Der Bundesliga Experten-Check

Minus x Minus = 3

SID
Montag, 09.05.2016 | 09:45 Uhr
In Frankfurt biegt man sich die Mathematik so hin, wie man's gerade braucht...
© spox
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Die Bayern sind Meister - dank des coolsten Ex-15-Jährigen. Frankfurt lebt - dank... ja warum eigentlich? Dazu: Warum Ingolstadt besser als Juve, der BVB ein Haufen Versager und Werders Abwehr tippitoppi ist. Und: Veni, vidi, Wagner.

Gut, guter, Bayern: Vor gefühlt sieben mitgereisten Auswärtsfans durfte der FCB im Fußballtempel zu Ingolstadt endlich die vierte Meisterschaft in Folge eintüten. Das ist historisch, das gab's noch nie, da kniet nicht nur das restliche Ligagerümpel, dass sich Fußballklubs nennt, nein, da ziehen wir auch alle in der Redaktion verfügbaren Hüte und sagen: Gut. Das spektakulöse 2:1 gegen die Schanzer war für den Ultrarekordmeister übrigens der 25. Sieg gegen einen Aufsteiger in Folge, was natürlich wieder ein Rekord ist. Aber ganz ehrlich, was ist aktuell denn kein Rekord, was die Münchner anpacken? Das bescheidene Torverhältnis dabei übrigens: 82 zu 12.

Glückliche Kindheit: Doch wer hatte jetzt eigentlich den größten Anteil an diesem geschichtsträchtigen Titel? Pep kann es nicht sein, sagen zumindest Sport1, der kicker und die Bayern-Fans, die wirklich Ahnung haben. Fipsi Lahm vielleicht? Der Kapitän tütete gegen Ingolstadt seinen 200. Bundesligasieg ein. Oder wie wär's mit dem Comanskingsley? Der feierte mit den Bayern seine vierte nationale Meisterschaft in Folge - zweimal mit PSG, einmal mit Juve, jetzt mit Bayern - und das mit 19 Jahren! Wir rechnen zurück, kommen nach Gegenprobe auf 15 Jahre beim ersten Titel und fragen uns, was wir mit 15 so gemacht haben. Fast einstimmig: Nicht Meister geworden...

Minus mal Minus gibt drei Punkte: Fast so wie die Bayern sind ja die Frankfurter. Also fast. Immerhin stellen die Adler auch Rekorde am Fließband auf - auch wenn's die wohl nicht auf den SGE-Briefkopf schaffen. 134 Pässe in 90 Minuten gegen den BVB sind historischer Tiefstwert seit Beginn der Datenerfassung, eine Passquote von semizielgenauen 49,3 Prozent vereinsinterner Negativrekord. Größter Aktivposten gegen Dortmund - und das ist jetzt kein Scheiß: Keeper Lukas Hradecky. Der hatte mit 46 die meisten Ballkontakte und spielte mit 36 die meisten Pässe. Kein anderer Frankfurter hatte mehr als 16 (!!!). Doch muss es wohl - und das dürfte die größte Erkenntnis des Wochenendes sein - ein Ballsportäquivalent für "Minus mal Minus gibt Plus" oder so etwas in die Richtung geben. "So scheiße, dass es schon wieder gut ist" zum Beispiel. Oder "Minus mal Minus gibt drei". Anders lässt sich das 1:0 für Frankfurt schließlich schwer erklären.

Defensivspezialisten: Der Experten-Check würde an dieser Stelle gerne "Sorry" sagen. Keine fünf Wochen ist es her, da kackten wir die Bremer so ein bisschen an und fragten ganz ungeniert: Was ist grün und beschissen in der Abwehr? Das war nicht okay und angebracht ist es mittlerweile auch nicht mehr. Schließlich brauchte die Werder-Defensive läppische 33 Spieltage, um die Null zu zementieren. Glückwunsch! Ihr seid toll. Vor allem in der Abwehr.

I love Aluminium: Die ersten 27 Spieltage von Charles Aranguiz bei Bayer Leverkusen im Überblick: Bank, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Verletzung, Trainingsrückstand, Trainingsrückstand. Dass das ärgerlich ist, weil der Kollege durchaus in der Lage ist, geradeaus zu laufen und den Ball zu treffen, zeigte sich nicht erst gegen Gladbach. Da traf Aranguiz nach Arturo Vidal und Eduardo Vargas als erst dritter Chilene der Bundesligageschichte. Zum Sieg reichte es trotzdem nicht, weil - mal wieder - die Tore zu klein waren. Zum 26. Mal traf die Werksel in der laufenden Saison im Rheinderby Aluminium. Mehr Pfosten- und Lattentreffer für eine Mannschaft gab's noch nie in einer Saison.

Shame on you: Kommen wir nochmal zu den BVB-Versagern. Ja, schon gut, die spielen die drittbeste Bundesliga-Rückrunde aller Zeiten, supersuper, blabla. Aber dann gegen Frankfurt verlieren? Frankfurt?! Puh. Die Ausmaße der Schande: Erste Niederlage 2016. Erstmals seit dem 25. Spieltag gegen Bayern ohne Tor. Gegen ein Team verlieren, das seit Dezember 2014 keine drei Spiele am Stück gewonnen hatte. Gegen ein Team verlieren, das nach 65 Minuten 14 Pässe weniger gespielt hatte als der eigene Kapitän Motz Hummels (hihi) bis zu seiner Auswechslung (119). Shame on you!

Veni, vidi, Wagner: Vom tölpelhaften D'artagnan zum badassigsten Stürmer der Saison: Ach, lieber Sandro, du wirst uns fehlen. Wenigsten weiß Wagner, wie man sich ordentlich verabschiedet. Indem man den Ex-Klub zum Beispiel fast aus den internationalen Plätzen schießt, dabei noch ausgelassen vor der Hertha-Kurve rumtrollt und sich drei Minuten vor Ende mit dem ersten Platzverweis der Vereinsgeschichte noch schnell in den Annalen der Darmstädter verewigt. Der Siegtreffer gegen die selbsternannte geilste Stadt der Welt (wir erinnern uns: mittlerweile Platz sechs, ein Punkt aus den letzten sechs Spielen, Weiser vorletzte Woche sinngemäß: CL, alles andere wäre eine Enttäuschung) war die 15. direkte Torbeteiligung in den letzten 17 Bundesligaspielen.

Die 40 Tore wackeln: Auch ein okayer Stürmer ist Robert Lewandowski. Der stellte mit seinem meistermachenden Doppelpack - obwohl's den ja gar nicht gebraucht hätte, danke für nix, BVB! - Klaas-Jan Huntelaars (was ist eigentlich mit dem?) Rekord von 29 Toren eines ausländischen Spielers in der Bundesliga ein. Am letzten Spieltag kommt Hannover nach München, Gerd Müllers 40-Tore-Rekord sollte also fallen. Außerdem erzielte Lewandowski zum achten Mal in der Liga das 1:0. Außerdem verwandelte Lewandowski alle seine letzten sieben Elfmeter in der Bundesliga. Und es ist ja nicht so, dass der Autor Bayern-Fan wäre oder gerade an Atletico denken muss, aber: DAS WÄRE DOCH MAL EINE ÜBERLEGUNG WERT GEWESEN, HM?! DEN DIE ELFER SCHIEßEN LASSEN, DER SIE AUCH REINMACHT?!

Ingolf und die Alte Dame: Last but not least eine Quizfrage: Wer ist besser, Ingolstadt oder Juventus? Na gut, nicht schwer, was können diese ranzigen Italiener schon? Okay, 16 Mal aufs Bayerntor schießen und damit die Statistik in dieser Saison anführen. Geteilt anführen. Denn: Gleichauf ist der FCI, der das Leder am Samstag ebenso oft aufs Neuer'sche Gehäuse bretterte. Bloß brauchten die Schanzer dafür keine 120, sondern nur knackige 90 Minuten. Juve, pfft. Moritz Hartmanns Elfmeter-Tor war übrigens das erste für die Bayern seit 774 Tagen. Das ist vereinsintern - und jetzt alle: Rekord!

Immer noch nicht aus?

  • Richtigsteher: Luiz Gustavos sieben Saisontore für die Wölfe fielen allesamt nach ruhendem Ball. Fünfmal nach einer Ecke, zweimal nach einem Freistoß.
  • Metzger: Medhi Benatia brauchte für seine Gelbe Karte gegen Ingolstadt 21 Sekunden. Schneller war diese Saison kein Einwechselspieler.
  • Platzpatrone: Christian Gentners Tor gegen Mainz war das 2900. in der Bundesligageschichte. Wir warten mit den Witzen bis nächste Woche.
  • Banker: Erstmals seit seinem Wechsel nach Wolfsburg 2008 saß Diego Benaglio am Samstag auf der Bank.
  • Hobbit: Fynn Arkenberg könnte mit seinem Namen nicht nur problemlos durch Mittelerde marschieren, sondern war auch der 30. Startelfspieler der Hannoveraner in der laufenden Saison. Hey, Hannover: Ein Höchstwert! Für euch!
  • Garantie: Noch keines der 38 Bundesliga-Duelle zwischen dem HSV und Wolfsburg endete torlos.
  • Held: Daniel Baier machte am Samstag den 200. Treffer der Augsburger Bundesliga-Geschichte und sicherte den Fuggerstädtern den Klassenerhalt.

Der 33. Spieltag im Überblick

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