Der Jahrhundert-Normalo

Mittwoch, 08.02.2017 | 11:47 Uhr
Mario Götze wechselt im Sommer 2016 vom FC Bayern zurück zu Borussia Dortmund
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Borussia Dortmund arbeitet sich mit viel Aufwand und Mühe in die Rückrunde. Der BVB hat auf und abseits des Platzes mit Problemen zu kämpfen. Bei der sportlichen Bewältigung ist Mario Götze derzeit in den Hintergrund getreten. Es ist an der Zeit, sich ein paar grundsätzliche Gedanken über den 24-Jährigen zu machen.

Andreas Möller und Andreas Müller trennt nur eine Kleinigkeit. Ein winziger Bogen an den Umlauten, wie sie nur in der deutschen Sprache so herrlich schön vorkommen. Denn eigentlich sind Möller und Müller grundverschieden.

Das war auch schon so, als Möller und Müller noch auf den Fußballplätzen Deutschlands und Europas unterwegs waren. Hier Möller: der Feingeist, der herausragende Techniker, der Italien-Legionär, der Weltmeister, der Europameister, der Champions-League-Sieger, der UEFA-Pokalsieger. Möller hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gab, wie das im Fußballsprech heißt.

Da Müller: der Kämpfer, der arbeitssame Ackergaul, den in jungen Jahren eine Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart überraschte und am Ende der Karriere ein UEFA-Cup-Sieg mit Schalke. Er war Teil der Eurofighter. Eine Wortschöpfung, die auf Schalke noch immer allgegenwärtig ist und eine Vergleichsgröße, die immer wieder aus der Schublade gekramt wird, wenn es bei der aktuellen Mannschaft gerade nicht läuft und vermeintlich zu wenig gekämpft wird.

Extreme Kräfte zerren an Götze

Am Sonntagabend sitzen Möller und Müller gemeinsam in einem Fernsehstudio von Sky. Beide haben sich äußerlich angenähert, tragen einen dunklen Anzug und blaues Hemd. Die Themen sind der FC Bayern, die Krawalle in Dortmund und Mario Götze.

Die beiden Ex-Spieler sollen erklären, was denn eigentlich passiert sei mit diesem Götze, warum er bei Borussia Dortmund nur noch Ersatzspieler ist und wie er sich aus diesem Loch wieder befreien könne.

Müller nennt Götze ein "Genie", es fehle ihm aber an "Ausstrahlung und Körpersprache", er müsse mehr brennen und mit mehr Überzeugung auftreten. Möller attestiert Götze "außergewöhnliche Fähigkeiten" und wirft das Thema mangelnde Trainingsleistungen in den Raum.

Möller und Müller sind keine Experten für Mario Götze, sie sind auch nicht näher dran an diesem jungen Mann als viele Zuschauer vor dem Fernseher. Aber sie werden aufgrund ihrer Vergangenheit nach Götze gefragt und stehen stellvertretend für die Kräfte, die in diesem Land an Mario Götze zerren.

Mario Götzes Statistiken aus dem letzten Bayern- und dem ersten BVB-Jahr im Vergleich

Sind die Erwartungen an Götze zu hoch?

Echte Antworten gibt es nicht. Es ist eine Mischung aus Thesen, Vermutungen und Floskeln wie sie landauf landab beim Thema Götze über die Stammtische fliegen. Die Runde, in der neben dem Moderator auch noch zwei Journalisten sitzen, kommt zu dem Schluss, dass sich die Diskussion seit Monaten, ja eher Jahren schon im Kreis drehe.

Wie also rauskommen aus diesem Kreis?

Eine Möglichkeit wäre ein Wechsel der Perspektive. Fans, Experten und Journalisten müssten sich dann nicht mehr auf die Suche nach Gründen begeben, warum Götze die Erwartungen nicht erfüllen kann, sondern die Frage stellen: Sind die Erwartungen an Götze zu hoch?

Ist mit Götze etwas passiert, das vielen Talenten im Profifußball widerfährt? Dass sie in ihren ersten Spielen großes Potenzial zeigen, aber im Laufe der Karriere nicht die oberste Kategorie erreichen, während andere zunächst unter dem Radar fliegen und später durchstarten.

Götzes Karriere stockt, das ist Fakt. Wie schlimm das angesichts des außergewöhnlichen Starts aber ist, ist möglicherweise die eigentliche Frage, der mehr Platz eingeräumt werden müsste. Die Antwort müsste irgendwo zwischen übertriebener Erwartungshaltung und angemessenem Anspruch zu finden sein.

Der Vergleich mit Leo Messi

Vor 10 Tagen ist Bojan Krkic zum 1. FSV Mainz 05 gewechselt. Ein echter Coup, da waren sich alle einig. Schließlich wurde dieser Bojan mal als neuer Messi gefeiert. Er glänzte im Teenageralter bei seinen ersten Einsätzen für Barcelona, bewegte sich geschmeidig, erzielte Tore, wurde Nationalspieler. Aber im Laufe der Jahre ist er in der Masse der guten Profifußballer verschwunden.

Entscheidend daran: das muss nicht schlecht sein. Bojan ist 26 Jahre alt, hat sein Hobby zum Beruf gemacht und viel Geld verdient. Er hat verschiedene Länder kennengelernt und kann immer noch ganz passabel kicken. Nicht jeder kann ein neuer Messi werden.

Auch Götze hat diesen Vergleich aushalten müssen. Die Auftritte des 18-jährigen Götze in Jürgen Klopps Meisterelf weckten Hoffnungen in Deutschland auf einen Weltstar, wie es ihn im deutschen Fußball zuvor noch nicht gab. Diese Hoffnungen wiegen seither zentnerschwer, mit ihnen muss sich auch der 24-jährige Götze ständig auseinandersetzen. Ob er will oder nicht.

Und dann ist da natürlich noch dieses Tor im WM-Finale 2014. Ein Moment, in dem Götze ein herrlich schönes Tor geschossen hat. Ein Moment für die Ewigkeit. Ein weiteres Teil im Kopfpuzzle der Öffentlichkeit vom Jahrhunderttalent und der letzte Beweis, dass er es doch mit Messi aufnehmen kann. Oder vielleicht sogar noch besser wird als der fünfmalige Weltfußballer - das hat ihm sein Trainer doch auch gesagt.

In Gänze betrachtet war das Turnier eine Kurzform seiner Karriere. Als Stammspieler in die WM gestartet, dann immer weniger eingesetzt und im Finale als Einwechselspieler mit einem Geistesblitz Hoffnungen auf mehr genährt.

Aus anderer Perspektive: weitere Last.

Wer ist Mario Götze wirklich?

Warum er das alles aushalten muss? Weil er doch so viel Talent hat, weil er so großes Potenzial hat, weil er ein Genie ist. Druck? Übermäßiger Druck? Zu viel Druck? In der Fußballbranche wird dieses Thema noch immer mit der Kneifzange angefasst und nur in Extremsituationen auf die Agenda gehoben. Dann wird zwei, drei Wochen hysterisch debattiert, ehe die kritischen Stimmen abnehmen und bei Bedarf alles wieder von vorne beginnt.

Auch so ist Fußball.

Bei Götze ist das öffentliche Interesse enorm. Jeder will irgendetwas von ihm, jeder wünscht sich Wunderdinge, jeder interpretiert und deutet. Küchenpsychologie ist ein beliebtes Fach in dieser Branche.

Keine Frage, Götze hat mit einigen öffentlichen Auftritten, seinem Verhalten in den sozialen Netzwerken und seinen Werbemaßnahmen auch dazu beigetragen, dass ein kritisches Bild entstanden ist.

Viele sehen in ihm einen aalglatten, abgehobenen Jungstar, dem der Aufstieg zu Kopf gestiegen ist und der den Fokus auf den Fußball verloren hat und keine Leistung mehr bringt. Für viele wirkt er auf dem Platz schwerfällig, uninspiriert, farblos, sein Spiel scheint beliebig und eindimensional geworden zu sein. Er ist einer von vielen, ein Mitläufer, ersetzbar, gerade noch gut genug für einen Kaderplatz.

Gespräche mit Leuten, die Götze aus der Ferne beobachten und Leute, die nahe dran sind, bestätigen dieses ambivalente Bild. Die einen haben ihn zu oft beim Italiener in München gesehen, die anderen halten ihn für enorm fleißig und fußballverrückt. Ein konsistentes Bild ergibt sich nicht.

Ein neuer Blick auf Mario Götze

Was sagt Götze selbst? Ende 2016 hat er der Bild ein Interview gegeben. Er hat dabei versucht, den "alten Mario Götze" abzustreifen und Werbung für ein neues Image zu machen. Anfang 2017 vertiefte er seine Gedanken im kicker.

"Manche Menschen sind eben extrovertiert, manche introvertiert. Manche gehen diesen Weg, manche einen anderen. Ich mache keinen bewussten Bogen um irgendjemanden", sagte er. Er könne nicht immer ein Tor wie im WM-Finale schießen. "Zum Fußball, so komplex, wie er heute ist, gehört mehr: Laufleistung, Intensität, Fleiß." In Sachen "Engagement, Professionalität, Einstellung und Leistungsbereitschaft, bin ich völlig auf meinem Weg".

Falls dieser - und danach sieht es schon länger aus - nicht auf die Stufe Messi, Ronaldo, Robben führen sollte, wird es viele Enttäuschte geben, die mit harten Urteilen und dem Vorwurf der Talentverschwendung nicht hinterm Berg halten werden.

Zuvor sollte Andreas Möller aber nochmal zu Wort kommen. Ein Mann, der während seiner Karriere selbst oft als Heulsuse und Softie verspottet wurde. Er fragte recht beiläufig in die Talkrunde: "Wie gut muss Mario Götze spielen, dass wir alle befriedigt werden, dass Fußball-Deutschland sagt: Das ist er?" Seine Antwort: "Ich weiß es nicht."

Das weiß niemand. Vielleicht muss die Frage eben auch nicht aus diesem Blickwinkel betrachtet und beantwortet werden. Deutschland hat aber die Möglichkeit, die Reset-Taste zu drücken und sich mit dem Fußballer und Menschen Mario Götze nochmal neu auseinanderzusetzen.

Mario Götze im Steckbrief

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