Tönnies weiter im Aufsichtsrat

SID
Sonntag, 26.06.2016 | 19:35 Uhr
Die Mitglieder des FC Schalke 04 entschieden pro Clemens Tönnies
© getty
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Die Revolution auf Schalke ist ausgeblieben: Der mächtige und umstrittene Vereinsboss Clemens Tönnies ist auf einer phasenweise turbulenten Mitgliederversammlung der Königsblauen am Sonntag erneut in den Aufsichtsrat gewählt worden.

Tönnies, langjähriger Vorsitzender des Gremiums, setzte sich im Kampf um zwei freie Plätze als Kandidat mit den zweitmeisten Stimmen (5367) der vier Bewerber durch. Nur sein Vertrauter Peter Lange (5685) erhielt noch mehr Unterstützung der 9447 anwesenden Mitgliedern in der Arena.

Der milliardenschwere Fleischfabrikant Tönnies, seit 22 Jahren im Aufsichtsrat und seit 15 Jahren an dessen Spitze, geriet nicht ansatzweise in Gefahr. Die zur Wahl stehenden Neulinge Andreas Goßmann (1680 Stimmen) und Michael Stallmann (2565), von der Opposition im Aufsichtsrat bevorzugt, waren chancenlos.

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"Natürlich nehme ich die Wahl an. Wenn wir mit diesem neuen Sportvorstand, mit diesem Trainer, die PS auf die Erde kriegen, dann bricht eine völlig neue Zeit an", sagte Tönnies nach seiner Wiederwahl mit Blick auf den neuen Manager Christian Heidel und Coach Markus Weinzierl.

"Neues Schalke-Bild entwickeln"

Der Opposition und seinen zuletzt zahlreichen Gegnern vor allem aus den Reihen der Ultras, die ihm Profilierungssucht und Machtmissbrauch vorgeworfen hatten, machte Tönnies ein Friedensangebot: "Allen meinen Kritikern möchte ich die Hand reichen, damit wir zusammenstehen und die angreifen, die in der Tabelle vor uns stehen." Tönnies bekam danach sowohl Jubel als auch Pfiffe und wilde Buh-Rufe zu hören.

Aber vor allem für die Tönnies-Opposition in dem elfköpfigen Aufsichtsrat bedeutete der Vertrauensbeweis für Tönnies und Lange eine schallende Ohrfeige. Axel Hefer, Andreas Horn und Thomas Wiese hatten in einem monatelangen, schmutzigen Wahlkampf versucht, Tönnies zu beschädigen. Da sich das Trio am Sonntag nicht zur Wahl stellen musste und dem Aufsichtsrat weiter angehört, sind trotz gegenteiliger Beteuerungen durch Tönnies weitere Schlammschlachten programmiert.

Der neue Sportvorstand Heidel warnte ausdrücklich davor. "Wir müssen ein neues Schalke-Bild entwickeln, eine positive Grundstimmung", sagte der Ex-Mainzer, dessen kämpferische Rede viel Applaus hervorrief: "Ich freue mich riesig auf diese Herausforderung."

"Liebe unser Schalke"

Der neue Manager machte auch keinen Hehl daraus, dass er glücklich mit der Wiederwahl Tönnies' ist. "Erfolg ist immer von Kontinuität abhängig, in der Führung, beim Personal und ganz besonders bei Philosophie und Idee", sagte er. Auf Schalke fehle "ein wenig die Gesamtstrategie". Der Hoffnungsträger der mehr als 140.000 Schalker Mitglieder meinte: "Ich bin bis in die Haarspitzen motiviert. Wenn wir alle an einem Strang ziehen und das Wohl des Vereins über allem steht, dann ist Schalke 04 nur ganz, ganz schwer aufzuhalten."

Tönnies hatte in seiner Wahlrede auf das erfolgreiche vergangene Geschäftsjahr mit Rekordumsatz (264 Millionen Euro) und die voranschreitende Konsolidierung des noch immer hoch belasteten Vereins (knapp 150 Millionen Euro Verbindlichkeiten) verwiesen. Vor allem aber setzte er auf Emotionen. "Viele haben mich gefragt, 'warum tust Du Dir das an?' Ich liebe unser Schalke über alles, das ist der Grund, warum ich weitermachen will."

Einhelligen Jubel löste zu Beginn der Versammlung die Bekanntgabe der Verpflichtung von Supertalent Breel Embolo aus. 20 Millionen Euro und ein Fünfjahresvertrag für das von halb Europa gejagte Sturmjuwel des FC Basel, der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte - ein starkes Zeichen. Der Schweizer Nationalspieler, am Samstag bei der Euro im Achtelfinale im Elfmeterschießen an Polen gescheitert, trug in der Videobotschaft bereits das königsblaue Trikot.

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