VfL Wolfsburg entlässt Dieter Hecking

14. Kraft der Liga - Tendenz fallend

Dienstag, 18.10.2016 | 12:49 Uhr
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Nach sieben Spieltagen hat der VfL Wolfsburg die Reißleine gezogen und seinen Trainer Dieter Hecking entlassen. Die Entwicklung der letzten Monate führte unweigerlich zu diesem Schritt. Eine einzige Personalie erwies sich als Genickbruch.

Am 30.05.2015 war die Welt des VfL Wolfsburg noch in Ordnung. Gerade hatte man den BVB im DFB-Pokalfinale hochverdient mit 3:1 bezwungen und so seine Ambitionen als zweite Kraft des Landes untermauert.

Obendrein war es nicht nur der erste Pokalsieg in der Vereinshistorie, auch für Coach Dieter Hecking war es die wichtigste Trophäe seiner Karriere.

"Wolfsburg hat das Potenzial, die zweite Kraft hinter Bayern zu werden", prognostizierte selbst Joachim Löw. Rund 16 Monate später ist der VfL vom FCB so weit entfernt wie Lothar Matthäus vom Cheftrainerposten der Nationalmannschaft.

Nach einem desaströsen Saisonstart dümpelt der VfL mit mageren sechs Punkten auf Rang 14 der Liga. Einzig der Auftakt gegen Augsburg gelang, seitdem hagelte es drei Niederlagen. Drei tor- und trostlose Remis kommen hinzu.

Entlassung alternativlos

"Menschlich tut mir dieser Schritt sehr leid", erklärte Klaus Allofs, der angesichts der Talfahrt allerdings zum Handeln gezwungen war: "Wir haben in den intensiven fast vier Jahren eng und erfolgreich zusammengearbeitet, mit dem Gewinn des DFB-Pokals und der Vize-Meisterschaft 2015 als Höhepunkt einer bis dahin kontinuierlich nach oben führenden Entwicklung."

Doch wie ist der rasante Abstieg zu erklären? Eine entscheidende Rolle in diesem Geflecht hat Kevin De Bruyne. Der Belgier führte die Fäden des Wolfsburger Spiels zusammen und schulterte seine Kollegen bis zu seinem Abschied nach der Vizemeisterschaft. Seitdem der Belgier weg ist, fehlt der X-Faktor.

Die Alarmglocken müssen in der Autostadt seit der Saison 2015/16 durchgehend und laut schrillen. Denn die Wölfe wurden nicht nur als FCB-Jäger abgehängt, sondern verpassten sogar das internationale Geschäft.

"Wir können eine der besten vier Mannschaften in Deutschland werden. Wenn man uns eingebettet in den finanziellen Verhältnissen in Deutschland sieht, ist das realistisch", gab sich Klaus Allofs am Saisonende 15/16 im SPOX-Interview fast schon trotzig kämpferisch. Doch nachdem zuvor bereits die Titelanwärter-Rolle ad acta gelegt wurde, geht der Abstieg stetig weiter.

Torgefahr ist Mangelware

So mangelt es den Wölfen an einer eigenen Spielidee. Wo beim Rekordmeister erdrückender Ballbesitz steht und der BVB mit überfallartigem Umschaltspiel brilliert, irrt Wolfsburg häufig ideenlos über das Grün. Reaktion statt Aktion. Da passt es ins Bild, dass das Hecking-Team bereits satte vier Mal ohne eigenen Torerfolg blieb.

Torgefahr ist Mangelware - das Spiel gegen Leipzig dient nicht nur als jüngstes, sondern auch als eines der besten Beispiele.

"Natürlich bin ich enttäuscht, aber es gehört als Trainer in diesem Geschäft dazu, dass man mit einer Trennung rechnen muss, wenn die Erfolge ausbleiben", kommentierte Hecking seine Entlassung. Eine Überraschung ist diese freilich nicht, um genau zu sein, war sie sogar überfällig. Denn bereits nach der laschen Leistung am Wochenende stellte der scheidende Coach bereits selbst fest: "Wenn du keine Spiele gewinnst, hast du auch keine Argumente."

Bleibt eigentlich nur die Frage, wann auch die Arbeit von Klaus Allofs hinterfragt wird, denn dessen Argumente schwinden nach teuren, aber doch etwas konzeptlosen Transfers allmählich ebenfalls. Der Rekord-Einkauf Julian Draxler, der in diesem Sommer nur mit Mühe in Niedersachsen gehalten werden konnte, versinkt förmlich in den Fußstapfen von KDB. Auch Mario Gomez erfüllt die Erwartungen bislang nicht und hat noch keinen Treffer auf dem Konto.

Was der VfL in der jetzigen Situation - und wohl schon seit einem guten Jahr - wieder braucht, ist eine klare Linie. Sonst gelingt die ersehnte Wende trotz der unbestreitbar hohen individuellen Klasse im Kader nicht und Platz 14 bleibt nicht nur eine Momentaufnahme.

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