Donnerstag, 28.01.2016

Daniel Caligiuri im Interview

"Jeder neue Nationalspieler ist ein Reiz"

Daniel Caligiuri ist trotz vieler großer Namen beim VfL Wolfsburg unumstrittener Stammspieler. Im Interview spricht er über seinen hart erarbeiteten Aufstieg, seinen persönlichen Traum im Old Trafford und ein klares Saisonziel der Wölfe. Außerdem lässt er sich nicht mit Aubameyang vergleichen, dafür bedauert er Bas Dosts schlaflose Nächte. Und: Wie sieht's denn nun in Sachen Nationalmannschaft aus?

Daniel Caligiuri gewann mit dem VfL Wolfsburg in der vergangenen Saison den DFB-Pokal
© getty
Daniel Caligiuri gewann mit dem VfL Wolfsburg in der vergangenen Saison den DFB-Pokal

SPOX: Herr Caligiuri, bis vor einigen Monaten teilten Sie sich bei Reisen und in Trainingslagern noch ein Zimmer mit Bas Dost. Dann haben Sie Ihn sozusagen rausgelabert?

Daniel Caligiuri: Ja, das stimmt schon. (lacht) Wenngleich die Geschichte in den Medien größer gemacht wurde, als sie eigentlich war. Dass ich im Schlaf gelegentlich ein bisschen erzähle, hat auch meine Freundin bereits bestätigt. Bas konnte dadurch wohl nicht so ruhig schlafen, sodass er sich ein Einzelzimmer genommen hat. Unser Verhältnis hat deshalb aber nicht gelitten.

SPOX: Hat er denn mal konkret erzählt, was Sie nachts so gesprochen haben?

Caligiuri: Er hat wohl versucht, es zu verstehen, was aber nicht so einfach war. Dafür habe ich zu viel genuschelt. Ich glaube nicht, dass er in den Geräuschen wirklich Worte ausmachen konnte - zumindest keine sinnvollen.

SPOX: Abseits des Platzes sind mit dem Rapper Gabaz befreundet. In einem seiner neuesten Titel, in dem Sie auch vorkommen, heißt es unter anderem: "Die Zeit rennt, Kleiner. Sie sagten: 'Dich kennt keiner.' Du wirst von einem Noname zum Headliner." Sehen Sie auch Ihre Karriere sich darin wiederspiegeln?

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Caligiuri: Der Song gibt in jedem Fall viel her und gefällt mir gut. Inwiefern er auf mich abbildbar ist, vermag ich nicht zu sagen. Sicherlich macht man sich bei der einen oder anderen Strophe auch mal Gedanken, wenn man einen Bezug dazu hat. In meinem Fall kann man es aber wohl weniger auf die Jugend als auf die ersten Jahre bei den Profis beziehen.

SPOX: Inwiefern?

Caligiuri: Als Jugendspieler habe ich mir noch nicht sehr viele Gedanken darüber gemacht, wo ich gerade stand oder wie ich im Vergleich mit anderen bewertet wurde. Jetzt, da ich meinen Platz im Profi-Team einer Bundesliga-Mannschaft gefunden habe, denke ich eher mal darüber nach, wie ich es hierhin geschafft habe.

SPOX: An was genau denken Sie dann zurück?

Caligiuri: Natürlich gab es Phasen, in denen viel über andere gesprochen wurde. Und man selbst wurde vielleicht erst an dritter oder vierter Stelle genannt. Das ist vor allem dann schwer, wenn man immer alles versucht hat und vollen Einsatz zeigt.

SPOX: Welche Rolle hat Ihr älterer Bruder Marco, der selbst Profi ist, in dieser Thematik gespielt?

Caligiuri: Auf jeden Fall eine sehr große. Ich war so gut wie bei all seinen Spielen, als er Profi wurde. Ich wollte immer in Marcos Fußstapfen treten und den gleichen Weg gehen. Er hat mich immer wieder gepusht, wenn es bei mir nicht so gut lief, was mir natürlich sehr geholfen hat. Umso glücklicher bin ich, dass ich diesen Weg ein paar Jahre später tatsächlich einschlagen konnte und heute beim VfL spiele.

SPOX: Und dennoch müssen Sie sich weiterhin Tag für Tag beweisen.

Caligiuri: Genau so ist es, der Konkurrenzkampf in so einem Top-Klub ist riesig. Gerade deshalb bin ich glücklich, dass ich es so weit geschafft habe und heute selbst ein Wörtchen mitreden kann. Ich habe mich vor allem deshalb so gut entwickelt, weil die Qualität auf unseren Außenbahnen in den letzten Jahren immer sehr hoch war - und durch die Neuen wie Kevin de Bruyne oder jetzt Andre Schürrle und Julian Draxler immer höher wurde.

SPOX: Auf dem Papier standen Sie ein bisschen im Schatten dieser großen Namen. Auf dem Platz gehörten Sie statistisch aber oft zu den besten VfL-Spielern - und hatten entsprechend Einsatzzeiten. Haben Sie die Transfers noch mehr angetrieben?

Caligiuri: Jeder neue Nationalspieler, der zu uns stößt, ist für mich auch ein Reiz. Wenn Spieler mit großen Fähigkeiten kommen, ist das für mich ein Ansporn, mich weiter zu verbessern und an meinen Schwächen zu arbeiten. Wichtig war, dass ich bei mir geblieben bin und nicht auf die anderen geschaut habe. Ich habe immer versucht, bei aller Konkurrenz mit Spaß an die Sache heranzugehen. Dadurch konnte ich den Trainer überzeugen und er hat mir durch Einsätze viel Selbstvertrauen zurückgegeben.

Das war unbeschreiblich. Aber es bleibt nun immer Teil meiner Geschichte.

Daniel Caligiuri über sein erstes CL-Tor im Old Trafford

SPOX: Gerade in dieser Saison ist es aber scheinbar nicht allen VfL-Spielern so einfach wie Ihnen gefallen, den Schalter wieder umzulegen. Nach der erfolgreichen letzten Spielzeit schaffen Sie es in dieser Saison nicht, die Bayern und den BVB unter Druck zu setzen. Woran liegt das?

Caligiuri: Es ist immer schwer, so ein Jahr wie das letzte zu bestätigen - für jeden Einzelnen. Das Problem war, dass gerade zu Beginn der Saison jeder vielleicht ein bisschen sein eigenes Ding gemacht hat und wir dadurch unsere Kompaktheit verloren haben. Das müssen wir in der Rückrunde dauerhaft abstellen.

SPOX: Wo sehen Sie das Team im Vergleich mit der Bundesliga-Konkurrenz?

Caligiuri: Wir haben eine überragende Qualität in unseren Reihen und wenn wir alles abrufen, was wir können, sehe ich uns auf jeden Fall unter den ersten drei. Wir hatten eine sehr gute Rückrunden-Vorbereitung und jeder weiß, was zu tun ist. Das Ziel ist klar: Wir wollen wieder in die Champions League und dafür werden wir alles tun.

SPOX: Nutzen Sie die Möglichkeit gerne für eine Kampfansage in Richtung BVB - vielleicht so, wie Pierre-Emerick Aubameyang, der zuletzt sicher war, dass die Bayern nicht Meister werden.

Caligiuri: (lacht) Nein, nein. So ein Typ bin ich nicht. Ich bleibe lieber auf dem Boden. Das steht unserem Team auch besser zu Gesicht.

Seite 1: Caligiuri über seinen Aufstieg, die VfL-Ziele und Dosts schlaflose Nächte

Seite 2: Caligiuri über den Traum im Old Trafford und das Thema Nationalmannschaft

Interview: Benedikt Treuer

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Benedikt Treuer(Redaktion)

Benedikt Treuer, Jahrgang 1992, kam 2014 zu SPOX. Aufgewachsen in Mainz, zog es ihn nach dem Publizistikstudium in die bayerische Landeshauptstadt. Ist seit August 2015 festes Mitglied der Redaktion, hauptsächlich im Fußball-Ressort tätig. Mit der Nationalmannschaft war er 2016 bei der EM in Frankreich vor Ort. Verantwortlich für das DFB-Team, den FC Bayern, den VfL Wolfsburg und Mainz 05. Zudem im Tennis und Golf zuhause.

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