Bremens Geschäftsführer Sport Frank Baumann im Interview

"Weshalb bleibt dieses Gerücht in der Welt?"

Dienstag, 15.11.2016 | 10:00 Uhr
Frank Baumann ist seit Sommer 2016 Geschäftsführer Sport bei Werder Bremen
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Frank Baumann spielte zehn Jahre für Werder Bremen und wurde 2009 zum siebten Ehrenspielführer des SVW ernannt. Seit Sommer 2016 fungiert der 41-Jährige als Geschäftsführer Sport. Im Interview spricht Baumann über Werders plötzliches Angebot, die Entlassung von Viktor Skripnik und die Gerüchte um Serge Gnabrys Zukunft.

SPOX: Herr Baumann, Sie sind gebürtiger Franke, haben acht Jahre beim 1. FC Nürnberg gespielt und Ihre Heimat mit 23 in Richtung Bremen verlassen - als erster Spieler, den Thomas Schaaf in seiner langen Amtszeit als Trainer zu Werder Bremen holte. Wie fremd hat sich die neue Umgebung damals angefühlt?

Frank Baumann: Eigentlich kaum, das hat mich zunächst auch überrascht. Wenn man Teil einer Fußballmannschaft ist, ist unabhängig vom Verein vieles ähnlich - sowohl die einzelnen Typen, als auch die Gesprächsthemen. Dazu sind die beiden Städte gewissermaßen vergleichbar. Ich habe mich hier dann auch wirklich schnell eingelebt. Vielleicht lag es daran, dass ich zwei, drei Jahre zuvor schon einmal einen Tag in Bremen verbracht hatte, da Werder schon damals an mir interessiert war. Dieser erste Kontakt hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich dann einige andere lukrative Angebote ablehnte und mich für Werder entschied.

SPOX: Seit 1999 sind Sie nun dort. Hätten Sie gedacht, dass Sie an der Weser derart heimisch werden können?

Baumann: Im Fußball ist das schwer vorherzusehen. Ich bin aber grundsätzlich eine treue Seele und in jeglicher Beziehung kein Wandervogel.

SPOX: Mit dem Pokalsieg 2009 beendeten Sie zehn Jahre später Ihre aktive Karriere, um nur ein halbes Jahr danach als Assistent des damaligen Geschäftsführungsvorsitzenden Klaus Allofs in den Management-Bereich hinein zu schnuppern. Wie kam es dazu?

Baumann: In meinem letzten Vertrag gab es die Option, eine Auszeit zu nehmen und im Anschluss im Verein bleiben zu können. Klaus Allofs wollte eigentlich, dass ich sofort bei ihm anfange. Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass ich erst einmal eine siebenmonatige Pause einlege. Da hatte ich das erste Mal wirklich Zeit, den Kopf richtig frei zu bekommen und meine Spielerkarriere zu reflektieren. Zum Jahresbeginn 2010 bin ich dann wieder eingestiegen.

SPOX: Sie sind letztlich fünfeinhalb Jahre geblieben, wurden Ende 2011 Leiter der Scouting-Abteilung und im November 2012 zum Direktor Profifußball und Scouting befördert. Anfangs hatten Sie offenbar nicht daran gedacht, so lange zu bleiben.

Baumann: Ich empfand es gar nicht als besonders lange. Ich hatte das Glück, dass immer wieder neue Aufgabengebiete hinzukamen. So wurde es nie langweilig, die Arbeit war breit gefächert. Im Hinterkopf schlummerte aber immer wieder der Gedanke, auch einmal im Trainerbereich Erfahrungen zu sammeln. Ich habe mich dann nach dieser intensiven Aufgabe für eine weitere Auszeit entschieden, da mir damals die angesprochenen sieben Monate sehr gut getan hatten.

SPOX: Gab es einen bestimmten Zeitpunkt, an dem Ihnen klar wurde, dass Sie wieder eine Pause einlegen möchten?

Baumann: Der Entschluss ist mit der Zeit gereift. Ich habe die Auszeit intern auch frühzeitig angekündigt, so dass man sich genügend Gedanken über eine Nachfolgeregelung machen konnte. Ich hätte theoretisch auch weiterarbeiten können. Für mich war damit aber der erste Abschnitt nach meiner Karriere vorüber und ich wollte sehen, welche Bereiche mich noch interessieren könnten.

SPOX: Sie sind dann in Ihr Leben als Privater sehr offen gegangen und sagten, dass alles oder nichts passieren könne. Wie haben Sie letztlich dieses eine Jahr verbracht, bevor Sie Ihren aktuellen Posten antraten?

Baumann: Wir haben in der Ferienzeit erst einmal wieder einen langen Familienurlaub gemacht. So kam schnell der nötige Abstand zum Fußball zustande. Danach habe ich mich Stück für Stück im Alltag eingerichtet und mir Gedanken gemacht, wie ich diese Zeit genau verbringen möchte. Ich habe viel gelesen und mich in verschiedenen Bereichen weitergebildet, unter anderem habe ich meine Trainer-A-Lizenz gemacht und bei einigen Klubs hospitiert. Es waren bis zum Schluss tatsächlich mehrere Optionen für mich denkbar, auch wenn ich nach rund einem halben Jahr festgestellt habe, auf jeden Fall im Fußball bleiben zu wollen.

SPOX: Stimmt es, dass Sie während dieser Zeit sogar eine Weile lang an der Seitenlinie standen?

Baumann: Ja, ich war Co-Trainer im Jugendfußball. Das hat mir auch viel Spaß gemacht.

SPOX: Wieso haben Sie das dann nicht weiterverfolgt?

Baumann: Das war eine ernsthafte Option, doch dann kam sehr plötzlich das Angebot von Werder. Nach einem Tag Bedenkzeit habe ich mich dann dafür entschieden, doch wieder zurück in den Managementbereich zu gehen.

SPOX: Was wäre gewesen, wenn es dieses Angebot nicht gegeben hätte?

Baumann: Es gab einige andere Anfragen. Auch bei Werder gab es ein, zwei weitere Optionen, um dort in einer anderen Funktion tätig zu sein. Das hätte sich dann wohl im Mai oder Juni entschieden.

SPOX: Letztlich sind Sie nun in einer Funktion zurückgekommen, die um ein Vielfaches mehr an Arbeit und Verantwortung mit sich bringt.

Baumann: Man musste mich nicht dazu überreden. Ich habe mich intuitiv für Werder entschieden, da spielte schon auch das Bauchgefühl eine Rolle. Zuvor gab es einen Austausch mit Familie und anderen Nahestehenden. Da war das Feedback gemischt, da bin ich ehrlich. Mein ehemaliger Berater hat mir beispielsweise davon abgeraten. Nicht, weil er es mir nicht zutraute, sondern da er weiß, was alles dahinter steckt und man auch ein Stück weit Lebensqualität aufgibt. Ich habe dennoch gegen seinen Rat entschieden, was auch schon zu Spielerzeiten häufiger vorgekommen ist. Er ist ja auch Berater und nicht Entscheider. (lacht)

Seite 1: Baumann über die Treue zu Bremen, Werders plötzliches Angebot und den Rat seines Beraters

Seite 2: Baumann über Skripniks Entlassung, die Gnabry-Gerüchte und den Wunsch-Investor

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