"Guck' mal, was ein Moppelsche"

Von Interview: Felix Keil
Donnerstag, 23.02.2017 | 15:11 Uhr
Manfred "Moppes" Petz (l.) ist seit langer Zeit Torwarttrainer bei Eintracht Frankfurt
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Manfred "Moppes" Petz ist als Torwart-Trainer bei Eintracht Frankfurt kaum mehr wegzudenken. In seiner langen Karriere hat er schon unter vielen verschiedenen Cheftrainern gearbeitet. Im Interview spricht Petz über die Veränderungen im Training, verrückte Aktionen seiner Schützlinge und die Entstehung seines Spitznamens.

SPOX: Herr Petz, wie viel Anteil haben die Offenbacher Kickers am Viertelfinal-Einzug der Eintracht im DFB-Pokal?

Manfred Petz: (überlegt) Sie spielen auf den Elfmeter von Salif Sane an. Keine Frage, er hat ihn gegen uns genauso geschossen wie auch schon in der ersten Runde gegen den OFC und das haben wir gewusst.

SPOX: Lukas Hradecky hat dabei die Videoanalyse als Schlüssel zum Erfolg ausgemacht. Wie sieht denn die Spielvorbereitung für die Torhüter allgemein aus?

Petz: Natürlich hat man seinen bestimmten Ablauf innerhalb einer Woche. In einer normalen Bundesligawoche ist die Belastung in den ersten Tagen höher und je mehr es auf den Spieltag zugeht, desto mehr fährt man wieder runter. Man muss frisch sein, wenn es zählt.

SPOX: Hradecky hat sich gleich in seiner ersten Saison bei der Eintracht wegen seiner Leistungen und seiner Art zu einem Publikumsliebling entwickelt. Wie haben Sie das beobachtet?

Petz: Seitdem er da ist, hat sich an seinem Charakter nichts verändert. Er ist ein sehr offener und lebensfroher Mensch, als Sportler aber auch unglaublich ehrgeizig. Er hat vom ersten Tag in der Bundesliga alles aufgesaugt.

SPOX: Der Wechsel in ein anderes Land bringt auch immer Neuerungen mit sich.

Petz: Er musste feststellen, dass die Abläufe hier anders sind als in Dänemark. Auch die Intensität im Training ist eine andere. Vielleicht liegt das auch am Torwarttraining, bei dem die Torhüter besonders gefordert werden. Er hat aber auch schon einiges an Talent mitgebracht und auch die menschliche Komponente stimmt bei ihm. Dazu kommen die konstant guten Spiele, die er gezeigt hat. Das alles trägt dazu bei, dass er nun diesen hohen Stellenwert besitzt.

SPOX: Im Interview hat er uns neulich verraten, dass er ganz gerne mal ein Bier trinken geht. Waren Sie auch schon mit ihm unterwegs?

Petz: Ich trinke keinen Alkohol, mit meinen Torhütern gehe ich auch ganz gerne mal eine Pizza essen und ein Bier ist auch kein Problem.

SPOX: Also haben Sie enge Verbindungen zu Ihren Keepern.

Petz: Ja, die sollte man, meiner Meinung nach, auf jeden Fall haben. Die gehen zwar alle ihren eigenen Weg, aber wir sind ja mit den drei Tormännern ein eigenes Vierergrüppchen. Ab und zu kommen die Torhüter und der Torwarttrainer aus der U19- dazu. Die Situation als Torhüter ist ohnehin eine spezielle. Meistens ist man als Einzelkämpfer unterwegs.

SPOX: Sie sind für Ihre lockere Art und Ihre lustigen Sprüche bekannt. Ist das gerade auf der Position des Torhüters, auf der immer nur einer spielen kann, wichtig?

Petz: Ich sage immer, dass man auch lachen können muss, wenn man hart arbeitet. Und dann muss auch mal ein Spruch raus. Eben diese Mischung aus Lockerheit und hartem Training, die macht's. Bei all der Anstrengung soll das Ganze natürlich auch Laune machen.

SPOX: Das hilft bestimmt auch bei der Beziehung der Keeper untereinander.

Petz: Klar ist, dass ein Konkurrenzdenken herrschen muss. Erst letztens hatten wir den Fall, dass Heinz Lindner in das Tor musste. Bei beiden Spielen hat er seine Sache auch sehr gut gemacht. Und ein Grund dafür ist, dass sich die Jungs gegenseitig jeden Tag zu Höchstleistungen pushen.

SPOX: Ein anderer Grund könnte der harte Schuss sein, für den Sie bekannt sind. In der letzten Saison hat die Mannschaft mit ihrer Chancenauswertung gehadert. Deshalb haben die Fans gefordert, dass Sie in den Sturm gehen und für Treffer sorgen sollen.

Petz: (lacht) Beim Training schauen immer Fans zu und auch die Medien haben das aus Spaß aufgegriffen. Aber ein fester und platzierter Schuss gehört halt zum Torwarttraining dazu. Und weil die Mannschaft in der Offensive damals eben Probleme hatte, kam das Thema auf.

SPOX: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum Frankfurter Umfeld beschreiben, das doch eher als unruhig gilt?

Petz: Die Zuschauer sind nach Niederlagen genauso enttäuscht wie wir. Bei mehreren Siegen in Folge träumen viele dann gleich von Höherem. Vor allem die letzte Saison war da speziell. Mehr als die Relegation hält man emotional nicht aus. Davor waren alle stinksauer, aber als es darauf ankam, haben die Fans bei diesen beiden Partien geschlossen hinter uns gestanden. Das ist es auch, was Eintracht Frankfurt ausmacht.

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SPOX: Sie sind schon länger im Geschäft. Was hat sich über die Jahre im Torwarttraining verändert?

Petz: Besonders das Spiel mit dem Fuß. Das fing 1992 mit der Rückpassregel an. Mittlerweile ist es so, dass den jungen Torhütern schon in den Leistungszentren beigebracht wird, sowohl den linken als auch den rechten Fuß zu trainieren. Das trägt auch zum Verhalten bei der Spieleröffnung bei: Egal ob hoch oder flach, ob aus der Hand oder volley, das muss in jedem Bereich intensiv geübt werden.

SPOX: Der Torhüter wurde auch immer stärker ins Spielgeschehen eingebunden.

Petz: Genau, dadurch spielt man als Keeper noch mehr mit. Oft fungiert man als letzter Mann. Früher war man zwar auch der letzte Mann, aber da hat man den Ball halt in die Hand genommen und direkt wieder nach vorne befördert. Heute will man das Spiel eröffnen.

Seite 1: Petz über Lukas Hradecky, die Fans der Eintracht und die Veränderungen im Torwart-Training

Seite 2: Petz über sein Verhältnis zu Cheftrainern, Vorurteile und die Entstehung seines Spitznamens

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