Sonntag, 08.05.2016
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VfB Stuttgart: Der Tag nach dem Platzsturm

"Es geht um Anstand und Ehre"

Der VfB Stuttgart stürzt rasant dem zweiten Bundesliga-Abstieg nach 1975 entgegen. Nach der 1:3-Niederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 herrschte Fassungslosigkeit. Zudem gab es Tränen und Randale.

Als das Unfassbare praktisch zur Realität geworden war, brachen fast alle Dämme. Hunderte teils vermummte Fans stürmten den Platz und attackierten die Mannschaft, die entsetzten VfB-Profis mussten von Sicherheitskräften erst in die Katakomben und dann aus dem Stadion begleitet werden.

In Stuttgart liegen angesichts des drohenden zweiten Bundesliga-Abstiegs nach 1975 die Nerven blank. Aus eigener Kraft kann sich der fünfmalige deutsche Meister nicht mehr retten. Das 1:3 (1:1) der erschütternd schwachen Schwaben gegen Mainz hinterließ tiefe Spuren.

Noch lange nach Spielschluss gelang es Kapitän Christian Gentner nicht, den aufgebrachten Mob zu beruhigen. Sportvorstand Robin Dutt, der nach der Pleite Tränen in den Augen hatte, war auch am Sonntag noch geschockt: "Das hängt total nach und geht nicht spurlos an uns vorbei. Das berührt uns emotional sehr."

Dutt hat Verständnis für Fans

Während Präsident Bernd Wahler von einer "bedrohlichen Situation" sprach, zeigte Dutt sogar Verständnis für die VfB-Fans, die außer Rand und Band waren. "Dass die Wut und Enttäuschung der Fans unheimlich groß ist, muss man verstehen. Dass manche etwas über das Ziel hinausschießen, gehört dazu."

Die Attacke der eigenen Fans auf die Mannschaft war der Tiefpunkt an einem Nachmittag zum Vergessen für Stuttgart. Entsprechend fassungslos waren Dutt und Trainer Jürgen Kramny nach der fünften Niederlage in Serie und dem Absturz des VfB.

"Für uns ist das natürlich eine brutale Geschichte, sehr, sehr bitter", sagte Kramny mit leichenblasser Miene nach dem sportlichen Offenbarungseid seiner Mannschaft.

"Keine Leidenschaft, keine Gegenwehr"

"Keine Leidenschaft, keine Gegenwehr, eine Katastrophe", kritisierte der frühere VfB-Coach Jürgen Sundermann, der Stuttgart 1977 in die erste Liga zurückgeführt hatte.

"Das geht nicht, was wir abgeliefert haben", sagte auch Torwart Mitch Langerak, der sein Team vor einem Debakel bewahrt hatte. "Ich bin sprachlos, es tut mir leid", stammelte Weltmeister Kevin Großkreutz tränenüberströmt.

Der pure Frust: Platzsturm in Stuttgart
Beim VfB Stuttgart regiert der pure Frust: Nach gutem Start fiel der VfB gegen Mainz zuhause auseinander und verlor hochverdient mit 1:3
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Beim VfB Stuttgart regiert der pure Frust: Nach gutem Start fiel der VfB gegen Mainz zuhause auseinander und verlor hochverdient mit 1:3
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Damit waren die Schwaben sogar noch gut bedient - und mussten sich anschließend eine Standpauke der eigenen Fans gefallen lassen
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Damit waren die Schwaben sogar noch gut bedient - und mussten sich anschließend eine Standpauke der eigenen Fans gefallen lassen
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Die Polizei musste vor Ort für Ordnung sorgen. Einige Anhänger hatten angeblich auch versucht, in den Kabinentrakt des Stadions einzudringen, die Spieler wurden in die Katakomben geleitet
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Die Polizei musste vor Ort für Ordnung sorgen. Einige Anhänger hatten angeblich auch versucht, in den Kabinentrakt des Stadions einzudringen, die Spieler wurden in die Katakomben geleitet
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Schon kurz nach Spielende stürmten die Anhänger in Massen den Rasen und teilten dem Team den eigenen Unmut mit. Es war eine seltsame Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung
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Schon kurz nach Spielende stürmten die Anhänger in Massen den Rasen und teilten dem Team den eigenen Unmut mit. Es war eine seltsame Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung
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Wobei die Verzweiflung regierte: Der VfB muss am 34. Spieltag in Wolfsburg gewinnen und dann auf Frankfurter Schützenhilfe hoffen, um nicht direkt abzusteigen
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Wobei die Verzweiflung regierte: Der VfB muss am 34. Spieltag in Wolfsburg gewinnen und dann auf Frankfurter Schützenhilfe hoffen, um nicht direkt abzusteigen
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Bei den Fans sorgt diese Aussicht auf jede Menge Ratlosigkeit. Die Spieler stellten sich dem Anhang...
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Bei den Fans sorgt diese Aussicht auf jede Menge Ratlosigkeit. Die Spieler stellten sich dem Anhang...
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...auch wenn die Stimmung teilweise mehr als angespannt war
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...auch wenn die Stimmung teilweise mehr als angespannt war
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So manche VfB-Anhänger haben die eigene Mannschaft offenbar schon komplett abgeschrieben
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So manche VfB-Anhänger haben die eigene Mannschaft offenbar schon komplett abgeschrieben
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Auf Spieler-Seite war vor allem Kevin Großkreutz deutlich mitgenommen. Der Ex-Dortmunder gab nach dem Spiel ein emotionales Interview und entschuldigte sich bei den Fans
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Auf Spieler-Seite war vor allem Kevin Großkreutz deutlich mitgenommen. Der Ex-Dortmunder gab nach dem Spiel ein emotionales Interview und entschuldigte sich bei den Fans
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Doch Trost finden heute in Stuttgart wohl nur die wenigsten
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Doch Trost finden heute in Stuttgart wohl nur die wenigsten
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Dabei hatte für den VfB mit der Führung durch Christian Gentner (6.) alles gut begonnen. Doch im Laufe der Partie lösten sich die Stuttgarter in alle Einzelteile auf. "Die Beine und Köpfe waren richtig schwer", analysierte Dutt.

Yunus Malli (37.), Jhon Cordoba (54.) und Karim Onisiwo (77.) nutzten die eklatanten Schwächen des VfB aus. Der VfB muss nun beim Saisonfinale am Samstag beim VfL Wolfsburg gewinnen und ist zugleich auf ein passendes Ergebnis im Keller-Duell zwischen den VfB-Konkurrenten Werder Bremen und Eintracht Frankfurt angewiesen.

Was wird aus Dutt und Kramny?

Ein völlig geknickter Kramny machte am Samstagabend aber nicht den Eindruck, als ob er noch an die Wende glaubt - auch wenn er sagte: "Wir brauchen das Wunder, wir müssen bis zum letzten Tropfen kämpfen. Aufgeben gibt es nicht." Auch Dutt forderte eine Reaktion: "Es geht nicht nur um unsere theoretische Chance, sondern um Anstand und Ehre."

Ein Abstieg der Schwaben, die seit Jahren Probleme und keinen Plan haben, hätte sicher massive Auswirkungen. Dutt, mit großen Ambitionen vor eineinhalb Jahren angetreten, dürfte dann ebenso wackeln wie Kramny.

Dem sprachen Wahler und Dutt immerhin für Wolfsburg das Vertrauen aus. Man werde "als Einheit mit Jürgen diesen Schritt gehen", sagte Dutt am Sonntag.

VfB auf Worst-Case-Szenario vorbereitet

Über weitergehende Konsequenzen wollte Dutt nicht sprechen. Der VfB sei auf das "Worst-Case-Szenario auf jeden Fall vorbereitet, aber es ist noch nicht der Zeitpunkt, darüber zu sprechen."

Für die Fans sind die Schuldigen schon jetzt klar. "Vorstand raus", "Bis auf Großkreutz könnt ihr alle gehen", skandierten sie bei ihrer Blockade. Die Stimmung in Stuttgart ist explosiv.

Schon vor der Partie hatte Ex-Präsident Erwin Staudt einen Abstieg als "Super-GAU" bezeichnet. Auch für Stuttgarts Bürgermeister Fritz Kuhn wäre es "herb, wenn der VfB nicht mehr in der Bundesliga spielen würde. Der VfB ist ein Imageträger der Stadt".

In dieser Form aber sicher nicht.

Stuttgart - Mainz: Die Statistik zum Spiel


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