Mittwoch, 06.01.2016

Eintracht-Neuzugang aus Mexiko

Es fährt ein Zug nach Frankfurt

Marco Fabian bereichert ab Januar die Kreativabteilung bei Eintracht Frankfurt. Das Potential des Mexikaners ist unumstritten, doch bleibt die Frage, ob der 3,5 Millionen teure Neuzugang in der Lage sein wird, dieses auch konstant abzurufen. In der Heimat hat er den Ruf eines schlampigen Genies.

Frankfurt ist die erste Station Marco Fabians außerhalb der mexikanischen Heimat
© getty
Frankfurt ist die erste Station Marco Fabians außerhalb der mexikanischen Heimat

Es gibt diese Tage im Leben, da klappt einfach alles. Exakt so einen hatte Marco Fabian im Spiel bei der letzten Klub-WM in Marokko gegen den FC Barcelona. Erst ein Wahnsinnskracher aus rund 25 Metern in den Giebel, danach ein traumhafter Seitfallzieher. Das Problem: Solche Momente bringt Fabian nicht oft genug auf den Rasen.

Als klar war, dass die Eintracht den 26-Jährigen verpflichten würde, ließen die ersten Vergleiche mit Bayer Leverkusens Mexikaner und Fabians gutem Freund Chicharito nicht lange auf sich warten. Die aber hinken gewaltig. Fabian ist primär in der Zentrale aktiv, dicht hinter den Spitzen soll der Mann mit dem rechten Hammer durch seine extrem gute Technik mindestens bis 2019 für neue Kreativität sorgen.

Es gibt zweifelsfrei schnellere Spieler als Fabian. Aber, so erklärt Pilar Suarez, freie Journalistin (u.a. für ESPN) und Mexiko-Expertin gegenüber SPOX, von dort habe er oft seine besten Leistungen gebracht: "Fabian ist offensiv sehr talentiert, hat eine gute Übersicht und ist spielintelligent. Er mag es, nahe am Mittelstürmer zu spielen, aber ist auch ein Spieler, der selbst mit Ball für Tiefe im Spiel sorgen kann.", so Suarez. "Er ist technisch hochbegabt und spielt seine Stärken in den Freiräumen hinter den Stürmer aus, kann aber auch auf beide Flügel ausweichen." Es bleibt abzuwarten, welche genaue Rolle sich Armin Veh für den Neuzugang vorstellt.

Endlich weg von Marquito

Der Sprung nach Europa ist Fabian nicht leicht gefallen. Einerseits hatte er oft betont, dass dieser sein Ziel sei, andererseits ist er seit seiner Jugend - bis auf eine kurze Leihe zu Cruz Azul 2014 - dem Heimatverein Deportivo aus seinem Geburtsort Guadalajara verbunden. Dank einer Ausstiegsklausel verabschiedete sich der 1,70 kleine Techniker jetzt relativ preisgünstig aus Mexiko: "Der Zug kommt nur einmal und ich habe mich entschlossen, an Bord zu gehen", sagte er vor seinem Wechsel. Damit die Fahrt an Bord des Eintracht-Express erfolgreich wird, muss sich der neue Zehner aber von seinem Diminutiv Marquito verabschieden und reifer werden.

Denn bei allem Talent, das ihm einhellig bescheinigt wird - die Fehltritte des 27-maligen El-Tri-Nationalspielers sind ebenfalls zahlreich. "Feierlichkeiten auf und neben dem Platz haben den Mexikaner zu einem Spieler gemacht, der genau verfolgt wird und dem man einen Mangel an Professionalität vorwirft", weiß Suarez.

So kam er 2011 auf die Idee, bei Chivas ein Tor per Exekutionsjubel zu zelebrieren - ungeachtet nicht nur der vielen Toten des mexikanischen Drogenkrieges, sondern auch der Tatsache, dass sein Bruder einige Zeit zuvor ermordet wurde.

Fabian, der Socialmedia-Star

Der Fiesta ist Fabian keinesfalls abgeneigt. Nach einer Party mit Prostituierten im Vorfeld der Copa im selben Jahr wurden er und einige Teamkollegen für ein halbes Jahr gesperrt. Dies liegt nun aber bereits einige Zeit zurück und trotzdem - oder vielleicht gar wegen seiner polarisierenden Art - ist der kleine Techniker im Netz eine echte Institution. Auch seine mitunter spektakulären Tore sorgen dafür, dass ihm 1,7 Millionen Menschen bei Facebook folgen, mehr als dreimal so vielen wie der Eintracht selbst. Neben Lionel Messi ziert er auch das aktuelle FIFA-Cover in seiner Heimat. Insofern steigert Frankfurt auch den eigenen Bekanntheitsgrad schlagartig enorm und erschließt neue Märkte in Lateinamerika.

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Doch natürlich geht es vor allem ums Sportliche. Sportdirektor Bruno Hübner freut sich auf den "torgefährlichen und flexibel einsetzbaren" Olympiasieger von 2012. In der Nationalelf ist der aber ebenfalls nicht immer erste Wahl, eben aufgrund seiner mangelnden Konstanz. Vor dem Wechsel hat Fabian sich nicht nur bei Kumpel Chicharito, sondern auch beim ehemaligen Stuttgarter Pavel Pardo erkundigt. Der schwärmte auch von seinem alten Coach Veh, schließlich wurde man 2006/07 zusammen Meister.

Der Disziplinfanatiker und das schlampige Genie Fabian, es vermag eine fruchtbare Mischung zu werden. So sieht es auch Pilar Suarez: "Fabian kann in Europa explodieren, sein Traum war es immer, eines Tages nach Europa zu gehen und besonders der Wechsel nach Deutschland könnte das bringen, was ihm bisher in seiner Karriere fehlt: Disziplin." Der Transfer könnte also genau zum richtigen Zeitpunkt kommen: "Frankfurt hat sich ein Juwel geangelt, das noch geschliffen werden muss. Dann kann er glänzen und Armin Veh mehr als nur zufrieden stellen", so Suarez.

Die Füße sprechen lassen

Im Mittelfeld der Hessen könnte Fabian die Position von Alex Meier oder Marc Stendera hinter den Spitzen einnehmen oder für den Coach eine Alternative zu Stefan Aigner auf der rechten Außenbahn sein. An Selbstvertrauen mangelt es dem Neuzugang jedenfalls nicht. Warum sollte man nicht mittelfristig in die Europa oder Champions League kommen, sagte er gegenüber ESPN.

Um aber überhaupt Fuß zu fassen, muss auf der ersten Auslandsstation erst einmal die Integration gelingen. Sprachliche Barrieren könnten die Südamerikaner Zambrano und Abraham zu überwinden helfen. "Die beste Sprache aber", sagte Fabian, "spricht man ohnehin mit den Füßen".

Um seinen Ruf weiß der Mexikaner selbstverständlich auch selbst. All die Skandale aber seien Sachen, die in seiner Jugend passiert seien. "Aber ich bin jetzt erwachsen und in Frankfurt, um zu zeigen, dass ich ein professioneller Mensch geworden bin."

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Roman Ahrens

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