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FC Augsburgs Trainer Manuel Baum im Porträt: Vom Schuldienst beurlaubt

Vor seiner Ernennung zum Cheftrainer war Manuel Baum in der Augsburger Nachwuchsabteilung tätig

Manuel Baum war mal ein 1,69 Meter großer Torhüter, dann führte er als Trainer-Lehrer die Walter-Klingenbeck-Realschule Taufkirchen zur deutschen Fußball-Schulmeisterschaft und etwas später lehrte er in Unterhaching Spielzüge in Basketball-Manier. Nun ist er Cheftrainer des FC Augsburg, er soll dem Klub seine Identität zurückgeben. SPOX sprach mit einem ehemaligen Spieler Baums und zeichnet den Weg des 37-Jährigen nach.

Damals hatte Manuel Baum nicht nur bedeutend längere und wohl auch noch mehr Haare als jetzt, damals hatte er auch noch etwas andere Probleme. Zum Beispiel solche: "Patrick Petermann hat erklärt, dass er auf jeden Fall bei uns bleiben will. Es war ein schweres letztes halbes Jahr für ihn. Erst die schnelle Rückkehr aus Eching, und dann hatte er wegen einer beruflichen Fortbildung keine Zeit, am Donnerstag zu trainieren."

Im Dezember 2009 war das. In einer Zeit also, als Baum den Bezirksoberligisten FT Starnberg 09 trainierte und sich eben mit Eching-Rückkehrern und Berufs-Fortbildern und womöglich gar höchstpersönlich mit der Weihnachtsfeier der mit Seelöwen bespitznamten Starnbergern rumschlagen musste und nicht mit Profi-Fußballern. Heute hat Manuel Baum kürzere und wohl auch weniger Haare, heute ist er 37 Jahre alt und Trainer des FC Augsburg.

Wirklich absehbar war das nicht. Es ist eher irgendwie so passiert. "Ich habe mich für drei Jahre vom Schuldienst beurlauben lassen", erklärte Ex-Lehrer Baum im Sommer 2014, als ihn der FC Augsburg gerade von der Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen losgeeist hatte. Fortan durfte er sich nicht nur studierter Diplom-Sportwissenschaftler und Fußballlehrer nennen, sondern auch Cheftrainer Nachwuchs des FC Augsburg.

Cheftrainer, ganz ohne "Nachwuchs", war er natürlich auch schon zuvor mal, aber eben nicht full time, eher etwas hobbymäßig. Bei den FT Starnberg 09 und sogar in der 3. Liga bei der SpVgg Unterhaching, aber das war nach eigener Aussage "eine nebenberufliche Tätigkeit". Hauptberuflich holte er dafür 2011 die nationale Schulmeisterschaft: "Deutscher Meister wird nur die Walter-Klingenbeck-Realschule!" Das waren noch Zeiten.

Die Zügel stets in der Hand

Mittlerweile ist bewiesen: Manuel Baum lässt sich aus der Schule holen, aber die Schule nicht aus Manuel Baum. "Man merkt an seiner Art, dass er als Lehrer gearbeitet hat", erzählt Jonas Hummels, sein ehemaliger Spieler aus Hachinger Zeiten, im Gespräch mit SPOX. "Er will Kontrolle ausüben, immer die Zügel in der Hand halten und sein Ding durchziehen", sagt Hummels, "er lässt den Spielern tendenziell eher weniger Autonomie."

Zweieinhalb Jahre trainierte Hummels in Haching unter Baum, der in dieser Zeit seinen persönlichen Aufstieg erlebte. Erst war er Co-Trainer unter Heiko Herrlich, dann Doppel-Cheftrainer mit Claus Schromm und später in acht Spielen alleinverantwortlich für die Mannschaft. Einer Mannschaft, in der unter anderem die heutigen Bundesligaspieler Janik Haberer (Freiburg) und Alexander Hack (Mainz) standen und von Baum geprägt wurden. Erinnert sich Hummels an seinen Ex-Trainer, fallen zwei Vokabeln immer und immer wieder: "taktikaffin" und "innovativ".

In der 3. Liga spielte Haching damals also, gearbeitet wurde trotzdem so professionell wie innovativ. Wohl auch bundesligareif. Baum konfrontierte seine Spieler etwa mit dem Gehirntraining Life Kinetik, "was in unserer Liga damals sonst niemand gemacht hat", wie Hummels erzählt.

Baum blickt über den Tellerrand und bedient sich auch in den Kreativ-Küchen anderer Sportarten. Fast wie beim Basketball brachte Baum seinen Kickern ganze Spielzüge bei. Ausgelöst wurden sie durch "festgelegte visuelle und auditive Kommandos", sagt Hummels: "Jeder wusste genau, was zu tun war." NBA-Flair im beschaulichen Haching.

Mehr Wissen als nötig

Sein einstiger Co-Cheftrainer Schromm nennt Baum "detailverliebt" und wird mit dieser Ansicht eher nicht Unrecht haben. Dieses fast schon manische Streben nach Perfektion ist eine Charaktereigenschaft, die den Vertretern der vielzitierten Generation Laptop-Trainer traditionell nachgesagt wird. Allen voran natürlich Thomas Tuchel, einer der Urväter dieser Spezies, die langsam aber beständig die Kontrolle über die Bundesliga übernimmt.

"Tuchel", sagt Hummels auch sofort, wenn er nach einem Trainer gefragt wird, der ihn an Baum erinnert. Und Hummels erzählt auch Dinge über Baum, die Ex-Spieler von Tuchel wohl genauso über ihn erzählen würden: "Er kennt sich im taktischen Bereich besser aus, als es unter Umständen nötig sein kann."

Ähnlich taktikaffin seien die beiden, in ähnlichen Bereichen haben sie aber wohl auch noch Verbesserungspotenzial. Beim Zwischenmenschlichen etwa, vielleicht bei der Kommunikation, der Vermittlung ihres immensen Wissens. Vor einiger Zeit erklärte Baum im Interview mit dfb.de mal seinen Ansatz: "Wir wollen unsere Spieler nicht aufgrund der Autorität unserer Trainerposition überzeugen, sondern durch unsere Fachkompetenz."

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Der Präsident in der Kurve

Baum ist ein Mann der Fußball-Theorie, auch wenn er die Fußball-Praxis ebenfalls erlebt und ausgeübt hat, aber eben nicht auf Profi-Niveau. Gegen Widerstände und womöglich auch Vorbehalte anzukämpfen, hat Baum dabei wohl trotzdem bestens gelernt: Er war Torhüter und das mit einer Körpergröße von 1,69 Metern. Es galt sich durchzusetzen. Erst in der Jugend des TSV 1860 München, später in der Bayernliga beim FC Ismaning und zuletzt beim FC Unterföhring.

"Er hat im Fußball bisher nicht den großen Namen und muss sich seine Anerkennung anders verdienen", sagt Hummels, "und macht deshalb einige Dinge etwas anders." Anders und gut: In seinen knapp zweieinhalb Jahren professionalisiert er als Cheftrainer Nachwuchs die Jugendabteilung des FCA. Verantwortlich war er für die Gesamtausrichtung aller Mannschaften zwischen der U10 und U19.

Es ging ihm dabei um eine "übergeordnete Spielidee", einen "roten Faden". Immer mit dem großen Ziel des Präsidenten Klaus Hofmann vor Augen. In einigen Jahren möchte Hofmann nämlich bei einer Augsburger Bundesliga-Partie in der Fankurve stehen und vier Spieler, die seit der D-Jugend für den FCA aktiv sind, beobachten können.

Vom Defensivfußball befreien

Nun kann Baum als Cheftrainer der Profis selbst dafür sorgen, dass dieser Wunsch des Präsidenten in Erfüllung geht. Baum sei laut Manager Stefan Reuter jedenfalls "der richtige Trainer, um die Philosophie des FC Augsburg umzusetzen und weiterzuentwickeln". Aggressives Pressing und schnelles Umschaltverhalten möchte Baum seine Mannschaft lehren und sie somit vom Defensivfußball seines Vorgängers Dirk Schuster entfesseln.

Sein Start war jedenfalls verheißungsvoll, vier Punkte aus zwei Spielen holte Baum als Interimstrainer. Und das auch noch gegen die hochdekorierten Borussias aus Mönchengladbach und Dortmund. Baums Mission ist es natürlich vorrangig, sein Team zum Klassenerhalt zu coachen, aber genauso, seinem Klub die verlorengegangene Identität zurückzugeben.

Und wenn all das nicht klappt, dann ist er immer noch Meistertrainer der Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen. Oder Meisterlehrer, je nachdem.

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