Tabelle macht Kopf kaputt

SID
Montag, 31.10.2016 | 16:03 Uhr
Der HSV hat ziemlich viele Probleme: keine Punkte, keinen Plan und vorübergehend keinen Wood
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Konfuzius Sakai bringt die Situation des HSV auf den Punkt. Dass die nicht so vorzüglich ist, wird im Text erklärt. Sonst noch? Lewandowski heftet sich an die Fersen von Klaus und Klaus - und Dortmund serviert Magerquark. Lobend erwähnt seien Toni Modeste, die Breisgau-Micky-Mäuse, Hoffe und Mo Zidan.

Doppelt hält besser: Gegen Augsburg (3:1) hat Robert Lewandowski seinen 28. Doppelpack* - obacht! - geschnürt. Nur sechs Spielern gelangen in der Geschichte der Bundesliga mehr. Und die wären: Klaus Pizarro (29), Klaus Allofs (30), Klaus Fischer (32), Klaus Burgsmüller (34), Klaus Heynckes (41) und - na klar! - Klaus Müller (55).

*Kleine Anmerkung: Es zählen nur reine Doppelpacks. Wenn ein Spieler mehr als zwei Tore in einem Spiel erzielt hat, wie Lewandowski vergangene Saison gegen Wolfsburg (da waren's ja 5) zählt das nicht in diesem Ranking.

Bekloppte Statistik: Lewandowski hat jetzt übrigens die 34 voll. Das soll heißen, dass er an allen 34 Bundesligaspieltagen mal irgendwann ein Tor geschossen hat. Sprich: Er hatte bislang in sechs Saisons jeweils am 9. Spieltag Ladehemmung, war gesperrt oder verletzt oder sonst wie verhindert. Kommunion, Friseur,...

Carlo > Pep oder Carlo < Pep? Die richtige Antwort lautet: weder noch. Nach neun Spieltagen steht der FC Bayern unter Ancelotti genauso bei 23 Punkten wie in Guardiolas Debütsaison 2013/14 zum gleichen Zeitpunkt.

RBL > FC Bayern? Nicht ganz, denn die Sachsen haben ja nur 21 Punkte zusammengespielt. In einer anderen Kategorie sind sie aber mit den Münchenern auf Augenhöhe, denn beide Teams sind die einzigen Neulinge in der fürchterlich langen Bundesliga-Geschichte, die nach neun Spieltagen diese Punktzahl erreichen konnten. Oder anders: Der FCB von 1965 stand zum gleichen Zeitpunkt seiner Premierensaison genauso gut da wie RBL anno 2016.

Nicht existent: Pierre-Emerick Aubameyang war in den ersten 31. Minuten des 171. Revierderbys am Samstag gegen Schalke (0:0) genau zweimal am Ball. Dazu passt ganz gut, dass der BVB erstmals seit detaillierter Datenerfassung (Sommer 2006) ohne einen einzigen Torschuss in der ersten Halbzeit blieb.

Diät: In unserem Fußball-Tagesticker aka RUDB merkte ein User an: "Findet ihr die Offensive des BVB auch so mager wie das Abendbrot von Thomas Tuchel?" Jetzt wissen wir nicht exakt, was sich Dortmunds Trainer aufs Vesperbrettchen packt, aber viel wird's wohl tatsächlich nicht sein. Und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass Schwarzgelb derzeit nicht gerade Tore am Fließband produziert. 16 waren es nach fünf Spieltagen, vier weitere Törchen sind in den folgenden vier Partien nur dazugekommen.

Apropos Diätfußball: Der BVB war mit seinem blutarmen Angriffsvortrag am Wochenende überhaupt nicht allein, sondern voll im Trend. Sechs weitere Teams brachten in Halbzeit eins nämlich keinen Ball auf des Gegners Kasten, darunter der designierte Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig sowie der Westdeutsche Meister von 1920, Borussia Mönchengladbach.

Manu schnupft Raimond: Beim 3:1 in Augsburg hat Manuel Neuer zum 269. Mal in der Liga den Bayernkasten gehütet. Damit ist er vor Raimond Aumann (268) jetzt die neue Nr. 3 unter den Bayern-Keepern mit den meisten Einsätzen. Irre! Fehlen nur noch 316 Spiele zu Sepp Maier und 363 zu Oliver Kahn. Come on, Manu!

Micky Maus: Muss man ja mal feiern. Fünf Siege aus neun Spielen sind phänomenal für einen Klub mit Micky-Maus-Etat und Spielern, die kein Schwein kennt. Beim 3:1 in Bremen hat's endlich mit den ersten Auswärtspunkten der Saison geklappt. Weiter so!

Apropos namenlos: Maximilian Philipp kennt man ja jetzt schon ein wenig. Freiburgs Goalgetter hat mal eben fünf Tore in acht Spielen aufgelegt. Bei seinen 26 Einsätzen zuvor kam der gebürtige Berliner lediglich auf einen einzigen Torerfolg.

Immer wieder Toni: Anthony Modeste schaffte beim ungleichen Duell mit dem HSV (3:0) den ersten Kölner Hattrick seit dem 17. Mai 1997. Damals war es auch ein Toni. Toni Polster. Der Österreicher schoss AUSGERECHNET dem HSV die Lichter aus. Für die Treffer zum Zwei-, Drei-, Viernull brauchte er keine 19 Minuten. Damals wurden die Kölner am Saisonende übrigens Zehnter.

Gelebter Pazifismus: Seit 596 Minuten ist der HSV inzwischen ohne Bundesligator - und musste schmerzlich erfahren: Halle ist nicht Köln und Benjamin Pintol nicht Anthony Modeste. Die knapp 600 Minuten sind übrigens Vereinsrekord für den Liga-Dino. Hier noch die Liste aller HSV-Torschützen dieser Spielzeit: Bobby Wood.

Apropos Wood: Der is ja jetzt gesperrt.

Mehr als zwei: Wer den Schaden hat, braucht bekanntlich für den Spott nicht selbst zu sorgen, der kommt gratis um die Ecke. Bei Twitter hat einer sinniert, seine Kinder zu Halloween in HSV-Kostüme zu stecken, um Leute zu erschrecken. Ein anderer fotomontierte ein Flugzeug mit HSV-Logo und der Aufschrift "TabellenletztAIR". Jetzt kann man sich natürlich noch lauter Sachen überlegen, von denen der HSV mehr hat als Punkte und Tore (je 2): Platzverweise zum Beispiel (3). Neuzugänge, die 5 Millionen aufwärts gekostet haben (3). Da würde einem sicher auch noch mehr einfallen, aber jetzt langt's. Nur noch eben das Spruchband der HSV-Fans vom Pokalspiel in Halle unter der Woche: "Absteiger und Pokalsieger - Hauptsache Aufstellen für Europa".

Japanische Weisheit: "Blick auf Tabelle macht Kopf kaputt", sagte nicht Konfuzius, sondern Gotoku Sakai. Deshalb besser nicht hinschauen, HSV. Am nächsten Spieltag gastiert mit Borussia Dortmund immerhin ein gern gesehener Aufbauhelfer in Hamburg. 3:2, 3:0, 0:0, 3:1 endeten die letzten vier Heimspiele des Dinos gegen Schwarzgelb. Mehr gutes Omen geht nicht, denken Sie? Doch! Auf der Tribüne im Volkspark sitzt Uwe Seeler, ist auf den Tag 80 Jahre alt und drückt die Daumen.

Bonny und Clyde oder so: Langsam reicht's mit dem HSV, aber einen haben wir noch: Besagter HSV und der FC Ingolstadt sind erst das vierte Kellerpärchen, das nach neun Spieltagen noch ohne Sieg dasteht. Und die Vorgänger hatten mehr Punkte. Der HSV hat ja zwei, falls das noch nicht klargeworden sein sollte. Ingolstadt auch. Davor waren es: 1860 und Duisburg (1994/3 und 2 Punkte), Nürnberg und Freiburg (2013/6 und 5 Punkte) sowie Freiburg und Bremen (2015/5 und 4 Punkte). Statistisch gesehen steht übrigens zu 100 Prozent fest: Einer der beiden steigt ab, der andere rettet sich.

Verhuscht und zugenäht! Es ist ein Kreuz mit dem VfL Wolfsburg. Erst hatten sie kein Glück, dann keine Ergebnisse, dann kein Selbstvertrauen. Ohne Selbstvertrauen kannste natürlich keine Ergebnisse holen - und ab und an fehlt auch das nötige Quäntchen Glück. Aber Glück, das weiß der Bundesliga Consumer, muss man sich verdienen. Wer also in einem Heimspiel ab der 37. Minute versucht, ein 1:0 irgendwie über die Ziellinie zu zittern, der steht am Ende eventuell dumm da. Oder nicht nur eventuell, sondern sogar tatsächlich, wie der VfL am Samstag gegen Leverkusen. Der statistische Wert dazu: Die Wölfe gaben nach Arnolds Führungstreffer keinen einzigen Torschuss mehr ab, bis sich Yannick Gerhardt in der Nachspielzeit ein Herz fasste. Da war's allerdings schon zu spät.

Wie einst Bobasivic: Hoffenheim hat jetzt fünf Spiele in Folge gewonnen. Das gab's in der noch jungen Bundesligageschichte der Kraichgauer schon mal - und zwar in der Premierensaison 2008/09, als Ralf Rangnick Trainer war und Ba, Obasi, Ibisevic und - nicht zu vergessen - Carlos Eduardo alles kurz und klein wirbelten. Auch dank dieser Siegesserie vom 7. bis einschließlich 11. Spieltag holte sich Hoffenheim als Aufsteiger damals den beliebten Titel des Herbstmeisters.

Malli jagt Zidan: Yunus Malli markierte beim 2:0-Sieg gegen Ingolstadt sein 28. Bundesligator für Mainz 05. In der Geschichte der Nullfünfer wird das nur von Mo Zidan getoppt (29). Man muss allerdings erwähnen, dass der Ägypter Zidan für seine 29 Hütten nur 53 Spiele gebraucht hat, was einer Quote entspricht, die wir hier nicht exakt ausrechnen wollen, die aber überaus prima ist. Malli hat schon 122. Mal für Mainz in der Buli gespielt. Platz 3 im Ranking belegt übrigens der amtierende Premier-League-Meister Shinji Okazaki mit 27 Toren.

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