Eintracht Frankfurt bleibt in der Bundesliga

"Totgeglaubte leben länger"

SID
Dienstag, 24.05.2016 | 18:45 Uhr
Marc Stendera schoss Nürnberg zum Klassenerhalt
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Für Eintracht Frankfurt haben nervenaufreibende Tage mit dem Klassenverbleib ein positives Ende gefunden. Durch das 1:0 im Relegations-Rückspiel beim 1. FC Nürnberg bekam Vorstandschef Heribert Bruchhagen den erhofften Abschied.

Heribert Bruchhagen schritt glückselig wie ein Kind am Weihnachtsabend über den Nürnberger Rasen, herzte diesen, herzte jenen und jubelte unbändig. Dass der scheidende Vorstandschef von Eintracht Frankfurt bei seinem Abschied nicht den Abstiegs-GAU kommentieren musste, ließ offenkundig eine Zentnerlast von ihm abfallen. "Es wäre fatal gewesen und ungerecht, wenn wir nach diesen beiden Spielen abgestiegen wären", sagte der 67-Jährige gelöst.

Das 1:0 (0:0) im Relegations-Rückspiel beim 1. FC Nürnberg bescherte dem Bundesligisten nach einer Saison zum Vergessen wenigstens ein Happy End, und auch die nach Eintracht-Angaben komplikationslose Tumor-Operation bei Marco Russ am Morgen des Spiels trug zur Erleichterung bei. Der 30-Jährige gratulierte seinen Kollegen vom Krankenbett aus. "Danke Jungs!!! Totgeglaubte leben länger!! Auf Euch!!! Nie mehr 2. Liga", schrieb Russ nach dem wichtigen Erfolg bei Instagram.

Kritische Analyse folgt

Diesen feierten seine Kollegen ausgiebig. Außer sich vor Freude sprangen Sieg-Torschütze Haris Seferovic und Co. nach dem Schlusspfiff über den Platz, während die Nürnberger niedergeschlagen auf den Boden sanken. Aus der Eintracht-Kabine drang später lauter Jubel durch die Katakomben, den Bruchhagen lächelnd quittierte. "Es freut mich total", sagte er am Ende seiner beinahe 13 Jahre dauernden Ära an der Spitze der einst launischen Diva vom Main.

Gleichwohl vergaß Bruchhagen nicht zu erwähnen, dass diese insgesamt miserable Saison "kritisch" analysiert werden müsse. Seinem Nachfolger, der wohl Fredi Bobic heißen wird und schon am Mittwoch vorgestellt werden könnte, übergebe er einen "völlig intakten Verein, ein stabiles Gebilde", wie Bruchhagen erläuterte. Deshalb sei auch die Zukunft "gefestigt".

Alles Besser seit Kovac

Einen großen Anteil an der Last-Minute-Wende, die Mitte April noch höchst unwahrscheinlich erschien, wurde Trainer Niko Kovac zugeschrieben. Anfang März hatte er den Job von Armin Veh übernommen und Stück für Stück die Stabilität in die Mannschaft zurückgebracht.

"Seit Kovac da ist, ist alles anders. Wir sind viel kompakter. Wir haben gekämpft, bis es nicht mehr ging", sagte Seferovic, der kaum einen besseren Zeitpunkt für das Ende seiner monatelangen Torflaute hätte wählen können, als die 66. Minute dieser Nervenschlacht.

"Das geht schon ins Unermessliche, was alle erleiden müssen", sagte Kovac. Bruchhagen gab zu: "Wenn man Verantwortung für Eintracht Frankfurt hat, dann ist das kein Vergnügen." Und auch Eintracht-Präsident Peter Fischer war vollkommen fertig. "Wir hatten Tränen in den Augen und haben gezittert. Ich bin einfach total erschöpft und weiß nicht, wann wir die letzten Nächte geschlafen haben", sagte er bei Sky.

Schwere Zeiten für Nürnberg

Getrübt wurde die Freude über den Klassenerhalt nur durch die Verletzung von Marc Stendera. Der Mittelfeldspieler erlitt einen Riss des vorderen Kreuzbandes und einen Außenmeniskusriss im linken Knie, nachdem er in der in der 10. Minute im Rasen hängengeblieben war. Die Eintracht rechnet mit einer Ausfallzeit von sechs Monaten, Stendera wird damit wohl zumindest einen Teil der kommenden Hinrunde verpassen - in der Bundesliga, immerhin.

Trotz aller Anspannung war es allerdings auch eine gesunde Portion Überzeugung, die der gegen Nürnberg zweimal dominanten Eintracht half. Der zwar betrübt, aber gefasst wirkende Club-Trainer Rene Weiler erkannte die Niederlage unumwunden an. "Man muss ehrlich zugeben, dass da Qualitätsunterschiede sind. Wir haben am oberen Limit gespielt diese Saison. Es wird keine Selbstverständlichkeit sein, das zu wiederholen", sagte er und bezog sich damit wohl auch auf die bittere Einschnitte, die nun beim neunmaligen deutschen Meister nötig sind.

16,2 Millionen an langfristigen Verbindlichkeiten plagen den Club, schwierige Zeiten stehen bevor. "Dass es für die Substanz und die Wirtschaftskraft des Vereins und insgesamt ein Segen gewesen wäre, den Sprung nach oben zu schaffen, ist überhaupt keine Frage", sagte Sportvorstand Andreas Bornemann nach dem Scheitern. Prognosen zur neuen Zweitliga-Spielzeit unterließ er deshalb. "Wir müssen erst mal sehen, mit welcher Mannschaft wir in die Saison gehen."

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