Gladbachs Timothee Kolodziejczak im Porträt

Was heißt Schweinehund auf Französisch?

Donnerstag, 12.01.2017 | 09:30 Uhr
Das Stadion Borussia Mönchengladbachs kennt Timothee Kolodziejczak bereits aus der Europa League
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Im Abstiegskampf erhofft sich Borussia Mönchengladbach, mit Neuzugang Timothee Kolodziejczak eine tragende Säule für die Stabilisierung der Defensive gefunden zu haben. Der Franzose war unlängst eines der größten Talente seines Landes, zuletzt saß er aber vor allem auf der Bank.

Alle Fragen beantwortet Timothee Kolodziejczak auf dem Podium sitzend mit einem Lächeln und festem Augenkontakt. Mit ruhigem, leisen Französisch erklärt er, warum und weshalb er sich für Borussia Mönchengladbach entschieden hat. Nur eine einzige Frage schafft dem Neuzugang sichtlich Unbehagen.

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Warum es in Sevilla zuletzt nicht mehr klappte, fragt einer der anwesenden Reporter. Die bisher immer sicher verschränkten Arme werden unruhig, die rechte Hand geht auf und ab.

Sichtlich missfällt es Kolo, so wird man ihn rufen, über die bisher negativste Periode seiner Karriere sprechen zu müssen.

Ärger in Sevilla

Etwa 600 Minuten hatte der 25-Jährige unter Trainer Jorge Sampaoli absolvieren dürfen. Probleme mit dem Sportdirektor Monchi führt Kolodziejczak als Grund für die geringen Einsatzzeiten an, im Jahr zuvor war er unter Unai Emery noch Stammspieler gewesen. Mit Landsmann Adil Rami hatte der Franzose damals ein solides Duo gebildet.

Die Probleme mit dem in Spanien so angesehenen Monchi spielten Gladbach letztlich in die Karten und ermöglichten den Transfer für rund sieben Millionen Euro in diesem Winter. Gleichwohl beobachteten die Fohlen den Verteidiger schon seit der U17, verriet Max Eberl auf der Präsentation seines Mister X.

Einen interessanten Mann hatte er angekündigt, der Boulevard daraus schnell Bastian Schweinsteiger oder Holger Badstuber geschnitzt. Eberl aber bezog sich auf den Werdegang Kolodziejczaks, der sich sehen lassen kann. Fast 200 Pflichtspiele hat er schon absolviert, hinzu kommen zwei Titel in der Europa League. Der Neue ist kein unbeschriebenes Blatt und kommt deshalb gerade recht.

"Das ist ein Transfer, der uns genau das bringt, was wir wollen", sagte Trainer Dieter Hecking. Er hatte sich auch schon beim VfL Wolfsburg mit dem Franzosen beschäftigt.

Der Mann mit vier Lungen

"So einer hat uns noch gefehlt", ist die Parole, die sowohl Hecking als auch Eberl ausgeben. Eine gewisse Aggressivität soll der neue Mann mitbringen, ein Anführer auf dem Platz sein, der Spiele unbedingt gewinnen will - wie Alvaro Dominguez, der seine Fitness aber nie voll wiederherstellen konnte und im Winter seine aktive Karriere beendete.

Nun soll es Kolo sein. "Schweinehund" wollte man bei der Präsentation Kolodziejczaks ins Französische übersetzen. Der Mann mit den vier Lungen, so stellte ihn einst Canal+ im spanischen TV vor, bringt vor allem Aggressivität und Zweikampfstärke mit.

In Spanien gab es zahlreiche Sorgen um den Links- oder Innenverteidiger. Immer wieder lag er nach riskanten Luftduellen am Boden, immer wieder musste er behandelt werden. Kolodziejczak geht dorthin, wo es weh tut und könnte seinen Kollegen in Gladbach damit ein Beispiel im harten Alltag sein.

"Holen hier keinen Holzhacker"

Wenn Eberl und Hecking sagen, dass zuletzt ein Gewinnertyp fehlte, ist das auch harte Kritik am bisher bestehenden Kader. Wird ein Schwachpunkt erkannt, kann er jedoch behoben werden. "Es tut uns gut so einen Typen zu haben, der kommt und sagt: 'Hört zu Männer, wir schaffen das!'", erklärte Eberl und zog den Vergleich zu Spielern wie Mike Hanke.

Bleibt nur die Frage, inwiefern Kolo das mitbringen kann. Er spricht weder Deutsch noch Englisch fließend. Als Spieler orientierte er sich im letzten Jahr stark an Rami. Mit Körpersprache und mit gutem Beispiel, so die Hoffnung der Gladbacher.

Ein stereotyper Kämpfer ist Kolodziejczak ohnehin nicht. "Wir holen hier keinen Holzhacker", sah sich Eberl zu einer Klarstellung gezwungen. Als Linksverteidiger hat der Franzose seine Karriere begonnen und hat dementsprechend auch Qualitäten in der Offensive. Die physischen Anlagen sind herausragend, Schnelligkeit wie Ausdauer bringt er mit. Eingeplant ist er jedoch eher für die zentrale Defensive.

Sicherheit dringend gesucht

Dort offenbarte Kolo bisweilen kleinere Fehler mit Ball am Fuß. Eine versprungene Annahme, ein verpasstes Abspiel. Er ist nicht derart sicher im Spielaufbau wie ein Jerome Boateng, hat aber überdurchschnittliche Qualitäten. Das Manko wird Gladbach bewusst gewesen sein, ein Wintertransfer erfüllt jedoch selten alle Wünsche.

Bleibt Trainer Hecking bei der Dreierkette, wäre der Neuzugang ein idealer Halbverteidiger. So kann er seine Schnelligkeit ausspielen und gelegentlich nach vorne stoßen. Gleichzeitig hat er stets eine Absicherung im Rücken.

Sicherheit ist ohnehin das, was Kolodziejczak in Mönchengladbach sucht. Der Abschied aus Sevilla war kurz und schmerzlos, er ist bereit, sich auf ein neues Kapitel voll einzulassen. "Es ist Zeit, dass ich eine neue Situation finde und anfange, ab Winter andere Erfahrungen zu sammeln", sagte er Le Progres.

Ambitionen sind groß

Dazu zählt die Bundesliga, dazu zählt auch die Europa League. Denn der Neuzugang kommt trotz Tabellenplatz 14 mit großen Ambitionen. Die Qualifikation für den Europapokal soll möglichst gelingen, dafür will er selbst anpacken, seine Erfahrung einbringen und Verantwortung im Kader übernehmen.

Kann er seine Qualitäten voll entfalten, hat Gladbach einen Treffer gelandet. Bis 2021 läuft der Vertrag, genug Zeit um sich für die Nationalmannschaft anzubieten. Bei der französischen U20-Auswahl war zuletzt Schluss. Der Verteidiger gab an, gerne für das Land seines Vaters aufzulaufen. Bisher blieb der Anruf von Polen allerdings aus. Auf der Bundesliga-Bühne kann er sich empfehlen.

Timothee Kolodziejczak im Steckbrief

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