Ingolstadt-Sportdirektor Thomas Linke im Interview

"Ralph hat die Entwicklung nicht gebremst"

Montag, 23.01.2017 | 11:42 Uhr
Thomas Linke übernahm am 10. November 2011 beim FC Ingolstadt den Posten des Sportdirektors
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Thomas Linke führte den FC Ingolstadt als Sportdirektor vom letzten Platz der 2. Liga bis in die Bundesliga. Jede Saison dort sei ein Geschenk, erzählt er im Interview. Ob es im kommenden Sommer wieder eines gibt, ist fraglich. Der FCI steckt im Abstiegskampf. Ein Gespräch über öffentliche Fehlbewertungen von Mannschaft und Trainer, über Traditionsvereine und solche, die vielleicht einmal welche werden und über Ingolstadts Alleinstellungsmerkmal.

SPOX: Herr Linke, wie erholsam waren Ihre Weihnachtsfeiertage?

Thomas Linke: Ich hatte eine sehr entspannte Zeit und war mit meiner Familie bei traumhaftem Wetter in Österreich Skifahren.

SPOX: Konnten Sie wirklich abschalten, oder hängt man als Sportdirektor nicht trotzdem immer am Telefon, um Transfers zu verhandeln?

Linke: Über Weihnachten und Neujahr passiert im deutschen Fußball nur sehr wenig. Da möchten Manager, Spieler und auch Berater ein paar ruhige Tage mit ihren Familien verbringen und nichts vom Fußball wissen. Ich war jedenfalls noch nie an einem Wechsel an Weihnachten beteiligt.

SPOX: Der letzte Transfertag ist dagegen wohl weniger entspannt.

Linke: Ja, dieser Tag und auch die zwei, drei davor sind in der Regel sehr hektisch, weil man da natürlich den Markt, der im Winter noch schwieriger ist als im Sommer, intensiv verfolgen muss. Wir haben es in den letzten Jahren aber immer geschafft, dass wir am 31. mit unseren Planungen fertig waren. Um Mitternacht bin ich dann aber schon immer sehr froh, dass alles vorbei ist, denn du hast immer die Problematik, dass vielleicht ein anderer Klub noch nach Verstärkungen sucht und einen Spieler deines Kaders verpflichten will.

SPOX: Spüren sie als Sportdirektor des FC Ingolstadt die Finanzkraft der chinesischen Vereine?

Linke: Direkt habe ich es bisher noch nicht gemerkt, weil bei uns noch keine Anfrage aus China eingetroffen ist. Am Markt selbst ist das aber schon spürbar und auf Sicht wird das natürlich auch uns betreffen. Selbst wenn kein Spieler des FCI nach China wechselt, werden sich andere Klubs, die Spieler nach China verlieren, nach Verstärkungen umsehen - sicher auch bei uns.

SPOX: Was ist die wichtigste Fähigkeit, die man als Sportdirektor haben sollte?

Linke: Ist eine funktionierende Scouting-Abteilung eine Fähigkeit? (lacht)

SPOX: Lassen wir mal so durchgehen.

Linke: Das ist jedenfalls das Allerwichtigste für eine erfolgreiche Arbeit als Sportdirektor, denn dann verfügt man über eine gute Marktkenntnis und ist über Entwicklungen und Situationen bei einzelnen Spielern und Klubs informiert.

SPOX: Und wie sieht es hinsichtlich persönlicher Fähigkeiten aus?

Linke: Die Überzeugung vom Weg, den man geht, ist sehr wichtig. Darüber hinaus natürlich auch ein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick und ein gutes Auge für Spieler.

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SPOX: Sie sind seit knapp fünf Jahren Sportdirektor des FCI. Worauf sind Sie besonders stolz?

Linke: Wir haben in den letzten fünf Jahren die Mannschaft deutlich verjüngt, unheimlich viele junge Spieler entdeckt und entwickelt. Gleichzeitig haben wir uns auch infrastrukturell enorm entwickelt. Das haben wir alles im Team erreicht.

SPOX: Mit welcher Zielvorgabe haben Sie den Posten des Sportdirektors 2011 übernommen?

Linke: Als mich Harald Gärtner damals zu den Schanzern holte, waren wir Letzter der 2. Liga und wollten den Klassenerhalt schaffen. Wir haben in unserem ruhigen Umfeld dann kontinuierlich gearbeitet und sind immer mehr zusammengewachsen.

SPOX: 2015 gelang der Aufstieg.

Linke: Mit unseren Voraussetzungen war das ein Wunder, eine absolute Sensation. Jedes Jahr, das der FCI in der Bundesliga spielt, ist für mich und unsere Fans ein riesen Geschenk.

SPOX: Der Aufstieg des FCI wird vor allem mit Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl in Verbindung gebracht. Fühlen Sie sich öffentlich unterbewertet?

Linke: Überhaupt nicht, mich stört das nicht. Unrecht getan wird dagegen unserer Mannschaft, die ob des Hypes um Ralph nicht genug gewürdigt wurde und wird. Mein Empfinden ist, dass unsere Entwicklung zuallererst auf die Mannschaft zurückzuführen ist. Mit jedem Erfolgserlebnis hat sich der Mut der Mannschaft gesteigert und dann wollte sie immer mehr und mehr. Ralph hat ihre Entwicklung nicht gebremst.

SPOX: Wie beurteilen Sie Hasenhüttls Abschied?

Linke: Wir sind ein Verein, der dafür steht, Spieler zu entwickeln und ihnen auch die Möglichkeit zu geben, den nächsten Schritt zu machen, wenn ihre Entwicklung schneller geht als die des Vereins. Wir sind stolz darauf, dass jetzt auch ein Trainer diesen Schritt geschafft hat. Trotzdem hätten wir uns gewünscht, dass das ein Jahr später passiert, weil die Entwicklung noch nicht zu Ende war. Ralph hat das aber anders gesehen, das mussten wir akzeptieren.

SPOX: Kann es als Sportdirektor ermüdend sein, immer wieder neu anfangen zu müssen, wenn einem Spieler und Trainer abgeworben werden?

Linke: Ganz im Gegenteil! Es macht viel Spaß, immer wieder einen neuen Kader und ein entsprechendes Trainerteam zusammenzustellen.

SPOX: Was wollen Sie mit dem FCI in den kommenden Jahren erreichen?

Linke: Unser Ziel ist es, mit unseren Mitteln so viele Jahre wie möglich in der Bundesliga zu spielen.

Seite 1: Linke über den Hype um Ralph Hasenhüttl und seine unterbewertete Mannschaft

Seite 2: Linke über Ingolstadts Alleinstellungsmerkmal und rivalisierende Traditionsvereine

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