Freitag, 29.04.2016

Der BVB und die Spielerverkäufe

Dortmunds Ribery-Moment

Borussia Dortmund steht nicht nur im Fall Mats Hummels vor einer Grundsatzfrage: Will der BVB den Schritt an die Spitze des europäischen Fußballs vorantreiben oder weiterhin ein Verkäuferverein bleiben? Dann müssen die Dortmunder ihren Spielern konsequenter die Freigabe verweigern. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Andreas Lehner.

BVB vs. FCB: Die Dortmunder könnten sich aber auch an den Münchnern orientieren
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BVB vs. FCB: Die Dortmunder könnten sich aber auch an den Münchnern orientieren

Die Giftpfeile fliegen im Moment nicht mehr. Das Verhältnis zwischen Bayern München und Borussia Dortmund hat sich entspannt in den letzten Monaten, das zeigt auch der Umgang beider Seiten in der Transferfrage Mats Hummels.

Der Wechsel scheint kaum noch abzuwenden, aber Hans-Joachim Watzke hat sich mit seinen Aussagen noch eine Hintertür offengelassen. Hummels könne auch nächstes Jahr noch in Dortmund spielen und außerdem müsse Bayern erstmal die Forderungen erfüllen. Das kann man ebenso wie Karl-Heinz Rummenigges Drei-Seiten-Zitat als Poker in der Ablösefrage interpretieren, oder Watzke überlegt wirklich, ein Statement zu setzen.

Bayerns Weg zum Schwergewicht

Wie das geht, könnte er sich ausgerechnet in München erzählen lassen. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, da war auch der FC Bayern noch nicht dieses europäische Schwergewicht, das er heute darstellt und noch nicht auf Augenhöhe mit den Branchenführern aus Spanien und England.

2009 wollte Franck Ribery zu den Königlichen wechseln, das erklärte er auch öffentlich ("Ich will weg! Real Madrid oder gar nichts."). Aber der FC Bayern entschied sich damals, einen großen Schritt zu wagen. Weg vom Verkäuferverein, hin zum Käuferverein - auch international.

Und so ereignete sich ein legendäres Telefonat zwischen Uli Hoeneß und Florentino Perez, in dem Hoeneß seinem Kollegen riet, sich Stift und Papier zu holen und eine eins mit acht Nullen aufzuschreiben. 100 Millionen Euro wollte der FC Bayern für Ribery und klebte damit mehr oder weniger ein Unverkäuflich-Schild auf den Franzosen.

Ribery blieb, die Bayern schafften unter Louis van Gaal den sportlichen Turnaround und der Franzose verlängerte rund ein Jahr später seinen Vertrag in München. Auch Dortmund ist gerade dabei, unter Thomas Tuchel etwas Neues aufzubauen.

Was ist die Ausstiegsklausel wert?

Im Fall Hummels hat der BVB ebenso wie bei Ilkay Gündogan das Heft des Handelns in der Hand. Beide haben gültige Verträge bis 2017 - ohne Ausstiegsklausel. Auf dieses vertragliche Werkzeug hat Watzke in den letzten Jahren immer wieder stolz hingewiesen. Aber was, außer ein paar Millionen mehr, sind Verträge ohne Klauseln wert, wenn sie trotzdem jederzeit aufgelöst werden können?

Planungssicherheit und dauerhafter sportlicher Erfolg gestalten sich durch den ständigen Verlust von Schlüsselspielern jedenfalls schwieriger. Aber Borussia Dortmund ist nicht der SC Freiburg. Der BVB liegt in der Liste der umsatzstärksten Klubs der Welt auf Platz elf, hat den höchsten Zuschauerschnitt weltweit und eine auch international konkurrenzfähige Mannschaft.

Es war ein Fehler zu sagen, einen zweiten Fall Lewandowski werde es nicht geben. Denn diese harte Haltung muss die Borussia öfter einnehmen. Der Pole hat auch in seiner letzten Saison vor seinem Abschied Spitzenleistungen gebracht und dem Klub durch das Erreichen der sportlichen Ziele viel Geld eingebracht, mehr vielleicht sogar als Ablöse zu diesem Zeitpunkt.

FCB und BVB: Die Überläufer im Überblick
Mats Hummels, Sebastian Rode, Mario Götze. Es gibt viele Spieler, die sowohl das Bayern- als auch das BVB-Trikot trugen. Wir werfen einen Blick auf alle Überläufer
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Mats Hummels, Sebastian Rode, Mario Götze. Es gibt viele Spieler, die sowohl das Bayern- als auch das BVB-Trikot trugen. Wir werfen einen Blick auf alle Überläufer
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Hummels in Rot: Am letzten Spieltag der Saison 2006/2007 absolvierte er einen Bundesliga-Einsatz für den Klub seiner Jugend. Ab Sommer geht's erneut zurück
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Hummels in Rot: Am letzten Spieltag der Saison 2006/2007 absolvierte er einen Bundesliga-Einsatz für den Klub seiner Jugend. Ab Sommer geht's erneut zurück
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Mario Götze durchlief bei Dortmund sämtliche Jugendmannschaften und wechselte im Sommer 2013 für 37 Millionen Euro nach München. Seitdem trägt er den Stempel "Judas" auf der Stirn. Kehrt er vielleicht nach Dortmund zurück?
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Mario Götze durchlief bei Dortmund sämtliche Jugendmannschaften und wechselte im Sommer 2013 für 37 Millionen Euro nach München. Seitdem trägt er den Stempel "Judas" auf der Stirn. Kehrt er vielleicht nach Dortmund zurück?
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Schnürten bei den Bayern gemeinsam die Schuhe: Sebastian Rode (l.) und Götze. Rode kickt seit Trainingsstart vor wenigen Tagen nun bei seinem "Herzensverein aus Kindheitstagen", wie er sagt, der Borussia
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Schnürten bei den Bayern gemeinsam die Schuhe: Sebastian Rode (l.) und Götze. Rode kickt seit Trainingsstart vor wenigen Tagen nun bei seinem "Herzensverein aus Kindheitstagen", wie er sagt, der Borussia
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Ein weiteres bekanntes Gesicht in unserer Liste: Nach vier Jahren Dortmund war für Robert Lewandowski Schluss! Im Sommer 2014 wechselte er ablösefrei zum FC Bayern
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Ein weiteres bekanntes Gesicht in unserer Liste: Nach vier Jahren Dortmund war für Robert Lewandowski Schluss! Im Sommer 2014 wechselte er ablösefrei zum FC Bayern
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Bis zur EM 2004 spielte Torsten "Lutscher" Frings in Dortmund und absolvierte dort insgesamt 47 Bundesligaspiele. Für fast zehn Millionen Euro folgte im Sommer desselben Jahres dann der Wechsel
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Bis zur EM 2004 spielte Torsten "Lutscher" Frings in Dortmund und absolvierte dort insgesamt 47 Bundesligaspiele. Für fast zehn Millionen Euro folgte im Sommer desselben Jahres dann der Wechsel
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Die Statistik von Thomas Helmer ist nahezu ausgeglichen. In der Liga streifte er sich das Dortmund-Trikot 190 Mal über. Für Bayern machte er exakt ein Ligaspiel mehr
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Die Statistik von Thomas Helmer ist nahezu ausgeglichen. In der Liga streifte er sich das Dortmund-Trikot 190 Mal über. Für Bayern machte er exakt ein Ligaspiel mehr
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Seine erfolgreichste Zeit feierte Stefan Reuter sicherlich beim BVB: Champions-League-Sieger 1997, Weltpokalsieger 1997 und drei Mal Deutscher Meister. Los ging's für ihn allerdings auch beim FCB. Dort spielte er von 1988 bis 1991
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Seine erfolgreichste Zeit feierte Stefan Reuter sicherlich beim BVB: Champions-League-Sieger 1997, Weltpokalsieger 1997 und drei Mal Deutscher Meister. Los ging's für ihn allerdings auch beim FCB. Dort spielte er von 1988 bis 1991
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Ähnliches gilt für Jürgen Kohler (r.). Auch er gewann die Champions League und wurde zwei Mal Deutscher Meister mit den Schwarzgelben. Von 1989 bis 1991 war er aber in einem roten Trikot unterwegs
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Ähnliches gilt für Jürgen Kohler (r.). Auch er gewann die Champions League und wurde zwei Mal Deutscher Meister mit den Schwarzgelben. Von 1989 bis 1991 war er aber in einem roten Trikot unterwegs
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Für Jürgen Wegmann (Nummer 9) muss tief in die Archivkiste gegriffen werden. Er spielte zwischen 1984 bis 1986 für Dortmund und wechselte nach einem Intermezzo bei Schalke zu den Bayern. 1989 ging's für vier Jahre zurück zum BVB
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Für Jürgen Wegmann (Nummer 9) muss tief in die Archivkiste gegriffen werden. Er spielte zwischen 1984 bis 1986 für Dortmund und wechselte nach einem Intermezzo bei Schalke zu den Bayern. 1989 ging's für vier Jahre zurück zum BVB
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Wie der Vater, so der Sohn: Sowohl Helmut Nerlinger (l.) als auch Christian Nerlinger waren jeweils für Dortmund und Bayern aktiv
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Wie der Vater, so der Sohn: Sowohl Helmut Nerlinger (l.) als auch Christian Nerlinger waren jeweils für Dortmund und Bayern aktiv
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Während Vater Helmut nur zu vereinzelten Einsätzen für Bayern kam, war Nerlinger Jr. insgesamt sieben Jahre beim FCB. Im Sommer 1998 kam der Wechsel zum BVB
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Während Vater Helmut nur zu vereinzelten Einsätzen für Bayern kam, war Nerlinger Jr. insgesamt sieben Jahre beim FCB. Im Sommer 1998 kam der Wechsel zum BVB
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Markus Feulner durchlief sämtliche U-Mannschaften beim Rekordmeister. Bei den Profis gelang ihm der Durchbruch nicht. Er kam nur auf 13 Ligaspiele. Nach den Stationen Köln und Mainz heuerte Feulner beim BVB an (2 Jahre, 15 Ligapartien)
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Markus Feulner durchlief sämtliche U-Mannschaften beim Rekordmeister. Bei den Profis gelang ihm der Durchbruch nicht. Er kam nur auf 13 Ligaspiele. Nach den Stationen Köln und Mainz heuerte Feulner beim BVB an (2 Jahre, 15 Ligapartien)
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Ein Überraschungsgast in der Liste: Toni Schumacher. Er beendete seine Karriere 1992 beim FC Bayern. Im Anschluss wurde er Torwarttrainer in Dortmund. Dort wurde er in der Saison 1995/96 am letzten Spieltag kurz vor Schluss eingewechselt
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Ein Überraschungsgast in der Liste: Toni Schumacher. Er beendete seine Karriere 1992 beim FC Bayern. Im Anschluss wurde er Torwarttrainer in Dortmund. Dort wurde er in der Saison 1995/96 am letzten Spieltag kurz vor Schluss eingewechselt
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Auch der Bruder des Bayern-Bosses ging dem FCB einst fremd. Michael Rummenigge spielte sieben Jahre für den FC Bayern und fünf Jahre für Dortmund
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Auch der Bruder des Bayern-Bosses ging dem FCB einst fremd. Michael Rummenigge spielte sieben Jahre für den FC Bayern und fünf Jahre für Dortmund
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Zwei Deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege feierte Robert Kovac zwischen 2001 und 2005 mit dem FC Bayern. Nach einem Halt bei Juventus schnürte er eineinhalb Jahre die Schuhe für den BVB
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Zwei Deutsche Meisterschaften und zwei Pokalsiege feierte Robert Kovac zwischen 2001 und 2005 mit dem FC Bayern. Nach einem Halt bei Juventus schnürte er eineinhalb Jahre die Schuhe für den BVB
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Günstiger Moment zum Paradigmenwechsel

Die Lücke im finanziellen Bereich zu Bayern, Real, Barca oder Manchester City ist da, daran besteht kein Zweifel. Es geht in den Transferaktivitäten der Borussia rund um Hummels, Gündogan, Aubameyang und Mkhitaryan aber auch um die Frage, wie und ob man sie dauerhaft schließen will. Dazu müsste der BVB bereit sein, etwas mehr ins Risiko zu gehen, öfter auf Ablösesummen verzichten und sein Gehaltsgefüge nochmal deutlich anzuheben.

Mit steigenden Einnahmen durch die erneute Teilnahme an der Champions League (Bayern kassiert in dieser Saison knapp 100 Mio. Euro) und dem neuen TV-Vertrag vor Augen wird auch der Umsatz bald weit über 300 Millionen Euro liegen, so dass auch die Personalkosten weiterhin in einer vernünftigen Relation steigen können.

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Die Erfahrungen der Fast-Insolvenz 2005 liegen natürlich noch immer über dem Verein und Watzkes Credo, nie wieder Schulden machen zu wollen, ist auch der richtige Weg. Aber diese Prämisse kann unangetastet bleiben. Es braucht gewaltigen Mut und Willen, diesen Paradigmenwechsel einzuleiten. Der Moment wäre aber günstig.

Mats Hummels im Steckbrief

Andreas Lehner

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Andreas Lehner(Ressortleiter Fußball)

Andreas Lehner, Jahrgang 1984, ist als Head of Football verantwortlich für Inhalte und Abläufe im Fußball-Ressort. Der gebürtige Niederbayer kam 2007 nach dem Abschluss seines Studiums der Medien- und Kommunikationswissenschaften zu SPOX. Verantwortete zwei Jahre lang ran.de und berichtet u.a. vom FC Bayern und der Nationalmannschaft. War auch bei der WM 2014 als Reporter in Brasilien im Einsatz.

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Bundesliga, 13. Spieltag

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