Pressing der Hoffenheimer ausgelöst wurde und man anschließend über Weigl drehte. Der Nationalspieler profitierte hierbei von der Defensivbeteiligung des ballnahen Stürmers.

Halbverteidiger stoßen vor

Das Schöne an der anstehenden Partie in Dortmund ist, dass auch Hoffenheim durchaus Ambitionen mit Ball hat. Die Gäste werden sich weder verschanzen, noch ausschließlich auf schnelle Gegenangriffe vertrauen. Unter Nagelsmann ist die TSG sicher im Aufbau und sucht mit deutlich erkennbaren Prinzipien die Anbindung von erster Aufbaureihe bis hin zu den Stürmern.

Auch gegen das aggressive Pressing Dortmunds wird 1899 den Ball in den eigenen Reihen sichern. Mit dem sicheren Oliver Baumann und einer Dreierkette im Aufbau davor wird eine Raute hergestellt, die Druck auflösen kann und eine sichere Ballzirkulation gewährleistet. Nagelsmann hält sich dabei wenig mit Querbällen auf, vielmehr stoßen seine Verteidiger gerne mit Ball am Fuß etwas vor, sobald sie Platz sehen.

Die restliche Mannschaft versucht sich bei einem derartigen Vorstoß in der Tiefe stets anzupassen. Dazu gehören viele Wechselbewegungen der Mittelfeldspieler und der Stürmer. Kurz und lang, entgegen und diagonal weg sind typische Laufwege der Mittelfeldspieler, sobald einer der Halbverteidiger in Ballbesitz einige Schritte macht. Der flache Ball in die Gasse durch den Halbraum ist gerne gesehen.

Stetige Wechselbewegungen

Dabei fächert Hoffenheim extrem weit auf. In einem 3-2-3-2 oder 3-1-4-2 befinden sich die Flügelläufer auf der vorletzten Linie und halten die Breite fest. Damit wird das Zentrum nach Möglichkeit geöffnet und diagonale Bälle durch das Mittelfeld ermöglicht. Besonders Rudy gefällt hier in seiner zentralen Rolle, von der aus er immer mehrere Möglichkeiten zu einem Pass in die Tiefe hat.

Das ist zumindest die Theorie. In der Praxis vermochte es der BVB jedoch immer wieder, den Spielaufbau entscheidend zu stören und Baumann zu langen Bällen zu zwingen. Da bei einem hohen Pressing allerdings auch die eigene Abwehr herausrücken muss, um Lücken zu schließen, nutzte die TSG hohe Zuspiele in den Lauf seiner Stürmer und erzielte damit unter anderem im Hinspiel die frühe Führung.

Hier zeigte sich erneut der Fokus der Hoffenheimer auf gegenseitige Wechselbewegungen. Ein Stürmer kommt tief, ein Mittelfeldspieler stößt in den Raum hinter ihm. Sandro Wagner kam in diesem Fall entgegen, Mark Uth startete hinter den verfolgenden Sven Bender und ging alleine auf Roman Bürki zu. Wagner stellte ohnehin im Hinspiel eine entscheidende Rolle dar.

Wagner macht Bälle fest

Der kantige Mittelstürmer fiel vermehrt Richtung linkes Seitenaus und konnte dort einige hohe Zuspiele festmachen. Diese wurden schließlich weitergeleitet und konnten damit das Pressing Dortmunds aufbrechen. Das flexible Zusammenspiel beider Stürmer mit den offensiven Mittelfeldspielern zeichnet Hoffenheim aus und wird gerade gegen das Anlaufen der Borussia zu Chancen führen.

Somit haben letztlich beide Teams gute Möglichkeiten, mit ihrem bevorzugten Spiel Chancen zu kreieren. Hoffenheim wird das Zentrum versperren, der BVB wird einen Weg suchen, die TSG über die Flügel zu knacken. Das kann über Dembele funktionieren, das kann aber auch über ein gezieltes Öffnen und Suchen der Achter hinter dem gegnerischen Defensiv-Fünfeck laufen.

Die TSG dagegen wird alles daran setzen, das Zentrum zu öffnen und dort Wege zu finden. Die größte Schwierigkeit stellt sich dabei darin, den hohen Druck in erster Linie über Baumann und die Dreierkette aufzulösen, um anschließend die entstehenden Lücken zu nutzen. Sollte das nicht funktionieren, bleibt die Option, mit langen Bällen Wagner zu suchen, weiter möglich.

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