"Mein Papa ist trotzdem stolz"

Donnerstag, 31.03.2016 | 10:43 Uhr
Lukas Rupp ist unter Jürgen Kramny im rechten Mittelfeld des VfB Stuttgart gesetzt
© imago
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Lukas Rupp spielt die beste Saison seiner Karriere in Stuttgart. Im Interview spricht der 25-Jährige über den Trainerwechsel beim VfB, die besondere Bedeutung seiner Armmanschette, Kumpel Kevin Großkreutz und die Wechsel-Gerüchte um seine Teamkollegen.

SPOX: Herr Rupp, die Armmanschette, die Sie seit Ihrer Verletzung im Oktober trugen und die sinnbildlich für Ihre starke Entwicklung in den vergangenen Monaten steht, ist nicht mehr zu sehen. Verzichten Sie künftig darauf?

Lukas Rupp: Im Alltag brauche ich sie nicht mehr, beim Training habe ich sie aktuell noch an. Obwohl es für mich wesentlich besser läuft, seit ich sie trage, bin ich froh, wenn ich sie endgültig los bin. Sie hemmt und stört mich schon ein Stück weit. Auf der anderen Seite hat sie natürlich eine besondere Bedeutung für mich. Ehrlich gesagt habe ich noch gar nicht entschieden, was ich in Zukunft damit mache. Vielleicht trage ich sie auch noch eine Weile. (lacht)

SPOX: Und was haben Sie danach damit vor?

Rupp: Mal gucken, vielleicht behalte ich sie, vielleicht verschenke ich sie an die Fans oder versteigere sie für einen guten Zweck.

SPOX: Das Modell Petr Cech kommt aber nicht in Frage?

Rupp: Nein, eher nicht. (lacht) Ich hoffe, dass ich auch ohne die Manschette gute Leistungen abrufen kann.

SPOX: Auch der Trainerwechsel hatte positive Auswirkungen auf Ihre persönliche Situation, unter Alexander Zorniger waren Sie nur Ergänzungsspieler. Woher nimmt man die Motivation, sich im Training immer wieder heran zu kämpfen, obwohl meistens elf andere Namen bei der Spieltagsbesprechung genannt werden?

Rupp: Das ist keine einfache Situation. Als Fußballer will man grundsätzlich immer spielen. Gerade zu Beginn der Saison, als es nicht so gut bei uns lief, macht man sich Hoffnungen, eine Chance zu bekommen. Wenn man dann doch meist draußen sitzt, ist das enttäuschend. Aber davon darf man sich nicht runterziehen lassen. Damit muss man als Profi umgehen können und trotzdem weiter motiviert und ehrgeizig bleiben.

SPOX: Unter Jürgen Kramny waren Sie dann sofort gesetzt. Entsprechend froh waren Sie vermutlich, als man Ihn mit einem langfristigen Vertrag ausstattete?

Rupp: Für einen Spieler ist es immer gut, das Vertrauen des Trainers zu spüren, deshalb war es für mich sehr positiv, dass Jürgen Kramny geblieben ist. Dafür trifft es dann andere, es gibt in solchen Situationen immer Gewinner und Verlierer. So ist das im Sport.

SPOX: Als Kramny im November 2015 übernahm, fand er eine verunsicherte Mannschaft vor, die in den vorherigen Spielen nach Rückständen oft einbrach. Wie hat er das Team wieder in die Spur bekommen?

Rupp: Der Trainer hat zunächst gar nicht viel verändert, wir haben uns mehr auf die Defensive konzentriert und versucht, kompakter zu stehen. Wir wissen, dass wir vorne über eine gewisse Qualität verfügen und immer für ein Tor gut sind. Gleichzeitig hat der Trainer einige personelle Änderungen an der Mannschaft vorgenommen und uns wieder und wieder eingebläut, an uns zu glauben und nicht aufzugeben, auch wenn wir in Rückstand geraten.

SPOX: Wie hat sich Ihre Rolle in diesem defensiveren Grundkonzept verändert?

Rupp: Unter Alexander Zorniger standen wir höher und haben weit vorne gegen den Ball gepresst. Jetzt sind wir tiefer positioniert, wodurch die Abstände nicht so groß sind und der Weg in die Zweikämpfe nicht so lang ist. In unserer neuen Ordnung stehen wir hinten sicherer und können trotzdem gut und schnell nach vorne umschalten. Das kommt meiner Spielweise entgegen.

SPOX: In der laufenden Saison konnten Sie bereits vier Tore und sechs Vorlagen verbuchen. Haben Sie das Gefühl, in den letzten Monaten endgültig in der Bundesliga angekommen zu sein?

Rupp: Ich habe auch in Paderborn schon sehr gute Spiele gemacht und war Stammspieler. Wenn man so weit unten steht, wird das allerdings häufig nicht so richtig wahrgenommen.

SPOX: Seit dem 14. Spieltag haben Sie jedes Spiel von Anfang an gemacht, nur gegen Ihre Ex-Kollegen aus Gladbach saßen Sie zunächst draußen. Waren Sie sehr enttäuscht?

Rupp: Man ist immer enttäuscht, wenn man nicht spielt. Dass es mich ausgerechnet in diesem für mich besonderen getroffen hat, war natürlich schade. Aber wir haben viele Spieler hinten dran, die frisch waren und ebenfalls den Anspruch haben, zu spielen. Aufgrund der englischen Woche wollte der Trainer mir eine Pause gönnen.

SPOX: In Gladbach ist Ihnen der Durchbruch damals verwehrt geblieben. Dabei passten Sie mit Ihrer Polyvalenz voll in das Raster des damaligen Trainers Lucien Favre. Mit etwas Abstand: Warum denken Sie, hat es bei der Borussia nicht gepasst?

Rupp: Die Qualität in Gladbach war damals sehr hoch, trotzdem hatte ich auch meine Einsätze. Es gab Zeiten, in denen ich viel gespielt habe, und andere, in denen ich wenig oder gar nicht auf dem Platz stand. Vielleicht war der Schritt damals etwas zu früh, vielleicht hätte ich auch zu einem kleineren Verein gehen sollen. Ich bereue die Entscheidung aber auf keinen Fall.

SPOX: Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, dass Ihre Vielseitigkeit nicht nur Segen sondern auch Fluch sein könnte, weil man Sie eher als Löcherstopfer, der auf vielen Positionen aushelfen kann, wahrnimmt?

Rupp: Darüber macht man sich schon Gedanken. Wenn man nur auf einer Position spielen kann, hat man eher die Möglichkeit, sich fest- und mit den Nebenleuten einzuspielen. Wenn man sich immer wieder neu einstellen und anpassen muss, fällt das schwerer. Im Endeffekt geht es aber nicht darum, wo man am liebsten Spielen möchte, sondern wo sich Chancen auftun.

Seite 1: Rupp über den Trainerwechsel, seine Manschette und die Zeit in Gladbach

Seite 2: Rupp über seine KSC-Jugend, Kumpel Großkreutz und seine Handball-Künste

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