"Bin nicht wieder auf die Beine gekommen"

Von Interview: Daniel Herzog
Mittwoch, 24.08.2016 | 19:00 Uhr
Christian Pander ist nach seinem Vertragsende bei Hannover nach wie vor ohne Klub
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Christian Pander hat nach wie vor noch kein neues Team gefunden, eine erneute Verletzung hat den ehemaligen Nationalspieler wieder einmal zurückgeworfen. Mit SPOX sprach er über das Thema Sportinvalidität, seinen schwierigen Weg zurück, den FC Schalke 04 unter Horst Heldt und Hannovers neuen Trainer Daniel Stendel.

SPOX: Herr Pander, als Ihr Vertrag bei Hannover 96 im vergangenen Sommer auslief, kündigten Sie an, Ihre Karriere noch nicht an den Nagel hängen zu wollen. Seitdem ist es etwas ruhig um Sie geworden. Was treiben Sie momentan?

Pander: Es ist aktuell eine sehr schwierige Situation. Ich bin noch in der Reha, aber gleichzeitig laufen auch andere Sachen, die in andere Richtungen gehen. Mittlerweile zieht sich meine Verletzung nun auch schon wieder ein Jahr und da werde ich jetzt in den nächsten Wochen und Monaten auf jeden Fall Entscheidungen treffen, ob und wie es weitergeht.

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SPOX: Wie sehr beschäftigt Sie das Thema Sportinvalidität?

Pander: Sehr intensiv und das Thema begleitet mich auch schon ein paar Jahre, weil ich ja die erste schwere Verletzung schon mit 21 hatte und mich trotzdem immer wieder zurückgekämpft habe. Aber mit jeder neuen Verletzung spielt dieses Thema dann natürlich wieder eine Rolle. Bei mir war es eben sechsmal das Knie, das operiert werden musste. Da macht man sich natürlich schon seine Gedanken und schaut ein bisschen über den Tellerrand hinaus, was nach der Karriere ist und wie das dann mit dem Knie funktioniert. Ich möchte natürlich auch mit meinem Sohn noch im Garten kicken und wenn es dann irgendwann einfach gar nicht mehr geht, dann muss man eben einen Schlussstrich ziehen. Auch wenn das dann natürlich sehr bitter ist.

SPOX: Hatten Sie in den letzten Monaten Angebote von Vereinen vorliegen? Wenn ja, woran sind Engagements gescheitert?

Pander: Aktuell gibt es kein Angebot, dafür bin ich einfach auch schon zu lange raus. Ich hatte Angebote nach Ablauf der vergangenen Saison aber ich war eben auch nicht in der Lage, einen Medizincheck zu bestehen. Von daher hätte das auch gar keinen Sinn gemacht.

SPOX: Ist es für Sie generell denkbar, ein Angebot etwa aus der dritten Liga anzunehmen - zum Beispiel in Ihrer Heimatstadt Münster bei den Preußen?

Pander: Ausschließen kann man natürlich nichts, aber ich denke das liegt schon eher sehr fern.

SPOX: Also spielt der Gedanke Profifußball für Sie aktuell keine Rolle mehr?

Pander: Den Gedanken habe ich natürlich noch nicht ganz weg geschoben. Aber man muss sich die Realität vor Augen führen und die sieht eben nun mal so aus, dass ich jetzt seit 15 Monaten verletzt bin und in der Reha viel versucht habe. Ich wurde auch noch mal operiert, bin bis jetzt nicht wieder auf die Beine gekommen und ob das in absehbarer Zeit so sein wird, weiß ich eben nicht. Von daher kann ich nichts ausschließen aber eben auch keine gute Wasserstandsmeldung geben.

SPOX: Im Jahr nach Ihrem Abgang musste Hannover 96 den bitteren Gang in die 2. Liga antreten. Wie engmaschig haben Sie die Abläufe bei Ihrem Ex-Klub noch verfolgt? Waren Sie regelmäßig in Kontakt mit den ehemaligen Mitspielern und den Verantwortlichen?

Pander: Sehr viel. Ich habe mit Manuel Schmiedebach noch regen Kontakt, weil er einer meiner besten Kumpels in der Mannschaft war. Er ist jetzt Kapitän geworden und es freut mich ungemein, dass er dem Verein in dieser schweren Zeit beigestanden und seinen Vertrag auch für die zweite Liga verlängert hat. Natürlich verfolge ich die ganze Situation mit einem weinenden Auge. Die letzte Saison war alles andere als berauschend, das war auch schon in meinem letzten Jahr abzusehen. Da lief es auch nicht so gut und wir konnten uns gerade so noch retten. Das war einfach ein schleichender Prozess, der dann am Ende nicht mehr abzuwenden war. Ich hoffe natürlich, dass die Mannschaft diese Serie zum Start der zweiten Liga dann auch vollenden kann und nach einem Jahr direkt wieder aufsteigt. Der Verein und die Stadt hätten das sehr verdient.

SPOX: Trauen Sie dem Team den direkten Wiederaufstieg zu?

Pander: Also ich muss zugeben, vor der Saison hätte ich nicht darauf gewettet. (lacht) Ich dachte, dass es nach so einem großen Umbruch einfach dauern würde. Aber sie haben mit Daniel Stendel einen sehr guten Trainer. Ich habe ihn noch selbst kennengelernt, weil er zu meiner aktiven Zeit grade sein Trainer-Praktikum bei uns gemacht hatte. Er hat das Zeug dazu, die Mannschaft wieder in die erste Liga zu führen und wenn es so weitergeht kann sich ja keiner beschweren.

SPOX: Lassen Sie uns noch über Ihren anderen Ex-Klub sprechen. Was trauen Sie Schalke 04 in der neuen Saison zu?

Pander: Auch sehr viel, weil ich glaube, dass sie mit Christian Heidel einen sehr guten Manager dazubekommen haben. Ich glaube auch, dass das jahrelang eine Stelle war, ohne despektierlich klingen zu wollen, die nicht gut ausgefüllt war. Horst Heldt hat seine Sache im Rahmen dessen zwar sehr gut gemacht, aber vielleicht hat es eben einfach nicht gepasst und nicht gestimmt zu der Zeit. Jetzt hat man einen Cut gemacht. Man hat mit Markus Weinzierl einen neuen Trainer geholt. Man hat einen neuen Manager geholt und das sieht jetzt ganz gut aus. Ich kenne jetzt zwar nicht mehr so viele von den Jungs, Benedikt Höwedes aber ist einer der wenigen, mit denen ich noch Kontakt habe und der hält mich immer auf dem Laufenden.

SPOX: Wie sehr wird Schalke 04 der Wechsel von Leroy Sane zu Manchester City bei diesem Umbruch schmerzen?

Pander: Es schmerzt natürlich sportlich. Auf der anderen Seite, wenn man so ein finanzielles Angebot bekommt, ist es einfach so, dass man das machen muss. Da war so viel Geld im Spiel, dass es sportlich zwar weh tut, dafür kriegt man es aber auf der anderen Seite wieder gutgeschrieben und kann das Geld in gute Spieler reinvestieren. Es ist natürlich immer schade, dass so ein junger, talentierter Spieler, der aus dem eigenen Klub kommt, den Verein verlässt. Aber nichtsdestotrotz kommen da auch wieder welche nach.

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