Dortmunds Ribery-Moment

Freitag, 29.04.2016 | 14:52 Uhr
BVB vs. FCB: Die Dortmunder könnten sich aber auch an den Münchnern orientieren
© getty
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Borussia Dortmund steht nicht nur im Fall Mats Hummels vor einer Grundsatzfrage: Will der BVB den Schritt an die Spitze des europäischen Fußballs vorantreiben oder weiterhin ein Verkäuferverein bleiben? Dann müssen die Dortmunder ihren Spielern konsequenter die Freigabe verweigern. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Andreas Lehner.

Die Giftpfeile fliegen im Moment nicht mehr. Das Verhältnis zwischen Bayern München und Borussia Dortmund hat sich entspannt in den letzten Monaten, das zeigt auch der Umgang beider Seiten in der Transferfrage Mats Hummels.

Der Wechsel scheint kaum noch abzuwenden, aber Hans-Joachim Watzke hat sich mit seinen Aussagen noch eine Hintertür offengelassen. Hummels könne auch nächstes Jahr noch in Dortmund spielen und außerdem müsse Bayern erstmal die Forderungen erfüllen. Das kann man ebenso wie Karl-Heinz Rummenigges Drei-Seiten-Zitat als Poker in der Ablösefrage interpretieren, oder Watzke überlegt wirklich, ein Statement zu setzen.

Bayerns Weg zum Schwergewicht

Wie das geht, könnte er sich ausgerechnet in München erzählen lassen. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, da war auch der FC Bayern noch nicht dieses europäische Schwergewicht, das er heute darstellt und noch nicht auf Augenhöhe mit den Branchenführern aus Spanien und England.

2009 wollte Franck Ribery zu den Königlichen wechseln, das erklärte er auch öffentlich ("Ich will weg! Real Madrid oder gar nichts."). Aber der FC Bayern entschied sich damals, einen großen Schritt zu wagen. Weg vom Verkäuferverein, hin zum Käuferverein - auch international.

Und so ereignete sich ein legendäres Telefonat zwischen Uli Hoeneß und Florentino Perez, in dem Hoeneß seinem Kollegen riet, sich Stift und Papier zu holen und eine eins mit acht Nullen aufzuschreiben. 100 Millionen Euro wollte der FC Bayern für Ribery und klebte damit mehr oder weniger ein Unverkäuflich-Schild auf den Franzosen.

Ribery blieb, die Bayern schafften unter Louis van Gaal den sportlichen Turnaround und der Franzose verlängerte rund ein Jahr später seinen Vertrag in München. Auch Dortmund ist gerade dabei, unter Thomas Tuchel etwas Neues aufzubauen.

Was ist die Ausstiegsklausel wert?

Im Fall Hummels hat der BVB ebenso wie bei Ilkay Gündogan das Heft des Handelns in der Hand. Beide haben gültige Verträge bis 2017 - ohne Ausstiegsklausel. Auf dieses vertragliche Werkzeug hat Watzke in den letzten Jahren immer wieder stolz hingewiesen. Aber was, außer ein paar Millionen mehr, sind Verträge ohne Klauseln wert, wenn sie trotzdem jederzeit aufgelöst werden können?

Planungssicherheit und dauerhafter sportlicher Erfolg gestalten sich durch den ständigen Verlust von Schlüsselspielern jedenfalls schwieriger. Aber Borussia Dortmund ist nicht der SC Freiburg. Der BVB liegt in der Liste der umsatzstärksten Klubs der Welt auf Platz elf, hat den höchsten Zuschauerschnitt weltweit und eine auch international konkurrenzfähige Mannschaft.

Es war ein Fehler zu sagen, einen zweiten Fall Lewandowski werde es nicht geben. Denn diese harte Haltung muss die Borussia öfter einnehmen. Der Pole hat auch in seiner letzten Saison vor seinem Abschied Spitzenleistungen gebracht und dem Klub durch das Erreichen der sportlichen Ziele viel Geld eingebracht, mehr vielleicht sogar als Ablöse zu diesem Zeitpunkt.

Günstiger Moment zum Paradigmenwechsel

Die Lücke im finanziellen Bereich zu Bayern, Real, Barca oder Manchester City ist da, daran besteht kein Zweifel. Es geht in den Transferaktivitäten der Borussia rund um Hummels, Gündogan, Aubameyang und Mkhitaryan aber auch um die Frage, wie und ob man sie dauerhaft schließen will. Dazu müsste der BVB bereit sein, etwas mehr ins Risiko zu gehen, öfter auf Ablösesummen verzichten und sein Gehaltsgefüge nochmal deutlich anzuheben.

Mit steigenden Einnahmen durch die erneute Teilnahme an der Champions League (Bayern kassiert in dieser Saison knapp 100 Mio. Euro) und dem neuen TV-Vertrag vor Augen wird auch der Umsatz bald weit über 300 Millionen Euro liegen, so dass auch die Personalkosten weiterhin in einer vernünftigen Relation steigen können.

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Die Erfahrungen der Fast-Insolvenz 2005 liegen natürlich noch immer über dem Verein und Watzkes Credo, nie wieder Schulden machen zu wollen, ist auch der richtige Weg. Aber diese Prämisse kann unangetastet bleiben. Es braucht gewaltigen Mut und Willen, diesen Paradigmenwechsel einzuleiten. Der Moment wäre aber günstig.

Mats Hummels im Steckbrief

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