RB-Herzstück: Deco und Diego Maradona

Freitag, 03.02.2017 | 10:00 Uhr
Naby Keita von RB Leipzig hat sich in der Zentrale der Bullen eingespielt
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Aufsteiger RB Leipzig mischt in der Tabellenspitze mit. Mitverantwortlich sind dafür Diego Demme und Naby Keita, die trotz großer Unterschiede doch zueinander gefunden haben.

Wo lernt man eigentlich besser Fußball spielen? Auf der Straße in Guinea oder bei der SpVg Hiddenhausen? Diese Frage zu beantworten, kostet viel Platz und Zeit, wichtig ist vor allem eines: Beides führt ganz offensichtlich zu RB Leipzig. Diego Demme und Naby Keita haben es trotz verschiedener Wege zu den Roten Bullen geschafft.

Sie haben es nicht zur zu Leipzig geschafft, sie haben sich im Laufe der Hinrunde auch zu einem eingespielten Duo im Mittelfeld eines Bundesliga-Spitzenteams entwickelt. Deco und Diego Maradona, so hofften die Väter der beiden, tatsächlich aber Keita und Demme.

Naby Deco Keita lernte das Fußballspielen tatsächlich in den Straßen Guineas. "Wir haben auf der Straße gespielt, die nicht abgesperrt war. Immer wieder sind Autos über den Schotter gebrettert, und wir mussten dann schnell sein", erklärte der 21-Jährige der Bild.

Keita bringt alles mit

Differenzielles Lernen at its best: "Die Reifen der parkenden Autos waren unsere Torpfosten. Der Ball war eine Plastik-Murmel, die kaum Luft hatte." Über den AC Horoya ging es nach Frankreich und von dort Richtung Salzburg. Im Sommer schließlich lockte die Bundesliga, Red Bull verschob Keita aus Österreich nach Leipzig.

Dort fand er sich nach einigen Wochen Eingewöhnungszeit ein. Inzwischen stehen in seiner Bilanz 17 Einsätze, vier Tore und fünf Vorlagen. "Er passt mit seiner Dynamik, seinen herausragenden technischen und taktischen Fähigkeiten sowie seinem Charakter ideal zu uns und unserer jungen Mannschaft", ordnete Ralf Rangnick ein.

Floskeln nach einem teuren Transfer, so könnte man meinen. Tatsächlich ist Keita aber zu einem enorm wichtigen Bestandteil in der Mannschaft von Ralph Hasenhüttl geworden. Seine hervorragenden konditionellen Voraussetzungen machen ihn flexibel einsetzbar, die taktischen Grundlagen brachte er bereits aus Salzburg mit.

Deutsche Sprache als Hindernis

Gemeinsam mit der herausragenden Technik Keitas entsteht ein Gesamtpaket, das im Kader seinesgleichen sucht. Er ist variabel, schwer auszurechnen und glänzt obendrein mit enormer Spielintelligenz. Keita stellt im 4-2-2-2-System von Hasenhüttl die offensivere Rolle im zentralen Mittelfeld dar und ist essenziell für das Spiel der Bullen geworden.

"Er ist ein wahnsinniger Fußballer", lobte Hasenhüttl nach dem 3:1-Sieg über Werder Bremen mitsamt Doppelpack Keitas. Dem im Weg standen lange nur mangelnde Deutschkenntnisse. Rangnick mahnte Mitte Januar: "Keita ist jetzt schon zweieinhalb Jahre in einem deutschsprachigen Land. Da wird es allerhöchste Zeit, dass er anfängt, richtig Deutsch zu sprechen."

Er folgte und sprach bei einem Hinrundenrückblick rund zwei Wochen später Deutsch. "Wirklich hart", sei es, käme für ihn aber noch vor Englisch. Noch so eine Sprache, die Keita nicht entgehen soll, will er doch eines Tages hinaus in die weite Welt: Traumverein ist der FC Barcelona.

Der Dauerläufer aus Neapel

Für die Herausforderung ist Keita bereit. "Dass dir im Leben nichts geschenkt wird und du dir alles hart erarbeiten musst", sei die große Lebensweisheit, die er mit 21 Jahren erlernt habe. Selbst für die Zeit nach seiner Karriere hat er klare Vorstellungen: "Ich will eine Trainerausbildung machen."

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So weit denkt Nebenmann Diego Demme nicht: "Irgendwann Italien - das ist auf jeden Fall vorstellbar." Der Halb-Italiener wurde von seinem Vater nach dem damaligen Neapolitaner Diego Maradona benannt, hat bei RB Leipzig aber eine gänzlich andere Rolle inne als der Argentinier in seinen besten Zeiten.

Auf die Laufleistungen, die Demme Wochenende für Wochenende auf den Platz legt, kommt Maradona höchstens in Albträumen. Im Schnitt 12 Kilometer sind es, die Leipzigs Mittelfeldspieler pro 90 Minuten läuft. Eine Willensleistung, die dem eigenen Team defensive Stabilität gibt.

Torlos seit der A-Jugend

Der 25-Jährige ist nicht annähernd so spektakulär wie Keita und doch in jeder Partie gesetzt. Demme ist ein Motor, den Hasenhüttl für 90 Minuten aufziehen und dann laufen lassen muss. 3,4 Bälle fängt er pro Partie ab, 3,3 Bälle gewinnt er durchschnittlich im Zweikampf.

Auch im Spiel mit dem Ball ist er stets gefordert. Mal geht er hinter die gegnerischen Linien und fordert den Ball in die Tiefe, mal kippt er neben die Innenverteidiger heraus und nutzt den Raum, den die aufrückenden Außenverteidiger hinterlassen. Dabei gefällt Demme mit gutem Auge und durch mit dem Spann gespielte, scharfe Schnittstellenpässe.

Wenn Hasenhüttl von ihm schwärmt, sagt er gerne: "Er kann alles." Offensiv trifft das allerdings nur bedingt zu. Demme ist seit der A-Jugend ohne Treffer, er beschreibt sich selbst vor allem als aggressiven Spieler der seine Mitspieler "ganz gut" einsetzen kann.

Ernährung als Schlüssel

Beeindruckend ist der erneute Sprung, den er in seiner Leistung zu verzeichnen hat. In der Saison 13/14 entschied er sich dazu, vom Zweitligisten SC Paderborn in die 3. Liga zu RB zu wechseln. Seitdem konnte er jede neue Aufgabe mitmachen, sowohl in der zweiten Spielklasse als auch in dieser Saison im Oberhaus Deutschlands.

Neben dem eigenen Ehrgeiz führt Demme auch seine Ernährung als leistungsfördernd an. Als Dinkel-Diego im Kader verschrien, lässt er sich von Aleksandra Keleman in Sachen vegane Ernährung beraten und kocht gerne selbst. "Dienstags und Freitags gehe ich auf den Markt, hole mir Dinkel-Backwerk. Und letzte Woche gab's abends Ess-Kastanien", sagte er der Bild.

Auch diese Bodenständigkeit zeichnet Keita und Demme aus. Bevor es nach Barcelona respektive Neapel geht, bilden sie ein enorm starkes Duo im Mittelfeld der Sachsen. Defensiv wie Offensiv sind sie enorm wichtig für die Balance des Teams. Sie halten den richtigen Abstand zum Pressing ihrer Vordermänner und sind entscheidend im Gewinnen von neutralen Bällen.

Weder Deco, noch Diego

Die Dynamik von Keita gleicht Demme bisweilen mit klugem Spiel im Raum aus und bessert auch noch manch übermütiges Vorstoßen seines Kollegen aus. Auf der anderen Seite kompensiert der offensiv ausgerichtete Keita die offensiven Defizite seinen Nebenmannes und erfreut sich an sicherem Rückhalt.

Größter Kritikpunkt: Die Körpergröße von beiden liegt bei rund 1,70 Metern. Hasenhüttl dürfte trotzdem glücklich sein, Rangnick ebenso. Demme verlängerte kürzlich seinen Vertrag bis 2021, Keita sagte zahlreichen Klubs aus England ab, glaubt man entsprechenden Medienberichten. Auch er ist noch langfristig bis 2020 gebunden.

Einzig und allein die Väter dürften in einem Aspekt enttäuscht sein. Weder ist Keita zum technischen Feingeist zwischen den gegnerischen Linie im Stile von Deco geworden, noch entzaubert Demme in aller Regelmäßigkeit die gegnerischen Abwehrreihen, wie Maradona es einst tat.

Der Kader von RB Leipzig im Überblick

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