"Dortmund fehlen die Typen"

Von Interview: Martin Schultheiss
Donnerstag, 25.08.2016 | 18:00 Uhr
Michael Ballack spricht Borussia Dortmund die Typen ab
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Vier Jahre lang spielte Michael Ballack beim FC Bayern München, zudem lief er für den FC Chelsea unter Carlo Ancelotti auf. Daher kann der ehemalige DFB-Kapitän auch bestens beurteilen, ob die Ehe zwischen dem Italiener und den Bayern halten kann. Zudem äußert er sich über die Rückkehr von Uli Hoeneß und spricht über Mario Götze, den BVB und die Erwartungen an Mats Hummels an der Säbener Straße.

SPOX: Herr Ballack, am Freitag startet die Bundesliga-Saison. Der FC Bayern München konnte zuletzt vier Mal in Folge den Titel holen, das ist Rekord. Warum werden die Bayern in diesem Jahr wieder Meister?

Michael Ballack: Die Frage ist richtig formuliert. Es stellt sich nicht die Frage ob, sondern warum die Bayern den Titel wieder holen werden. Der FC Bayern hat einfach diese immense Überzeugung und in den letzten Jahren ganz viel richtig gemacht, sodass man weit, weit vor den anderen Teams in der Liga steht. Zudem haben die Münchner die finanziellen Mittel, um fast schon mit zwei ausgeglichenen Mannschaften in die Saison zu gehen. Trotz der vielen Erfolge in den letzten Jahren, schaffen es die Bayern immer wieder, die Motivation hochzuhalten und in fast jedem Spiel sehr dominant aufzutreten, was auch eine spezielle Klasse ist und einzigartig in der Bundesliga. Selbst in der Champions League gehört man zu den Top-Favoriten. Für die heimische Konkurrenz sehe ich da in den nächsten Jahren keine Schwächeperiode, ganz im Gegenteil. Der FC Bayern ist immer haushoher Favorit.

SPOX: Mit Carlo Ancelotti steht ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Warum ist dies die richtige Entscheidung des Rekordmeisters?

Ballack: Er ist ein Trainer, der zum FC Bayern wie die Faust aufs Auge passt. Ich habe unter ihm beim FC Chelsea zwei Titel geholt und kann sagen, dass Ancelotti das komplette Paket mitbringt. Er ist eine natürliche Autoritätsperson, bringt genügend Erfahrung mit und hat zudem das Weltmännische, das ein Trainer braucht. Dennoch schafft er es, einen exzellenten Draht zu den Spielern aufzubauen und ihnen die nötige Wärme zu geben. Es ist möglich, dass der eine oder andere Akteur unter ihm wieder aufblüht, weil es für einen Fußballer Motivation ist, mit solch einem Top-Coach zusammenzuarbeiten. Vielleicht lässt er wieder einen etwas anderen Fußball spielen, der aber ähnlich erfolgreich ist. Ich gehe davon aus, dass die Zusammenarbeit zwischen Ancelotti und dem FC Bayern hervorragend passen wird.

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SPOX: Auch an der Spitze wird es wohl zu einer Veränderung kommen. Uli Hoeneß kandidiert wieder als FCB-Präsident. Warum braucht der FC Bayern einen Mann wie ihm?

Ballack: Er hat den FC Bayern über viele Jahre geprägt wie kein Zweiter, er hat einen riesen Anteil daran, dass die Bayern heute da stehen, wo sie stehen. Allerdings muss man abwarten, welcher Uli Hoeneß nach seiner ungewollten Auszeit zum FCB zurückkehrt. Ich denke, man sollte nicht erwarten, dass man den selben Hoeneß vorfindet. Fakt ist, dass Hoeneß dem Verein gut tut, sonst hätten sich nicht alle Beteiligten für seine Rückkehr ausgesprochen. Ich denke, da ist von Hoeneß' Seite ein Stück weit Liebe im Spiel, weil ihm der Verein alles bedeutet. Es war wohl auch sein Herzenswunsch zurückzukehren und wir wissen, wenn man etwas liebt, geht man behutsam damit um.

SPOX: Zurück zum Sportlichen. Neuer Trainer, dazu neue Spieler. Wie beurteilen Sie die Verpflichtungen von Mats Hummels? Gemeinsam mit Jerome Boateng und Manuel Neuer dürfte der FC Bayern doch kaum zu überwinden sein ...

Ballack: Es sieht zumindest auf dem Papier so aus, als sei es fast unmöglich, ein Tor gegen die Bayern zu erzielen. Allerdings muss man auch vorsichtig sein bei solchen vermeintlichen Top-Pärchen. Im Fußball kann es ganz schnell gehen, da verletzt sich mal einer, dann hat der Trainer andere Vorstellungen oder auf anderen Positionen hakt es und schon läuft es nicht mehr. Aber auf den ersten Blick ist die Verpflichtung von Hummels ein richtungsweisender Kauf, zudem hat man den Gegner entscheidend geschwächt. Der FC Bayern ist nun auf der Innenverteidigerposition überragend besetzt. Das war in der Vergangenheit nicht immer der Fall. Hummels und Boateng? Das sucht in Europa seinesgleichen. Dahinter hat man noch Manuel Neuer, einen absolut überragenden Torhüter. Es ist vorstellbar, dass sie den Rekord mit den wenigsten Gegentoren einstellen.

Seite 1: Ballack über Bayerns Stärke, Hummels und Hoeneß

Seite 2: Ballack über den BVB, Götze und Leverkusen

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