Leipzig und Hoffenheim sind überschätzt

Von SPOX
Montag, 13.02.2017 | 16:50 Uhr
Tiefe Enttäuschung bei den Hoffenheimern Demirbay und Süle sowie Leipzigs Bulli
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Der 20. Spieltag beweist: Das Märchen vom spannenden Titelrennen ist... nun ja... ein Märchen. Durch ist das Ding. Glückwunsch, FC Bayern. Außerdem beweist er, dass Hoffenheim und Leipzig gar nicht mal so gut sind und der BVB den Jugendwahn übertreibt. Sonst? Wir machen uns Sorgen um Werder und wundern uns über den HSV.

Klarstellung: Der "Spieltag in Zahlen" distanziert sich natürlich keineswegs von den Behauptungen der vergangenen Wochen, niemand außer Hoffenheim bzw. Frankfurt könne deutscher Meister werden, sondern fragt vielmehr: Welche Behauptungen? Die Bayern holen natürlich die Schale, weil die Saison für eine Gladbacher oder Hamburger Aufholjagd ein bisschen zu kurz ist. Das wird man ja wohl kapieren können!

Einfach schlecht: Es ist mal an der Zeit mit dieser völlig unreflektierten Nagelsmann- und Hasenhüttl-Abfeierei aufzuhören. Hoffenheim und Leipzig sind überschätzt. Punkt. Sieht man doch! Beispiel Hoffe: Zum achten Mal in dieser Saison hat man es nicht geschafft, nach einer Führung zu gewinnen. In Wolfsburg! Oder anders: Nach eigener Führung hat Hoffenheim 18 Punkte verspielt (6 x remis, 2 Niederlagen), soviel wie niemand sonst. Oder noch anders: Mit 18 Punkten mehr stünde man 3 Punkte vor den Bayern!!! Noch viel schlimmer ist aber dieses Leipzig. Am Samstag stellten die "Roten Bullen" gleich mehrere historische Minusleistungen auf: Erste Heimniederlage in der Bundesliga-Geschichte. Erstmals mehr als zwei Tore im eigenen Stadion kassiert. Erstmals in Halbzeit 1 im eigenen Stadion keinen Schuss aufs gegnerische Tor gebracht. Gegen den HSV!

Schlussfolgerung: Also hört mir auf mit Nagelsmann hier, Hasenhüttl da!

Wo wir gerade dabei sind: Auch der Herr Tuchel wird ja gerne geheipt, wie das auf Neudeutsch heißt. Beim Spiel in Darmstadt hat er mal wieder irgendeine Bestmarke in Sachen "jüngste Elf ever" oder so knapp überboten, angekratzt oder verfehlt. Geschenkt. Jedenfalls übertreibt er's ein wenig, oder? Mit Dzeniz Burnic ohne Not mal eben einen 18-Jährigen in der Startelf debütieren zu lassen und am Ende eine Truppe auf dem Platz zu haben, die Darmstadt 98 (!) in Sachen Bundesliga-Erfahrung unterlegen ist (822:865 Spiele), muss ja nicht sein.

Apropos Darmstadt: Nach elf Spielen ohne Sieg hat's endlich mal wieder mit einem Dreier für die Lilien geklappt. Für Torsten Frings war's der erste als BuLi-Cheftrainer. Die Gründe: Darmstadts alte Herren (30 Jahre und 56 Tage im Schnitt) gewannen mehr Zweikämpfe als Dortmunds Krabbelgruppe (56 Prozent), liefen fast fünf Kilometer mehr (116,8 zu 112,1) und - nicht zu verachten - schossen ein Tor mehr (2-1).

Ich glaub's nicht: Man soll ja nicht alles glauben, was einem gesagt wird, aber bei Statistiken, die unter Zuhilfenahme modernster Computertechnik erstellt wurden... wie könnte man zweifeln? Folgendes also ist zwar irgendwie schwer zu glauben, nichtsdestoweniger aber korrekt: Der FC Bayern München ist das erste Team der Bundesliga-Geschichte, dass seine ersten beiden Treffer einer Partie nach der 89. Minute erzielt hat.

Oha! Ein kleiner Nachtrag zum 2:0 der Bayern in Ingolstadt: Der FCI begann die Partie mit elf Spielern aus elf verschiedenen Nationen. Vertreten waren (in alphabetischer Reihenfolge): Australien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Israel, Kamerun, Kongo, Österreich, Paraguay, Schweiz, USA.

Böse Vorahnung: Werder muss allmählich wirklich aufpassen. Alle vier Spiele in 2017 gingen verloren und beim 0:1 gegen Gladbach gab es nicht allzu viel (oder eher: gar nichts) Hübsches zu sehen. Letztmals 1980 hat Werder die ersten vier Bundesligaspiele des Jahres verloren. Und was passierte damals? Na was? Werder stieg ab. So schaut's aus. Ein Trost: Damals gab's deutlich fiesere Resultate als jetzt. 0:2 gegen Uerdingen, 4:6 gegen 1860 München (kein Scheiß!), 0:5 in Dortmund, 1:5 in Stuttgart. Verglichen damit sieht's doch gar nicht so mies aus...

Bleiben wir im Norden: Anders als die Bremer Nachbarn eskaliert der HSV gerade ganz gehörig: 1:0 gegen Leverkusen, 2:0 gegen Köln (im Pokal), 3:0 in Leipzig. Wer diese Ergebnisse im Vorfeld dieser Hammerwoche prognostiziert hätte, er hätte richtig gelegen, soviel ist mal sicher. Ja, was soll man zum HSV sagen? Er hat sich jedenfalls den alarmierenden Unzulänglichkeitsbericht zur ersten Saisonhälfte zu Herzen genommen. Jetzt läuft's: Als erstes Team in der Geschichte der Liga hat er bei RB Leipzig gewonnen und erstmals seit über acht Jahren drei Zu-Null-Pflichtspielsiege in Folge gefeiert (damals: 2:0 Bochum im Pokal, 1:0 Gladbach in der Liga, 2:0 Unirea Urziceni in der EL). Und noch was: Der HSV ist jetzt im siebten Februar-Spiel in Folge ungeschlagen.

Statistik des Grauens: Dass Ballbesitz und Passquoten überschätzt werden, weiß jedes Kind. Was der HSV aber in dieser Hinsicht in Leipzig veranstaltete, grenzte an Nihilismus. 48,1 Prozent der wenigen Pässe kamen zum eigenen Mann, 36,4 im letzten Drittel. Das ist verheerend, aber eben nur Zahlenfetischismus für Guardiola-Gutfinder. HSV- und Papadopoulos-Gutfinder stehen auf den etwas direkteren Approach, wie es so schön heißt, und sagen: geil gespielt, Jungs!

Schnell gemeldet I: Erstmals in dieser Saison gab es an einem Spieltag kein Unentschieden.

Schnell gemeldet II: Anthony Modeste und Aaron Hunt erzielten am Wochenende ihr 50. Bundesliga-Tor.

Schnell gemeldet III: Maximilian Philipp schoss den SC Freiburg mit dem 49.999 Tor der Bundesligageschichte zum Sieg gegen Köln. Jagd auf Nr. 50.000 machen am kommenden Freitag Augsburger und Leverkusener.

Schnell gemeldet IV: Apropos Leverkusen. Beim rauschenden 3:0 gegen Frankfurt erzielte Chicharito seine Bundesligatore 24 und 25. In den ewigen Bayer-Torjägercharts schnellte er dadurch auf Platz 20 hoch. Noch ein Tor und er hat Rudi Völler eingeholt. Vorne sieht's bei Bayer so aus: Kirsten (182), Kießling (128), Waas (72), Berbatov (69), Schreier (63).

Schnell gemeldet V: Maxi Arnold hat Wolfsburgs 600. Bundesliga-Heimtor erzielt.

Schnell gemeldet VI: Eintracht Frankfurt hat Gegentor Nr. 2500 kassiert. Nur Werder, der HSV und der VfB Stuttgart haben mehr.

Schnell gemeldet VII: Nach 193 Bundesliga-Spielen für Mainz und Dortmund hat Neven Subotic sein Debüt für den 1. FC Köln gegeben.

Schnell gemeldet VIII: Schalke hat erstmals seit dem 12. Spieltag wieder mehr als ein Tor erzielt.

Letzte Worte: Alle Teams von Tabellenplatz 2 bis 7 haben an diesem Wochenende verloren.

Allerletzte Worte: Das hatte es vorher noch nie gegeben.

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