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Mittwoch, 24.08.2016 | 13:43 Uhr
Christian Heidel und Markus Weinzierl sollen wieder Ruhe in das Schalker Umfeld bekommen
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Nach der Achterbahn-Saison 2015/16 sehnt sich der FC Schalke 04 in der neuen Spielzeit nach Kontinuität. Dabei erinnert vor dem 1. Spieltag Einiges an die letzte Saison, als Königsblau zwar einen guten Start feierte, dann aber mitunter im Chaos versank. Christian Heidel ist besonders gefragt - und der neue Manager krempelt den Verein ordentlich um.

Die Euphorie war groß auf Schalke. Fünf Siege aus den ersten sieben Spielen. Bester Saisonstart seit 44 Jahren, belohnt mit Platz drei. Die Fans witterten schon Champions-League-Luft.

"Zurzeit macht die ganze Mannschaft großen Spaß", schwärmte der damalige Manager Horst Heldt. "Sie spielen mit Herz, schmeißen sich in jeden Ball rein. Wir sind gierig", ergänzte Coach Andre Breitenreiter.

Ende September 2015 lachte die Sonne über Gelsenkirchen. Doch binnen weniger Wochen bewiesen die Knappen, dass sie so etwas wie die Meister der Selbstzerstörung sind. Über dem Ruhrpott zogen schwarze Gewitterwolken auf. Aus im Pokal, nur ein Dreier in den nächsten sieben Ligaspielen und der Absturz auf Rang acht verdüsterten die Stimmung.

Von allen Seiten prasselte Kritik ein - auch intern lag einiges im Argen. "Uns fehlt ein Knipser wie ihn jeder andere Top-Verein hat", nahm sich Breitenreiter den Hunter und Neuzugang di Santo zur Brust.

Aus Mainz gab es erste Stimmen, dass ein Angebot für Christian Heidel eingetrudelt war und Schalke Teil der Verlosung ist - die unerträgliche Saga um Horst Heldt war geboren. Die Anfangseuphorie wich einer Krise und das fragile Gebilde namens Schalke 04 bröckelte förmlich vor sich hin. Das Chaos war (mal wieder) perfekt.

Bundesligauntaugliche Umstände bei Heidels Ankunft

Rund ein Jahr später strahlt der Himmel über Gelsenkirchen wieder königsblau. Eben jener Christian Heidel hält als Vorstand Sport und Kommunikation die Zügel straff in der Hand. Markus Weinzierl, der mit dem finanziell weniger potenten FC Augsburg für Furore gesorgt hatte, trat die Breitenreiter-Nachfolge an. Endlich beschleicht einen das Gefühl, dass auf Schalke seriös und nachhaltig gearbeitet wird.

Besonders die Aktivitäten auf dem Transfermarkt dürfen die rund 150.000 Mitglieder optimistisch stimmen. Zwar musste Königsblau Leroy Sane nach Manchester ziehen lassen, doch der Transfer spülte Schalke die Rekordsumme von 50 Millionen Euro in die Kassen.

Im Gegenzug wurden nicht nur Naldo, Baba und Coke geräuschlos und zum Teil überraschend nach Nordrhein-Westfalen gelotst, sondern mit dem umworbenen Breel Embolo für etwa 22,5 Millionen Euro die teuerste Neuverpflichtung der Klubgeschichte an Land gezogen. Die letzte verbliebene Baustelle im defensiven Mittelfeld wird allem Anschein nach der algerische Nationalspieler Nabil Bentaleb schließen.

Dabei fand Heidel bei seinem Amtsantritt bundesligauntaugliche infrastrukturelle Umstände vor und krempelte den Laden in seinen ersten Monaten ordentlich um. "Hier hat Schalke 04 einen großen Rückstand aufzuholen, nicht nur einen Rückstand auf Klubs, die in der Tabelle über uns liegen, sondern auch darunter", sagte der 53-Jährige auf der Mitgliederversammlung im Juni über den viertgrößten Klub Europas. "In den ersten vier Wochen wurden alte Wände rausgerissen, neue Wände eingezogen, die Profis haben sich heute bereits gewundert."

Nachhaltigkeit als Erfolgskonzept

Im Winter sollen die ersten Mängel behoben sein und Weinzierl die bestmöglichen Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. "Christian Heidel weiß, an welchen Stellschrauben man drehen kann. Es imponiert mir, dass er dann vom ersten Tag an total zielstrebig Vollgas gegeben hat. Daher gibt es ja in dieser doch recht kurzen Zeit schon so viele Veränderungen", berichtet auch Keeper Ralf Fährmann im Interview mit SPOX.

Schalke befindet sich im Umbruch. Soweit ist das nicht neu. Doch diesmal scheint er nachhaltig Früchte zu tragen. Selbst der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies, der in der Vergangenheit häufig den Zeigefinger hob, hält sich auffallend zurück.

"So kenne ich Schalke gar nicht. Ich finde das aber beeindruckend und wunderbar, denn es tut uns allen wahnsinnig gut, wenn hier Ruhe im Karton herrscht. Ich glaube, da spreche ich auch für unsere Fans", freut sich auch Fährmann.

Aber all die guten Vorsätze und Verbesserungsansätze verpuffen - wie in den letzten Jahren - im Nichts, wenn Schalke beim ersten Gegenwind wieder in Panik verfällt wie ein Kreisligakicker beim Warnruf 'Hintermann'.

Heidel tut deshalb gut daran, jetzt schon zu fordern, "dass man nicht direkt umfällt und alles infrage stellt, wenn es mal Rückschläge gibt". Andernfalls werden Heidel und Weinzierl irgendwann im Laufe der Saison von der Vergangenheit eingeholt, und interne wie externe Störfeuer hemmen den sportlichen Erfolg.

"Kann nur mit euch funktionieren"

"Ich kann mir gut vorstellen, dass das wieder passieren wird. Ich kenne es ja auch gar nicht anders", erwartet Fährmann beinahe schon einen ähnlichen Verlauf wie in der abgelaufenen Saison. Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken, will Heidel ein Umdenken vorantreiben.

Dem negativ konnotierten "typisch Schalke" soll ein positiver Anstrich verpasst werden. "Dieses 'typisch Schalke' muss künftig für etwas anderes stehen, als sich selbst auf den Arm zu nehmen. Wir müssen wieder einen Stolz für diesen großen Verein entwickeln, auf Siege hoffen und keine Niederlagen erwarten, ein neues Schalke-Gefühl entwickeln", fordert Heidel.

Da der Manager weiß, dass es auf Schalke ohne die Fans kein Schalke-Gefühl geben kann, holt er für sein Anliegen auch die Anhänger ins Boot: "Ich werde morgens einer der ersten und abends einer der letzten sein, die gehen. Funktionieren kann es nur mit euch. Um diese Unterstützung bitte ich euch."

Schalke hat einen vielversprechenden Weg eingeschlagen und die federführenden Positionen mit dem Duo Heidel/Weinzierl erstklassig besetzt. Das Selbstverständnis des Vereins soll künftig nicht mehr von internen Reibereien und sportlichen Krisen dominiert werden, sondern für Leidenschaft, Kampfeslust, Kumpel-Verein und einmalige Fankultur stehen.

Allerdings bleibt Schalke nun mal Schalke und es ist nie auszuschließen, dass alte Verhaltensmuster wieder zu Tage treten und die sportliche Entwicklung gefährden. Typisch Schalke eben.

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