Spielerberater Daniel Minovgidis im Interview

"Raiola ist ein Vorbild in der Branche"

Mittwoch, 12.10.2016 | 14:48 Uhr
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Mit 23 Jahren ist Daniel Minovgidis der jüngste Spielerberater der Bundesliga. Mit SEG Football vertritt er unter anderem die Interessen von Augsburgs Stürmer Alfred Finnbogason. Im Ausland gehören Memphis Depay und Robin van Persie zu den bekanntesten Klienten der Agentur. Im Interview spricht Minovgidis über das verpönte Image der Branche, Mino Raiola und Jorge Mendes sowie den Berater-Alltag und moralische Bedenken.

SPOX: Herr Minovgidis, das Sommertransferfenster ist seit einigen Wochen geschlossen. Wie kann man sich die tägliche Arbeit eines Spielerberaters während der Saison überhaupt vorstellen?

Daniel Minovgidis: Ein normaler Berater-Alltag lässt sich schwer beschreiben, weil täglich neue Herausforderungen warten. Jede Phase der Saison hat ihre Besonderheiten. Das macht den Job gleichzeitig so interessant. Zu den Hauptaufgaben zählen die intensive Pflege und der Ausbau des eigenen Netzwerks, die Betreuung seiner Klienten sowie der regelmäßige Austausch mit den Vereinen.

SPOX: Und während eines offenen Transferfensters?

Minovgidis: Der Markt ist ständig in Bewegung und man muss stündlich up to date sein. Vereine reagieren auf Verletzungen oder wollen nochmal nachlegen. Andere warten auf den passenden Moment, um einen Spieler mit höherer Qualität zu verpflichten. Als Berater muss man hierbei kühlen Kopf bewahren und Chancen frühzeitig erkennen. Das gilt aber über die ganze Saison hinweg, denn Transfers werden heutzutage bereits oft im Vorfeld abgewickelt.

SPOX: Wie kann man sich die letzten Stunden vor Transferschluss vorstellen? Dreht man da fast durch?

Minovgidis: Als Berater hofft man natürlich, seine Aktivitäten möglichst früh abgeschlossen zu haben. Muss dennoch ein Last-Minute-Deal her, sollten alle benötigten Transfer-Dokumente bereits frühzeitig vorgefertigt werden. Auch ein Transfer in letzter Minute ist meist das Ergebnis wochenlanger Arbeit und passiert in der Regel nicht ohne Vorgespräche.

SPOX: Viele Spieler verweisen bei Transfer- und Vertragsfragen scheinbar ahnungslos immer wieder auf ihren Berater. Von welchen Angeboten oder Anfragen setzen Sie Ihre Klienten überhaupt in Kenntnis?

Minovgidis: Grundsätzlich ist es meine Aufgabe und Pflicht, den Spieler über alle Anfragen in Kenntnis zu setzen. Rausgefiltert werden jene, die für ihn aber per se nicht infrage kommen. All das wird im Vorfeld genau abgesprochen. Da geht es nicht nur um finanzielle Vertragsangelegenheiten, sondern oft um das Thema Ausland. Spieler haben ihre Präferenzen, gerade wenn sie Familie haben.

SPOX: Wie läuft generell die Kommunikation mit einem Spieler ab? In welchen Angelegenheiten tritt er an Sie heran?

Minovgidis: Das ist unterschiedlich. Einige Spieler möchten sich über meine Arbeit als Berater informieren. Andere bitten mich, dass ich sie am besten gleich morgen an einen anderen Verein vermittle. Grundsätzlich muss es zwischenmenschlich passen. Das ist für mich die Grundlage einer produktiven Zusammenarbeit.

SPOX: Das Geschäftsfeld von Spielerberatern ist in der breiten Öffentlichkeit ziemlich verschrien. Hat Sie das beim Entschluss, selbst diese Richtung einzuschlagen, nicht beeinträchtigt?

Minovgidis: Natürlich trifft man bei der Recherche über die Branche auf die vielen Geschichten unseriöser Berater. Ich habe mich davon nicht beeinflussen lassen und mir selbst eine fundierte Meinung bilden wollen. Mein Fazit ist, dass es eben doch auch viele Berater gibt, die seriös arbeiten.

SPOX: Wie kommt man überhaupt dazu, Spielerberater zu werden?

Minovgidis: Dadurch, dass das ehemalige Lizenzierungsverfahren aktuell aufgehoben ist, kann jeder Spielerberater werden. Ich habe mich im Jahr 2013 für die damals noch gültige Spielervermittler-Lizenzprüfung angemeldet und diese bestanden. Dadurch war ich zunächst mit den Grundlagen der FIFA und den DFB-Regularien vertraut. Seitdem stehen intensives Netzwerken und der Austausch mit den handelnden Personen sowie Spielern an der Tagesordnung. Für mich gibt es keinen fertigen Spielerberater. Man lernt täglich dazu.

SPOX: Wie finden Sie sich mit 23 Jahren generell in der Branche zurecht? Hat es viel vom Haifischbecken?

Minovgidis: Konkurrenz gibt es auch in anderen Berufen und Geschäftsfeldern. Wenn man damit nicht umgehen kann, sollte man gar nicht erst versuchen, Spielerberater zu werden. Langfristig überlebt man in diesem Geschäft meiner Ansicht nach nur mit seriöser Arbeit. Letzten Endes bewertet nicht die Öffentlichkeit die eigene Arbeit, sondern die Spieler und Vereine. Die Entwicklungen auf dem Beratermarkt spielen daher nur eine Nebenrolle.

SPOX: Berater wie Mino Raiola oder Jorge Mendes haben weltweit Bekanntheit erlangt - teils auch durch ihre nicht unumstrittene Verhandlungsführung. Sind sie für jeden Spielerberater gerade wegen dieser Gewieftheit aber ein Stück weit auch Vorbilder?

Minovgidis: Raiola und Mendes verfügen über jahrelange Erfahrung im Geschäft und machen einen sehr guten Job. Mit Klienten wie Paul Pogba oder Cristiano Ronaldo kann man sich natürlich eher mal einen lockeren Spruch erlauben. Aber das haben sich beide mit viel Fleiß erarbeitet. Was das angeht, sind sie sicherlich Vorbilder in der Branche - auch für mich.

Seite 1: Minovgidis über Berater-Aufgaben, Kontakt zu den Spielern, das Branchen-Image und Raiola

Seite 2: Minovgidis über Talent-Scouting, Markenwerte und moralische Bedenken

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