Hoffenheims Entwicklung unter Gisdol

Mit Hurra in den Abgrund

Von Adrian Fink
Freitag, 23.10.2015 | 13:01 Uhr
Markus Gisdol steht bei der TSG Hoffenheim vor dem Aus
© getty
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Die TSG 1899 Hoffenheim hinkt den eigenen Erwartungen weiter deutlich hinterher und rangiert in der Bundesliga nach neun Spieltagen auf dem 17. Platz. Trainer Markus Gisdol steht mit dem Rücken zur Wand, gegen den HSV muss ein ein Sieg her (20.30 Uhr im LIVETICKER).

Es war überraschend, wie optimistisch Markus Gisdol auf der Pressekonferenz vor dem für ihn möglicherweise entscheidenden Spiel als Trainer der TSG Hoffenheim auftrat. Überraschend und - mit einem Blick auf die Tabelle - gleichermaßen verwunderlich. Denn die TSG ist in der Bundesliga bis auf Rang 17 abgestürzt. Das Wort Abstiegskampf sucht man in Sinsheim trotzdem vergeblich - weder Spieler noch Verantwortliche nehmen das böse Wort in den Mund.

"Die aktuelle Situation ist neu für mich; schwieriger war sie, als ich hier angefangen habe, weil wir damals viel weniger Zeit hatten. Ich versuche, die Mannschaft bestmöglich auf die Partie am Freitag vorzubereiten", schätzt Markus Gisdol die bedrohliche Lage der TSG ein und gibt sich vor dem Match gegen den HSV betont zuversichtlich. "Das Team will am Freitag etwas zeigen und deshalb bin ich guten Mutes, dass wir einen Sieg einfahren können. Dafür wenden auch wir Trainer in der täglichen Arbeit alle Energie auf."

Doch die Zweifel an seiner Person sind gewachsen - Anfang der Woche schrieb die Bild bereits, dass der Trainerstuhl in Sinsheim wackele und es ein Ultimatum seitens der Verantwortlichen gäbe. Doch Alexander Rosen stärkte Gisdol demonstrativ den Rücken. "Ich denke nach wie vor, dass die Konstellation passt. Sie können auch meine Arbeit hinterfragen, ich habe die Mannschaft zusammengestellt", wird Rosen von der Zeitung zitiert. "Auf die angeblichen Gesetzmäßigkeiten des Geschäftes gebe ich nichts. Ein Trainerwechsel ist nicht das Allheilmittel - das wiederum belegen Statistiken", ergänzt der Manager.

Hopp trifft sich mit Spielern

Trotzdem steht Gisdol gehörig unter Druck. Denn das Verhältnis zu Mäzen Dietmar Hopp gilt schon seit den zähen Vertragsverhandlungen im Frühjahr als überstrapaziert. "Wir haben in den letzten Tagen nicht gesprochen, aber das ist nichts Außergewöhnliches", meinte der 46-Jährige vor dem Spiel gegen den HSV zu seinem Verhältnis zum Geldgeber.

Außergewöhnlich ist hingegen, dass Hopp sich hinter Gisdols Rücken mit einigen Spielern vor dem Duell mit dem HSV zum Krisengespräch getroffen hat. "Die Spieler haben mich informiert, dass es so ein Gespräch gab. Ich habe es nicht gewusst, aber die Spieler haben es mir gesagt", gab Gisdol zu. Schlechte Vorzeichen, denn deutlicher kann die Autorität des Trainers kaum untergraben werden und gerade in Hoffenheim ist die Gunst des Geldgebers bekanntlich mindestens genauso wichtig wie die Unterstützung des Managers.

Auch die Mannschaft scheint Gisdol nicht mehr nachhaltig zu erreichen, denn es spricht Bände, wenn ein Spieler die mangelnde Umsetzung der Vorgaben öffentlich so anprangert wie es Eugen Polanski jüngst bei Sky tat: "Wir trainieren was anderes, wir sprechen was anderes an. Dann machen drei das und vier das, und drei gar nichts. Das ist kein Bundesliga-Niveau."

Defensive als altes Problem

Tatsächlich kann man die TSG derzeit als ernsthaften Abstiegskandidaten sehen. Denn bei Hoffenheims Talfahrt handelt es sich keineswegs um eine temporäre Formkrise, vielmehr ist es das Resultat einer negativen Entwicklung: Im Kalenderjahr 2015 ist Hoffenheim nach Hannover die zweitschlechteste Mannschaft aller Bundesliga-Vereine. Holte die TSG in der Rückrunde der Saison 2014/15 immerhin noch 18 Zähler, so ist die Ausbeute von sechs Punkten in der laufenden Saison besorgniserregend. Ein direkter Abstiegsplatz ist die logische Konsequenz.

Die Gründe für die Misere sind vielschichtig. Zum einen gibt es da das altbekannte Problem: die Defensive. In den beiden vergangenen Saisons waren es zusammen 125 Gegentore, auch in der laufenden Spielzeit sind es im Schnitt zwei pro Spiel. Auffällig ist dabei, dass sich die Gegner zahlreiche klare Chancen herausspielen können. So fing sich die TSG alle Gegentore durch Schüsse innerhalb des Strafraums ein.

Zum anderen gibt es aber auch ein neues Problem: Wurde die Gegentor-Flut bislang als Nebenprodukt der offensiven Philosophie geduldet, hat die überfallartige Spielweise der Hoffenheimer mittlerweile die Runde gemacht, sodass sich die Gegner besser auf die TSG einstellen. In der Folge kommt das von den Hoffenheimern geliebte Konterspiel kaum zur Entfaltung.

Deshalb können die Hoffenheimer nach zwei einstelligen Tabellenplätzen die defensive Anfälligkeit nicht mehr kompensieren. Während die Gisdol-Elf in den beiden vergangenen Spielzeiten addiert auf 121 Treffer, also knapp 1,8 Tore pro Spiel, kam, steht das Team nach neun Spieltagen erst bei zwölf Buden. An sich keine verheerende Zahl, aber da sich kaum ein Team so über die Abteilung Angriff definiert wie die Hoffenheimer, ist das ein wahres Problem.

Prominente Neuzugänge funktionieren nicht

Ein Grund für die mangelnde Torgefahr ist der Wechsel von Roberto Firmino zum FC Liverpool. Dass der Verlust eines Spielers dieses Formats zu einer sportlichen Einbuße führt, war zu erwarten. Allerdings schaffte es Rosen nicht, mit der üppigen Ablöse von 41 Millionen Euro adäquaten Ersatz an Land zu ziehen.

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Stattdessen wurden mit Jonathan Schmid, Fabian Schär, Kevin Kuranyi und Eduardo Vargas zwar durchaus namhafte Neuzugänge verpflichtet, auf dem Platz herrscht aber keine Harmonie. Insbesondere der Sechs-Millionen-Mann Vargas ist bislang ein großes Missverständnis: Als Torschützenkönig der Copa America 2015 mit viel Vorschusslorbeeren in Sinsheim empfangen, erzielte der Chilene in seinen sieben Bundesliga-Einsätzen nur einen Treffer.

Kein passender Partner für Volland

Sowohl im individuellen Bereich als auch im Mannschaftsverbund ging Qualität verloren, aus dem gefürchteten Überfall-Sturm wurde graues Mittelmaß. Die einzige Konstante heißt Kevin Volland: Der Nationalspieler hat fünf Tore und zwei Vorlagen auf dem Konto. Auf der Suche nach einem kongenialen Partner für Volland ist Gisdol jedoch noch nicht fündig geworden. Das Experiment mit Kuranyi scheiterte, der Ex-Nationalspieler ging bei allen sieben Einsätzen leer aus.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, änderte der 46-Jährige des Öfteren sein System. Mal ließ er seine Mannschaft im 4-4-2 mit Doppel 6, mal im 4-4-2 mit Raute auflaufen. Zwischenzeitlich versuchte er es mit einem offensiven 4-3-3, ehe er gegen die Wölfe wieder zu einem 4-4-2 zurückkehrte. Der Coach wirkt dieser Experimente ratlos - einzig die Philosophie der wilden Ball-Jagd blieb stets unangetastet.

Die Zeit läuft ab

"Wir haben vor der Saison vieles neu gemacht und sind sicher, dass wir eine gute Mannschaft formen können. Derzeit stockt es mehr, als wir uns das wünschen", begründet der Übungsleiter die Umstellungen. "Die Situation ist wenig erfreulich. Manchmal hätten wir natürlich gerne schneller Erfolge bei den Neuzugängen, aber wir geben ihnen die nötige Zeit."

Angesichts der schwachen Entwicklung dürften die Verantwortlichen ihrem Trainer aber nicht mehr allzu viel Zeit geben. Auch die (misslungene) Transferpolitik darf nicht als Ausrede dienen, denn der Kader hat zweifelsfrei Bundesliga-Niveau - jedenfalls genug für einen sicheren Mittelfeld-Platz. Allerdings ist der Coach nicht bereit, von seiner mittlerweile entschlüsselten Spielphilosophie abzurücken und steht nach den letzten Ergebnissen so stark unter Druck wie noch nie.

Bei einer Niederlage gegen den HSV hat Rosen wenige Argumente, um an Gisdol festzuhalten. Mit einem Sieg würde sich der Trainer zwar Luft verschaffen und die drohende Kündigung aufschieben, ein langfristiger Verbleib dürfte aber angesichts der Gesamtentwicklung ausgeschlossen sein. Der Kredit scheint allmählich aufgebraucht.

Die TSG Hoffenheim in der Übersicht

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